Tagung der Initiative „Baumgart“

Streuobstwiesen: Von großem Wert für Biodiversität und Gastronomie

Freitag, 05. November 2021 | 09:43 Uhr

Bozen – Sie sind wichtige Elemente unserer Kulturlandschaft und sind von großem Wert für die heimische Tradition, Wirtschaft und Gastronomie: Streuobstwiesen, also Wiesen mit verstreut stehenden, hochstämmigen Obstbäumen, hierzulande auch „Baumgart“, „Pangert” oder „Anger“ genannt. Vor allem sind sie ein wichtiger Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten, wie ein Forscherteam von Eurac Research im Rahmen einer Tagung am 5. November aufzeigte. So wurden zum Beispiel in den bislang untersuchten Streuobstwiesen in Südtirol im Durchschnitt mehr als 20 Vogelarten dokumentiert.

Die Tagung beleuchtete den Mehrwert von Streuobstwiesen aus ökologischer und wirtschaftlicher Sicht. Sie wurde von der „Initiative Baumgart“ organisiert, einer Initiative von Eurac Research, Roter Hahn, Bioland Südtirol, Heimatpflegeverband, Sortengarten Südtirol, Obstbaumuseum Südtirol und Amt für Natur, mit dem Ziel, dem Verschwinden von Streuobstwiesen entgegenzuwirken. Bei der Abendveranstaltung wurden zudem die schönsten Fotos von Südtiroler Streuobstwiesen prämiert, die im Rahmen eines Fotowettbewerbs eingereicht worden waren.

Sie liefern nicht nur Obst oft seltener und autochthoner Sorten, sondern auch Heu, Streu und Brennholz. Besonders wertvoll sind Streuobstwiesen als Lebensraum für Vögel und Heuschrecken. Dies zeigen die vorgestellten Erhebungen aus dem Biodiversitätsmonitoring Südtirol, das Eurac Research im Auftrag des Landes durchführt. In den bislang untersuchten Streuobstwiesen kamen durchschnittlich über 20 Vogelarten vor, darunter sehr seltene und gefährdete Arten wie der Neuntöter. Bei den Heuschrecken konnte am Ritten die Gestreifte Südschrecke und in Thuins die Gemeine Eichenschrecke erhoben werden, zwei Arten, die südtirolweit selten und gefährdet sind. Auch die Tagfalter und Gefäßpflanzen waren in den Streuobstwiesen mit hohen Artenzahlen vertreten. Ebenso sind sie für Wildbienen von besonderem Wert, wie ein Vergleich mit intensiven Obstanlagen zeigte.

„Wer eine Streuobstwiese bewirtschaftet, tut viel für die Tier- und Pflanzenarten, die auf extensive Lebensräume angewiesen sind“, unterstrich Andreas Hilpold von Eurac Research. Gleichzeitig haben Streuobstwiesen „ein hierzulande noch kaum genutztes wirtschaftliches Potenzial“, wie Theo Libera vom Sortengarten Südtirol und selbst Bewirtschafter einer Streuobstwiese aufzeigte. „Die oft seltenen und autochthonen Sorten aus Streuobstwiesen, sowie ihre Produkte, wie Marmeladen und Obstsäfte, erfreuen sich zunehmender Beliebtheit“, so Libera. Streuobstwiesen können zudem ein interessanter Zuerwerb für bäuerliche Betriebe sein, sei es für Urlaub auf dem Bauernhof oder für Buschenschänke, wie Hannes Knollseisen von Roter Hahn bei der Tagung erklärte.

Ausblick

Zum Thema Streuobstwiesen organisiert die Initiative „Baumgart“ in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Bauernbund eine Weiterbildungsveranstaltung. Sie findet an drei Terminen im März und April 2022 statt.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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5 Kommentare auf "Streuobstwiesen: Von großem Wert für Biodiversität und Gastronomie"


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halihalo
halihalo
Universalgelehrter
28 Tage 41 Min

sehr interessant , hoffentlich werden viele erhalten , alte Obstsorten schmecken oft köstlich ! nur Brennholz sollten diese Streuobstwiesen nicht zu viel liefern sonst bleibt nicht viel übrig😂

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
27 Tage 18 h

@halihalo
das mit dem Brennholz hab ich mich auch gefragt.
Verstehe auch nicht so ganz den behaupteten Nutzen für die Gastronomie?

halihalo
halihalo
Universalgelehrter
27 Tage 17 h

@pfaelzerwald
der Nutzen für die Gastronomie liegt wohl eher am erhalten der schönen Landschaft , das so ein Streuobstgarten für den Besitzer sehr arbeitsintensiv ist und wenig Ertrag erbringt ist halt die andere Seite der Medalie

Reitiatz
Reitiatz
Universalgelehrter
27 Tage 23 h

nor miats deis zuig ah kafn it lei gscheid reidn, ba dia streuobstwiesen dia ih kenn fault unter die bam s obst zom 🤷🏼‍♀️

Zugspitze947
26 Tage 19 h

Lächerlich in Südtirol ist so gut wie nichts mehr übrig von diesen Streuobstwiesen. Kein Busch oder Strauch oder Baum am Rand der Langweiligen Obstplantagen ist mehr sicher ! Alles wird niedergemacht nur um noch mehr langweilige Obstbäume zu Planzen,aber die Flora und Fauna rächt sich sicher ,aber man merkt es erst wenns zu spät ist😢👌😡

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