AFI-Barometer - Herbst 2021

Südtirol: “Aufschwung auf dünnem Eis”

Freitag, 12. November 2021 | 12:36 Uhr

Bozen – Im dritten Quartal 2021 hat Südtirols Wirtschaft weiter an Boden gewonnen. Der im Frühsommer eingesetzte Aufschwung wird nicht nur durch den Anstieg der Beschäftigung sichtbar (+2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr), sondern findet auch Niederschlag im wichtigsten Stimmungsindikator der Südtiroler Arbeitnehmer quer durch alle Branchen. „Es handelt sich allerdings nach wie vor um einen Aufschwung auf dünnem Eis“, betont AFI-Direktor Stefan Perini.

Die Daten vom Amt für Arbeitsmarktbeobachtung der Landesverwaltung zeigen es klar und deutlich: Der Beschäftigungszuwachs betrifft vor allem die Saisonarbeiter bzw. die befristet Beschäftigten im Gastgewerbe (+19,3 Prozent), während er in anderen Branchen schwächer ausfällt. Die aktuell positive Phase spiegelt sich auch in den Erwartungen der vom AFI interviewten Arbeitnehmer/Innen wider: Diese steigen in bedeutendem Maße an, außer im Baugewerbe und im öffentlichen Sektor. Von den in diesen Bereichen tätigen Arbeitnehmer/Innen wird der Aufschwung weniger stark wahrgenommen.

Die Beschäftigungslage entspannt sich weiter

Die Arbeitsmarktdaten in den drei Monaten von Juli bis September 2021 zeigen eine Zunahme der lohnabhängigen Beschäftigung, sowohl im Vergleich zum vorhergehenden Quartal (+10,6 Prozent), als auch zum Herbst 2020 (+2,7 Prozent). Dank der Lockerung der Einschränkungen und der Wiederaufnahme wirtschaftlicher Tätigkeiten ist laut AFI-Barometer in sechs der sieben untersuchten Branchen ein deutlicher Aufschwung zu beobachten.

Der Beschäftigungszuwachs zieht sich durch alle Kategorien, unabhängig von Geschlecht oder Alter. Am deutlichsten fällt der Anstieg bei den Mitarbeitern/Innen mit einem befristeten Arbeitsvertrag (+8,8 Prozent) aus. Diese starke Zunahme ist vor allem auf die Wiederbeschäftigung der Saisonarbeiter/Innen im Tourismus zurückzuführen. Parallel dazu wird auch ein leichter Anstieg der unbefristeten Arbeitsverträge deutlich (+0,2 Prozent). Nicht von der positiven Tendenz betroffen sind hingegen – zumindest im Moment – die Lehrlinge, deren Anzahl in den letzten zwölf Monaten sogar eine Abnahme um -4,8 Prozent verzeichnet.

Die Entspannung der Lage lässt sich auch an der Anzahl der in den Arbeitsämtern eingetragenen Arbeitslosen ablesen. Diese sinken trotz Aufhebung des Entlassungsverbots deutlich (-14,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Ein weiterer Beleg für den aktuellen Aufschwung ist die Zahl der genehmigten Lohnausgleichsstunden: -25,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal.

Auch im Herbst überwiegt der Optimismus

Die Erwartungen für die wirtschaftliche Entwicklung Südtirols in den nächsten zwölf Monaten sind recht optimistisch, was wohl mit den allmählichen Wiedereröffnungen zusammenhängt. Nachdem im Sommer 2021 der höchste „punktuelle“ Indexwert seit der ersten Auflage des AFI-Barometers verzeichnet wurde, fallen nun die Erwartungen der befragten Beschäftigten zwar etwas bescheidener aus, verzeichnen aber immer noch einen kräftigen Anstieg im Zwölf-Monats-Vergleich (+27 Indexpunkte).

Der „Vertrauensaufschwung“ ist vor allem in den Branchen „Private Dienstleistungen“ (+19), Handel (+16) und Gastgewerbe (+13) ausgeprägt. „Der Großteil der Südtiroler Arbeitnehmer/Innen blickt mit Zuversicht in die Zukunft, auch was die Beschäftigung betrifft“, erklären die Experten des AFI. Die Erwartungen bezüglich der Entwicklung der Arbeitslosigkeit kehren nämlich wieder auf den unbedenklichen Stand von vor der Corona-Krise zurück.

Dennoch werden auch im dritten Quartal 2021 einige kritische Aspekte zum wiederholten Mal deutlich: So werden im Gastgewerbe und im Verarbeitenden Gewerbe die Sorge, den eigenen Arbeitsplatz zu verlieren, und die Schwierigkeit, einen gleichwertigen Arbeitsplatz zu finden, immer noch als überdurchschnittlich hoch eingestuft.

Das AFI-Barometer erscheint viermal im Jahr (Winter, Frühjahr, Sommer, Herbst) und gibt das Stimmungsbild der Südtiroler Arbeitnehmerschaft wieder. Die telefonisch geführte Umfrage betrifft 500 Arbeitnehmer und ist für Südtirol repräsentativ. Die Interviews der aktuellen Ausgabe wurden zwischen 1. und 20. September 2021 durchgeführt.

Der Bericht „AFI-Barometer – Branchenspiegel Herbst 2021“ mit der Beschreibung der Entwicklung der acht Indikatoren des Stimmungsbildes für jeden der 7 untersuchten Wirtschaftssektoren kann auf der Website www.afi-ipl.org und HIER heruntergeladen werden.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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4 Kommentare auf "Südtirol: “Aufschwung auf dünnem Eis”"


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Meran24
Meran24
Grünschnabel
25 Tage 2 h

de wirtschaftspolitik geat mor sowieso af die nüsse. olls werd tuierer olleweil mear turisten und mear geld. irgendwenn isch a amol genua. Mir einheimisch kennen buggln und dorleisten ins fost nichts. schaug amol af enkre leit de es lond zu dem mochen wos es isch

PuggaNagga
25 Tage 5 Min

Kann ich nicht sagen.
Noch nie so gute Geschäfte gemacht wie heuer.🤑
Trotz Lieferengpässe, Lockdown und Green Pass Theater.

traktor
traktor
Universalgelehrter
24 Tage 21 h

es wird zeit die zinsen 10% anzuheben,bevor uns die inflation auffrisst

N. G.
N. G.
Universalgelehrter
24 Tage 9 h

@traktor 10%? Na dann, gut Nacht!
Darum muss man Wirtschaft studieren, denn wenns solche Aussagen gibt und die in die Tat umgesetzt würden, wäre Land unter!

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