Kaufkraft unter Druck

Südtirols Wirtschaft wächst trotz hoher Inflation

Mittwoch, 21. Oktober 2026 | 11:46 Uhr

Von: Sophia Molitor

Bozen – Südtirols Wirtschaft zeigt sich trotz internationaler Unsicherheiten robust. Beschäftigung und Tourismus wachsen, auch die Kreditvergabe zieht wieder an. Gleichzeitig belastet die anhaltend hohe Inflation die Haushalte. Laut dem Arbeitsförderungsinstitut AFI blicken Südtirols Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dennoch etwas zuversichtlicher auf die kommenden zwölf Monate.

Alle sechs vom AFI erhobenen Stimmungsindikatoren sind stabil oder haben sich zuletzt leicht verbessert. Die Erwartungen an die wirtschaftliche Entwicklung Südtirols fallen weiterhin verhalten positiv aus. Der entsprechende Index liegt bei plus 16 Punkten auf einer Skala von minus 100 bis plus 100. Dennoch bleibt die finanzielle Situation vieler Haushalte angespannt: 27 Prozent der Befragten geben an, nur schwer mit ihrem Lohn über die Runden zu kommen. 41 Prozent rechnen damit, in den kommenden zwölf Monaten kein Geld sparen zu können.

Beschäftigung und Tourismus legen zu

Die Südtiroler Wirtschaft erweist sich laut AFI auch im Herbst 2026 als widerstandsfähig. Die lohnabhängige Beschäftigung stieg in den ersten neun Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 1,8 Prozent. Die Erwerbstätigenquote liegt bei 73,9 Prozent, die Arbeitslosenquote bei 1,1 Prozent. Auch der Tourismus entwickelt sich positiv: In den ersten acht Monaten nahm die Zahl der Nächtigungen um drei Prozent zu. Nach einer zweijährigen Schwächephase wächst zudem die Kreditvergabe wieder und legte im ersten Halbjahr um 2,9 Prozent zu.

Schwächer entwickelt sich hingegen der Außenhandel. Die Exporte stagnierten im ersten Halbjahr, die Importe gingen um 0,6 Prozent zurück. Gleichzeitig stieg die Inflationsrate in Bozen im September auf 4,1 Prozent. Haupttreiber waren die höheren Treibstoff- und Energiepreise.

Kaufkraft bleibt zentrale Herausforderung

AFI-Direktor Stefan Perini verweist insbesondere auf die langfristigen Folgen der Teuerung. Zwischen 2021 und 2026 seien die Verbraucherpreise um mehr als 25 Prozent gestiegen, während sich die Löhne deutlich langsamer entwickelt hätten. Der Kaufkraftverlust sei deshalb in den wenigsten Fällen vollständig ausgeglichen worden.

Für 2026 hält das AFI an seiner Wachstumsprognose von 0,9 Prozent für Südtirol fest. Für 2027 erwartet das Institut ein Plus von 1,2 Prozent. Als stabilisierende Faktoren nennt es das günstigere wirtschaftliche Umfeld im Euroraum und den Südtiroler Landeshaushalt. Gleichzeitig könnten steigende Zinsen die Finanzierung für Unternehmen und private Haushalte erschweren.

Arbeitslandesrätin Magdalena Amhof bezeichnet den Kaufkraftverlust als eine der größten Herausforderungen. Das Land wolle einen möglichst hohen Teil der Inflation im Zeitraum 2025 bis 2027 für seine Bediensteten abfedern und die Löhne künftig jährlich anpassen, um einen festgelegten Anteil der Teuerung auszugleichen. Auch soziale Gerechtigkeit soll bei der Ausgestaltung des Landeshaushalts 2027 eine zentrale Rolle spielen.

Bezirk: Bozen

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