lvh startet Sensibilisierungskampagne

Qualität hat ihren Preis

Mittwoch, 22. April 2015 | 14:18 Uhr

Bozen – Wenn ein Handwerker eine Arbeitsstunde in Rechnung stellt, heißt das nicht, dass er in dieser Zeit auch so viel verdient. Immer wieder sind Kunden der Meinung, dass Handwerker zu teuer sind und der Stundenverrechnungssatz zu hoch berechnet ist. Welche Kosten hinter einer Handwerksstunde stecken, zeigt der Wirtschaftsverband für Handwerk und Dienstleister (lvh) anhand eines Kostenkalkulationsmodells auf.

Wie legt man einen Stundensatz fest? Nach welchen Kriterien geht man vor? Und vor allem: Wie vermittelt man dem Kunden den Wert der Handwerksleistung? Diese Fragen stellen sich die Handwerker, insbesondere junge angehende Unternehmerinnen und Unternehmer, häufig. „Um die Handwerksbetriebe in der Kostenkalkulation zu unterstützen und zu professionalisieren, hat der lvh ein Kalkulationsmodell ausgearbeitet, das den Betriebsinhabern aufzeigen soll, welche Faktoren bei der Berechnung der Stundensätze berücksichtigt werden müssen, um gewinnbringend zu arbeiten. Anhand eines konkreten und authentischen Berechnungsbeispiels weiß der Unternehmer genau, was eine Handwerkerstunde kostet“, erklärt lvh-Präsident Gert Lanz.

Grundsätzlich setzt sich ein Stundenverrechnungssatz aus folgenden Kosten zusammen: 32 Prozent ergeben sich aus dem Bruttolohn des Mitarbeiters pro Stunde, 13 Prozent werden für tarifliche und gesetzliche Sozialaufwendungen (wie z.B. Urlaubsgeld, INPS- und INAIL-Abgaben, Abfertigung, Verpflegung, Arbeitssicherheitskurse, Arbeitsbekleidung u.ä.) berechnet, 50 Prozent sind auf betriebliche und kalkulatorische Gemeinkosten (z.B. Raumkosten, Versicherungen, Telefon, Büromaterial, Kfz-Kosten, Steuer- und Beratungskosten, Abschreibungen, Werbung, Steuern usw.) zurückzuführen und 5 Prozent macht der Zuschlag für das Unternehmerrisiko und den Unternehmergewinn aus.
„Ein solches Berechnungsmodell bietet sicherlich eine sehr gute Grundlage, um die Betriebe für eine faire Preispolitik zu sensibilisieren und das Preisdumping einzudämmen“, ist auch der Obmann der Zimmerer im lvh Richard Nocker überzeugt. Unter den Südtiroler Zimmereibetrieben ist die Thematik der Preisgestaltung besonders akut: Der Markt wird dort mit Preisunterbietungen bis zu 28 Prozent ruiniert.

„Ziel der Sensibilisierungskampagne ist es, auf der einen Seite, den Betriebsinhabern ein anwendbares Kalkulationsmodell zu vermitteln und auf der anderen Seite den Kunden aufzuzeigen, wie sich der Stundensatz eines Handwerkers zusammensetzt“, so Lanz. Die vom Wirtschaftsverband organisierten Seminare für Handwerksbetriebe „Qualität hat ihren Preis“, finden im Mai 2015 statt und sind bereits ausgebucht. Eine weitere Seminarreihe ist bereits geplant.

Von: ©mk

Bezirk: Bozen