Erster territorialer Zusatzvertrag für den Bereich Körperpflege unterzeichnet

Südtiroler Handwerk setzt starkes Signal für Fachkräftegewinnung

Freitag, 21. Juni 2024 | 13:00 Uhr

Von: mk

Bozen – Die Sozialpartner des Handwerks lvh.apa, CNA Alto Adige Südtirol, ASGB, FILCAMS CGIL-AGB, FISASCAT SGBCISL e UILTuCS UIL-SGK haben heute Morgen im Haus der Sozialpartner im Handwerk den ersten territorialen Zusatzvertrag für den Bereich Körperpflege unterzeichnet. Der Vertrag, der auf Landesebene für etwa 1.100 Unternehmen und knapp 2.000 Arbeitnehmer/innen gilt, wurde nur wenige Wochen nach der Erneuerung des nationalen Tarifvertrags abgeschlossen und ergänzt diesen unter Berücksichtigung der Besonderheiten unseres Gebietes.

Kurz zum besseren Verständnis: Zu Jahresbeginn diskutierten die Sozialpartner eine Reihe von Vorschlägen. Diese sollten die Mitarbeiter/innen im Umgang mit den steigenden Lebenshaltungskosten unterstützen. Gleichzeitig sollten sie die Professionalität in einem sich stark verändernden Sektor anerkennen. Nach mehreren Treffen und konstruktivem Austausch haben die wichtigsten Verbände und Gewerkschaften diese Woche eine Einigung erzielt.

Zusätzlich zur im nationalen Tarifvertrag vorgesehenen Erhöhung von 183 Euro brutto in der dritten Ebene erfolgt auf derselben Ebene eine weitere Erhöhung von 90 Euro brutto. Diese Erhöhungen, sowohl national als auch lokal, werden in mehreren Tranchen von Mai 2024 bis Oktober 2026 ausgezahlt. “Wenn man beide Erhöhungen zusammenrechnet”, erklären Urban Unterweger, Obmann der Friseurinnen und Friseure im lvh.apa, und Elena Barbierato, Obfrau der Friseurinnen und Friseure von CNA Alto Adige Südtirol, “erhöht sich das Bruttogehalt eines qualifizierten Arbeiters in drei Jahren um 273 Euro. Wir sehen dies als starkes Signal der Anerkennung einer sich wandelnden Profession und als Motivation, die dringend benötigte jüngere Generation für diesen Sektor zu gewinnen.”

Der territoriale Vertrag ist der erste seiner Art in der Provinz Bozen für diesen Sektor. Er sieht auch eine Erhöhung des Beitrags zur integrativen Pensionsvorsorge durch die/den Arbeitgeber/in von 1 auf 2 Prozent vor, sofern auch die/der Arbeitnehmer/in seinen Beitrag auf mindestens zwei Prozent erhöht. “Wir sind überzeugt”, fügen die Branchenvertreter Sandro Stefanati (CNA Benessere), Elena Barbierato (CNA Acconciatori) und Claudia Hillebrand (Obfrau der Gruppe Körperpflege im lvh.apa) hinzu, “dass es die Pflicht der Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber ist, den jungen Menschen die Bedeutung von Investitionen in die Zukunft klarzumachen, und dieser Punkt des Vertrags geht in diese Richtung.”

Zufriedenheit über die Unterzeichnung des ersten territorialen Zusatzvertrages für den Bereich Körperpflege herrscht auch bei den Gewerkschaften. „Das Ergebnis zeigt die Bedeutung der Verhandlungen auf zweiter Ebene“, erklären FILCAMS CGIL-AGB, FISASCAT SGBCISL, UILTUCS UIL TAAS und ASGB. Der Vertrag sieht zusätzliche Löhne vor und bedeutet noch mehr Wertschätzung für die Leistungen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Dies ist vor allem für junge Menschen und Frauen wichtig, die in diesem Handwerksbereich arbeiten. Das Abkommen ergänzt den gerade erneuerten nationalen Tarifvertrag und stellt eine wichtige Anerkennung der Fachkompetenz und Qualifikation des Sektors dar.

Zu den weiteren Neuerungen des Zusatzvertrags gehören die Anerkennung der Ausbildungszeit für die Berechnung der Dienstalterszulagen und die Ausweitung des Rechts auf eine dreimonatige Freistellung für Gewaltopfern die zu 30 Prozent bezahlt wird.

Auf Vorschlag der Arbeitgeberverbände wird im Vertrag die Bedeutung der Inanspruchnahme von Fachleuten des Sektors betont. Dies ist besonders wichtig für einen Bereich, der stark unter Schwarzarbeit leidet. Der Anteil der irregulären Tätigkeiten im Bereich Körperpflege liegt auf nationaler Ebene bei etwa 27,6 Prozent. Nur legale Tätigkeiten, die die hygienischen und sanitären Vorschriften einhalten, gewährleisten den Schutz der Gesundheit der Kunden und die Entwicklung einer gesunden Wirtschaft. Im Rahmen der Unterzeichnung des Vertrags wurde schließlich erneut die Absicht bekräftigt, das Instrument der dualen Ausbildung besser zu nutzen, um neue Arbeitskräfte zu gewinnen.

Bezirk: Bozen

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