Konsortium Südtiroler Qualitätskontrolle

Südtiroler Produkte stehen für Qualität

Freitag, 06. August 2021 | 21:12 Uhr

Bozen – Qualitätszeichen Südtirol, europäisch geschützte Herkunftsbezeichnungen und andere Qualitätssiegel: Wer garantiert eigentlich, dass drin ist was draufsteht?

In Südtirol ist für die meisten landwirtschaftlichen Produkte das Konsortium Südtiroler Qualitätskontrolle (SQK) zuständig. 2001 gegründet, feiert die SQK heuer ihr 20-jähriges Bestehen. Auf der Jubiläumsversammlung am Donnerstag, 5. August 2021, in der Kellerei Bozen sprachen mehrere Redner über die wachsende Bedeutung von geprüfter Qualität in Zeiten von zunehmend kritischen und gut informierten Konsumenten.

Die Südtiroler Qualitätskontrolle (SQK) ist heute eine zertifizierte, akkreditierte und gemäß Richtlinien der EU, des Staates und des Landes Südtirol anerkannte Kontrollstelle im Lebensmittelbereich. Unter der Leitung von Präsident Andreas Gatscher und Geschäftsführer Dietmar Sinner führen – saisonal schwankend – bis zu dreißig Mitarbeiter Tausende Kontrollen in der landwirtschaftlichen Produktion, Verarbeitung und im Verkauf der Produkte durch.

Qualitätskontrollen sind heute längst keine „Pflichtübung“ mehr, sondern eine Garantie für den gesamten Zyklus landwirtschaftlicher Produkte – vom Produzenten bis zum Konsumenten. Gründungsmitglied Matthias Josef Gamper berichtete in seiner Festrede von den Anfängen: Noch in den 1990er Jahren war eine Vielzahl von Kontrolleuren unterwegs, die nach ganz unterschiedlichen Standards und Kriterien Prüfungen vorgenommen hatten – in Südtirol vor allem spürbar im Bereich Äpfel, weil es bereits damals das wichtigste landwirtschaftliche Erzeugnis war. „Es war eine sehr unübersichtliche Situation, die für unsere kleinstrukturierte Landwirtschaft mit vielen tausend unterschiedlichen Produzenten gefährlich zu werden drohte: Neue und strengere Auflagen durch EU, Staat und andere Behörden, aber auch Forderungen von Markeninhabern und Kundenseite verlangten immer mehr nach einheitlichen, standardisierten Qualitätsrichtlinien, welche auch zuverlässig und nachvollziehbar zu prüfen waren.“ So startete die Initiative zur Gründung der Südtiroler Qualitätskontrolle in der Apfelwirtschaft; die Handelskammer war von Anfang an dabei. „Es war eine Gemeinschaftsleistung, weil alle an einem Strang zogen: Produzenten, mutige Entscheider, die Politik…“, so Gamper.

Doch was ist überhaupt Qualität, wie kann man sie strukturiert messen und bestätigen? Dies erläuterte Marco Zanardi, Techniker und Inspektor des einzigen staatlich zugelassenen Institutes, welches Prüfstellen aller Art akkreditiert und befähigt, Qualitätsstandards zu bewerten: „Dabei analysieren wir zum einen die Prüfungsverfahren: Wie und mit welchen Methoden sollen die Kontrollen durchgeführt werden und können damit Ergebnisse erreicht werden, welche die Vorgaben der Norm-gebenden Institutionen erfüllen? Diese Normen sind gesetzlich geregelt oder auch selbst auferlegt – in Südtirol beispielsweise von der AGRIOS im Bereich des integrierten Apfelanbaus.“ Zum anderen werde auch laufend geprüft, wie diese Kontrolltätigkeit von der akkreditierten Kontrollstelle durchgeführt wird.

Es geht letztendlich um Vertrauen durch viele Partner – vom Produzenten bis hin zum Konsumenten, sagte Ulrich Wallnöfer in seinem Gastbeitrag. „Für uns als Händler ist die Südtiroler Qualitätskontrolle die Brücke vom Produzenten zum Endkonsumenten – wir von PUR Südtirol kennen zwar noch viele Produzenten persönlich, aber es braucht eine einheitliche, unabhängige Kontrollinstanz, weil der Konsument Garantien will.“

Kontrollierte, garantierte und vor allem hohe Qualität ist ohnedies auch für die Produzenten einer der wichtigsten Zukunftsfaktoren, betonte auch Landwirtschaftslandesrat Arnold Schuler: „Früher wurde die Wertschöpfung in der Landwirtschaft erhöht, indem die produzierten Mengen gesteigert wurden. Dies ist heute nicht mehr möglich – die Wertschöpfung kann nur durch gesteigerte Qualität abgesichert werden.“

Dafür bürgt die SQK. Die Zulassung als zertifizierte, akkreditierte und gemäß EU-, Staats- und Landesrichtlinien anerkannte Kontrollstelle im Lebensmittelbereich ist ein aufwändiger Prozess. Diese Zulassung erhält nur, wer eine ganze Reihe von Auflagen und Normen nachweislich erfüllt (z.B. die Europäische Norm EN ISO/IEC 17065), deren vorbeschriebene Arbeitsweise und Kriterien genauestens einhält und von einer staatlich beauftragten Akkreditierungsstelle zertifiziert wird. Die SQK erfüllt diese Kriterien und wurde daher von der einzigen in Italien zugelassenen Akkreditierungsstelle ACCREDIA in einem komplexen Verfahren zertifiziert. Damit garantiert die SQK, über die vorgeschriebenen Kompetenzen zu verfügen, ihre Tätigkeit unabhängig, objektiv, kompetent und nachvollziehbar durchzuführen.

Diese Eigenschaften werden von ACCREDIA übrigens regelmäßig und jährlich überprüft. Diese wichtige Akkreditierung erfolgte erstmals 2008 und bezieht sich auch auf die Produkte mit geschützter Herkunftsbezeichnung. „Wir hatten in den ersten Jahren unseres Bestehens somit nicht nur bereits erste Kontrolltätigkeiten zu leisten, sondern mussten vor allem auch die eigene Struktur und ihre Prozesse strikt auf die vorgeschriebenen Erfordernisse laut den europäischen Normen für Produktzertifizierungsstellen anpassen“, blickt Geschäftsführer Dietmar Sinner zurück.

Die Kontrollen erfolgen nach gesetzlich vorgeschriebenen Vorgaben – sprich: Was wann und wie kontrolliert werden muss, ist in den einschlägigen Protokollen genauestens beschrieben und muss minutiös durchgeführt werden. Somit ist die Zuverlässigkeit garantiert. Die SQK kontrolliert verschiedene Siegel wie  den Südtiroler Apfel mit der europäisch geschützten Herkunftsbezeichnung g.g.A. (geschützte geografische Angabe) oder das Qualitätszeichen Südtirol. Zu den Produkten mit Qualitätszeichen Südtirol gehören etwa Gemüse, Kartoffeln, Beeren, Steinobst, Bier, Honig, Kräuter, Gewürze, Fleisch, Brot und Apfelstrudel, Freilandeier, Apfelsaft und Apfelessig, Fruchtaufstriche und Konfitüren und Grappa.

Produkte mit Prädikat „Qualität Südtirol“:

Immer mehr Produkte aus Südtirol wurden im Lauf der Jahre dazu berechtigt, das Zeichen „Qualität Südtirol“ zu tragen; als bisher letzte sind vor wenigen Jahren Bier und Freilandeier dazugekommen.

Voraussetzung für die Aufnahme ins Register der Produkte mit „Qualität Südtirol“ ist es, dass es eine entsprechende Vereinbarung zwischen dem Land und dem jeweiligen Sektor gibt, in welchem Kriterien und Pflichtenhefte genau definiert sind. Im Wesentlichen geht es bei den Produkten mit „Qualität Südtirol“ um die regionale Herkunft aus Südtirol bzw. die Herstellung nach Südtirol-typischer Rezeptur; in den Pflichtenheften sind aber auch weitere Auflagen festgeschrieben, die in der Regel auf eine überdurchschnittlich hohe Qualität abzielen.

Zu diesen Auflagen gehört auch die regelmäßige Überprüfung durch eine unabhängige und zertifizierte Kontrollstelle. Die Vergabe der Kontrolltätigkeit wird alle zwei Jahre öffentlich ausgeschrieben; die SQK beteiligt sich seit ihrer offiziellen Zertifizierung regelmäßig und mit Erfolg daran. Sie kontrolliert die verschiedenen Produkte auf Einhaltung der verschiedenen Vorgaben in den Pflichtenheften, indem sie die Produkte selbst sowie die vorgeschriebenen Dokumentation bei Markennutzern und Produzenten überprüft.

Äpfel sind meistkontrollierte Lebensmittel:

Der Anzahl nach betreffen die meisten Kontrollen den Bereich Äpfel: Die SQK kontrolliert jährlich rund 4.000 abgehende Apfelpartien in den Abpackbetrieben und auf Großmärkten. Darüber hinaus überwacht sie die Einhaltung der Bestimmungen über die Integrierte Produktion, welche von der Arbeitsgruppe für den integrierten Anbau (AGRIOS) festgelegt werden und welche rund 6.500 Obstproduzenten und mehr als 20 Abpackbetriebe betreffen. Die Mitarbeiter der SQK überprüfen dazu jede einzelne Betriebsmappe eines jeden Produzenten und führen darüber hinaus 650 Betriebskontrollen auf den Bauernhöfen durch. Hierbei geht es auch um Analysen: Rund 1.300 Frucht- und Blattproben werden jedes Jahr gezogen und in verschiedenen akkreditierten Labors untersucht. Im Auftrag der Obstgenossenschaften führen die Techniker der SQK jährlich mehr als 2.000 interne GlobalG.A.P. Audits durch – hierbei geht es um die Standards der „Good Agricultural Practice“.

Wein, Speck und Wurstwaren:

Die Zusammenarbeit mit dem Konsortium Südtirol Wein und der SQK wurde in den letzten Jahren intensiviert. Für diverse Kellereien überprüft die SQK mittlerweile jährlich rund 2.000 Betriebshefte von Weinbauern, darüber hinaus werden Traubenproben für Analysen im Feld und bei der Anlieferung entnommen.

Europaweit ist die SQK für geschützte italienische Wurstwaren unterwegs. Jährlich führen die Techniker rund 1.000 Produktkontrollen an Verkaufspunkten in Italien und verschiedenen europäischen Ländern durch. Zudem werden mehr als 300 Kontrollen pro Jahr für das Südtiroler Speckkonsortium in Verkaufspunkten in Südtirol, Oberitalien und Süddeutschland durchgeführt.

Im Bild die Redner auf der Corona-kompatibel organsierten Jubiläumsveranstaltung des SQK (v.l.): Geschäftsführer Dietmar Sinner, Landesrat Arnold Schuler, Festredner Matthias Josef Gamper, Präsident Andreas Gatscher, Ulrich Wallnöfer (Pur Südtirol) und Marco Zanardi (ACCREDIA).

 

 

 

 

Von: bba

Bezirk: Bozen

Kommentare

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12 Kommentare auf "Südtiroler Produkte stehen für Qualität"


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heris
heris
Tratscher
1 Monat 21 Tage

Der Gute Speck von der Polnischen Sau  einfach Köstlich.

Roby74
Roby74
Superredner
1 Monat 20 Tage

@heris
Und Belgien,Dänemark,Deutschland und Holland nicht vergessen☝🏼!😉
Industriespeck holt….🤢🤮Als Frischfleisch zugeliefert,hier ausgebeint,zupariert,eingesalzen und geräuchert und schon haben wir nach einem Monat den Südtiroler Markenspeck!😂🤣😅

schneidigozoggla
1 Monat 20 Tage

In di Leit missats jo klor sein wennman nie a woade mit Facklan draf sig et

Kinig
1 Monat 20 Tage

@Roby.
Eigentlich isch des koan Witz, sondon a Tatsache 🤣😔

Roby74
Roby74
Superredner
1 Monat 19 Tage

@Missx
Leider schun.I moch mir mein Speck selber,Facklen leben afn Hof in Sarntol auf 1500 mt.und hobn an schianen Auslauf im freien mit frischen Gros,Suahl,frisches Wosser und guate Bergluft….😁

Parteikartl
Parteikartl
Tratscher
1 Monat 21 Tage

Wenns um den “leidigin Südtiroler Industriespeck” (GGA) geht, den mogsch vagessn…..
Nimmsch a “Stickl Südtiroler Bauernspeck”, legsch sui nebenanondo erkennsch glei die verschiedne Struktur, der Bauernspeck hot ca. 50% Fett (weißes) der hot so an guatn Gschmock-  unverkennbar – den konnsch richtig genießen.
Den Industriespeck hingegen, do kimmto glei schu es Solz entgegen wos die Soche nit bereichert ……

Roby74
Roby74
Superredner
1 Monat 20 Tage

@Parteikartl
Und die gummiartige Konsistenz a net….😉

anonymous
anonymous
Universalgelehrter
1 Monat 21 Tage

Es fragt sich wie schonend U Pestizide frei die hochgelobten Produkte hergestellt sind

lalala
lalala
Tratscher
1 Monat 20 Tage

Wie Umweltschonend und Pestizidfrei leben Sie?

inni
inni
Universalgelehrter
1 Monat 21 Tage

„Südtiroler Produkte stehen für Qualität“

… ober net olm schmeckn de Produkte a, wia zum Beispiel der Speck: meistens zu frisch, zu woach, zu gsolzn, zu gselcht und zu wianig weiß (fett).

Markuskoell
Markuskoell
Grünschnabel
1 Monat 20 Tage

Wir werden nicht das beste Essen oder gesündeste Essen der Welt hoben aber besser als so einige andere Länder auf dieser Welt auf jeden Fall 😉

1litermuelch
1litermuelch
Tratscher
1 Monat 20 Tage

Nr frog i enk amol, obs enk die orbet untian tats, an fock za zichten?
Na na, liaber in büro hucken und is geld fa ondre leit zehlen

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