Von: Lukas Unterkofler
Bozen – Die Sommerausgabe des Wirtschaftsbarometers vom WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen zeigt eine Verbesserung der Ertragslage im Dienstleistungssektor, wo die Unternehmen auch mit steigenden Investitionen rechnen. Im Transportwesen bleibt das Geschäftsklima positiv, auch wenn die Einschätzungen der Unternehmen vorsichtiger ausfallen als bei der vorherigen Erhebung im Frühjahr.
Die Rentabilitätserwartungen im Dienstleistungssektor haben sich in den vergangenen Monaten verbessert. Mittlerweile rechnen 84 Prozent der Unternehmen damit, das Jahr 2026 mit einem zufriedenstellenden Betriebsergebnis abzuschließen. Die Umsätze steigen und die Investitionsabsichten haben sich gegenüber dem Frühjahr erholt und liegen nun wieder auf dem Niveau der letzten Jahre.
Betrachtet man die einzelnen Branchen, ist die Zuversicht im Finanz- und Versicherungswesen am größten. Dort stützen die Aussichten auf steigende Zinssätze die Rentabilitätserwartungen: Alle befragten Unternehmen rechnen mit einem zumindest zufriedenstellenden Betriebsergebnis, in mehr als der Hälfte der Fälle sogar mit einem guten. Die Banken melden zudem eine Steigerung der Kreditforderungen und eine Verlangsamung der Einlagenentwicklung, insbesondere auf dem italienischen Markt außerhalb Südtirols. Deutlich positiv ist das Geschäftsklima auch in der Branche Informatik und Telekommunikation sowie bei den freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen. Gegenüber der Frühjahrserhebung ist schließlich auch bei den persönlichen Dienstleistungen eine spürbare Verbesserung der Rentabilitätserwartungen zu beobachten. Das Geschäftsklima bei den unternehmensbezogenen Dienstleistungen hat sich hingegen trotz steigender Umsätze verschlechtert, insbesondere in den personalintensiven Bereichen.
Im Transportwesen sind die Rentabilitätserwartungen für das laufende Jahr gegenüber dem Frühjahr leicht zurückgegangen. Dennoch rechnen weiterhin mehr als neun von zehn Unternehmen mit einem zufriedenstellenden Betriebsergebnis. Die Umsatzentwicklung bleibt im Allgemeinen positiv, auch infolge der verbreiteten Preiserhöhungen, die notwendig waren, um den hohen Treibstoffpreisen entgegenzuwirken. Die Beschäftigungsentwicklung wies in der ersten Jahreshälfte ein Wachstum von 5,4 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 auf; die Zahl der Arbeitnehmer lag durchschnittlich bei fast 11.300.
Betrachtet man die einzelnen Branchen, so ist das Geschäftsklima bei den Betreibern der Aufstiegsanlagen am besten. Sie erwarten heuer fast durchwegs ein zufriedenstellendes und häufig sogar ein gutes Betriebsergebnis sowie steigende Investitionen. Auch im Personentransport bleiben die Rentabilitätserwartungen bei mehr als neun von zehn Unternehmen positiv. Die große Unsicherheit hat jedoch zu einer deutlichen Verlangsamung der Investitionstätigkeit geführt, insbesondere bei den Fahrzeugen. Im Gütertransport liegen die Rentabilitätsaussichten weiterhin über dem Durchschnitt der letzten Jahre: Fast neun von zehn Unternehmen sind mit der heurigen Ertragslage zufrieden. Die Investitionsabsichten bleiben gegenüber dem Frühjahr weitgehend stabil und liegen leicht über dem Vorjahresniveau.
Der Präsident der Handelskammer, Michl Ebner, äußert sich kritisch zu einer Kontingentierung des Güterverkehrs entlang der Brennerachse: „In einer Zeit, in der die Frächter bereits mit stark gestiegenen Treibstoffkosten konfrontiert sind, würde die Einführung eines Slot-Buchungssystems nur zusätzliche Belastungen für die Unternehmen mit sich bringen, insbesondere für die kleineren Betriebe.“
Methodische Anmerkung
Im Rahmen des WIFO-Wirtschaftsbarometers umfasst der Dienstleistungssektor folgende Branchen: Verlag und Kommunikation, Informatik, Kredit und Versicherung, Immobilienverwaltung, freiberufliche, technische und wissenschaftliche Dienstleistungen sowie personen- und unternehmensbezogene Dienste. Nicht eingeschlossen sind Handel und Gastgewerbe. Das Transportgewerbe wird gesondert untersucht.
Nachfolgend die Stellungnahmen der Wirtschaftsverbände:
Philipp Moser, Präsident des Wirtschaftsverbandes hds
„Die Dienstleistungen gewinnen wieder an Fahrt: steigende Umsätze, mehr Investitionen und bessere Ertragsaussichten sind ein starkes Signal. Doch nicht alle sitzen im selben Boot – besonders personalintensive Betriebe bei den unternehmensbezogenen Dienstleistungen spüren Gegenwind. Entscheidend sind jetzt gute Rahmenbedingungen, damit aus Zuversicht nachhaltiges Wachstum wird.“
Alexander Öhler, Obmann der Transporteurinnen und Transporteure im lvh
„Für die Betriebe im Transportgewerbe wird es zunehmend schwieriger, wettbewerbsfähig zu bleiben. Der massive Fahrermangel, der hohe Kostendruck und die zunehmenden Einschränkungen im Transitverkehr stellen die Unternehmen vor große Herausforderungen. Es braucht deshalb verlässliche Rahmenbedingungen und konkrete Entlastungen für den Sektor.“
Alexander Rieper, Präsident Unternehmerverband Südtirol
„Der Kostendruck im Transportwesen steigt kontinuierlich. Dennoch zeigen die Investitionsabsichten, dass die Unternehmen weiterhin in einen modernen Fuhrpark investieren und damit einen wichtigen Beitrag zur Emissionsreduzierung leisten wollen. Mobilität muss aber auch effizient funktionieren: Dafür braucht es moderne Infrastrukturen auf Straße und Schiene, die eine zuverlässige und wettbewerbsfähige Logistik ermöglichen.“
Mirko Siviero, CNA FITA Güter- und Personenverkehr
„Auf dem wachsenden Markt des Güter- und Personentransports lasten die Unsicherheit durch den kontinuierlichen Kostenanstieg, der mittelfristige Investitionen bremst, der Personalmangel und die Situation am Brennerpass: Wir sind gegen das Slot-System, und es gibt keine gemeinsamen Alternativvorschläge mit Deutschland und Österreich. Nach den Staus rund um Ferragosto sehen wir die Dringlichkeit, auf der A22 die dynamische dritte Fahrspur einzuführen.“





Aktuell sind 0 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen