Der Fernpass ist seit jeher beliebte Transitroute für Urlauber

Tiroler Landesregierung schnürte “Fernpasspaket” mit Maut

Mittwoch, 24. Januar 2024 | 20:19 Uhr

Die schwarz-rote Tiroler Landesregierung hat am Mittwoch ein sogenanntes “Fernpass-Paket” für die viel befahrene, transitgeplagte Fernpass-Route im Außerfern vorgelegt. Angekündigt wurde die Errichtung der zweiten Tunnelröhre des Lermooser Tunnels, der Bau des Fernpasstunnels sowie eine Fernpassmaut in Höhe von rund 14 Euro für eine Pkw-Einzelfahrt ab Fertigstellung des letzteren. Das Paket wird insgesamt rund 500 Mio. Euro schwer sein.

Zur Vorstellung des Pakets im Rahmen einer Pressekonferenz rückte Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) in Begleitung von drei Landesräten in der Außerferner Bezirkshauptstadt an. Der Landeschef bekundete, dass durch die Projekte vorrangig die Sicherheit und der Verkehrsfluss auf der – vor allem bei Urlaubern aus dem Norden – beliebten und täglich von bis zu 30.000 Fahrzeugen benützten Route verbessern werden soll. “Es ist höchste Zeit, dass sich etwas tut”, sagte er. Gut die Hälfte der Investitionskosten soll in die zweite Röhre des Lermooser Tunnels fließen: 250 Mio. Euro sind dafür vorgesehen. Im Jahr 2026 soll mit dem vier Jahre dauernden Bau begonnen werden. Im Jahr 2029 wird laut den Plänen mit der Umlegung des Verkehrs in die neue Röhre gestartet und 2030 die alte Röhre saniert werden.

Der Startschuss für den 160 Mio. Euro schweren Bau des Fernpasstunnels soll ebenfalls 2026 erfolgen. Mit der Inbetriebnahme wurde im Jahr 2028 gerechnet. Weitere 90 Mio. Euro werden für Maßnahmen an der Strecke aufgewendet. Der Tunnel wird 1,4 Kilometer lang sein und ersetzt 4,8 Kilometer Passstrecke. Die Fahrtzeit soll um rund drei Minuten reduziert werden.

Darüber hinaus wird es ab der Fertigstellung des Fernpasstunnels eine Bemautung auf der Fernpassstrecke geben. Die Gebühren werden sich für eine Pkw-Einzelfahrt auf rund 14 Euro belaufen, hieß es. Eine Jahreskarte wird für 140 Euro erhältlich sein. Anders als auf der Felbertauernstrecke wird es aber – aufgrund der im EU-Recht verankerten Gleichbehandlung – keine Ausnahme für die Außerferner geben. Die Mauteinnahmen sollen indes im Bezirk bleiben und in die Verkehrsinfrastruktur im Bezirk investiert werden. Zudem versprach die Landesregierung je nach Haushaltsgröße eine “Außerfernförderung” in Form von “Regionalgutscheinen” in Höhe von 150 bis 290 Euro.

Es sei jedenfalls überaus wichtig, dass das nunmehr von der schwarz-roten Koalition geschnürte Paket “nicht nur auf die zwei Röhren reduziert wird”, strich der Landeshauptmann heraus. Es werde nämlich – beginnend mit 2024 – “weitere bauliche Maßnahmen” geben. Diese umfassen etwa Über- und Unterführungen bei Schutzwegen, Lärmschutzmaßnahmen oder die Umsetzung der Anbindung von Ehrenberg im Abschnitt Katzenberg.

Dieses Paket sei jedenfalls eine klare Ansage, betonte Landeshauptmannstellvertreter Georg Dornauer (SPÖ): “Nach vierzig Jahren Stillstand auf der Strecke werden nun von der schwarz-roten Landesregierung endlich Nägel mit Köpfen gemacht.” Ebenjenes Maßnahmenpaket habe man zudem “in kürzester Zeit beschlossen” und werde damit beitragen, dass die “Lebensqualität vor Ort in der Region bald klar steigen wird.”

Dem pflichtete auch LHStv. Josef Geisler (ÖVP) bei, der für den Bereich Straßenbau zuständig ist. “Schritt für Schritt können wir mit den im Paket verankerten Maßnahmen gewährleisten, dass es an den Störstellen zunehmend Fließverkehr geben wird”, so Geisler. Es gehe aber auch um die Bevölkerung an sich: “Mit dem Festhalten an dem 7,5 Tonnen Limit für Lkw auf der Strecke gewährleisten wir, dass es sich bei diesen Vorhaben um eine insgesamt sehr erfreuliche Botschaft für diese handelt.” Es wurde betont, dass es sich um keinen Kapazitätsausbau der Strecke handelt.

Verkehrslandesrat René Zumtobel (SPÖ) schlug in eine ähnliche Kerbe: “Wir wollen definitiv sicherstellen, dass die Fernpassstrecke durch die Verbesserungen keine neue Transitstrecke wird.” Neben dem 7,5-Tonnen-Limit wolle man dies mit verstärkten Kontrollen gewährleisten und nicht zuletzt auch den öffentlichen Nahverkehr als weiteren Baustein in diesem Vorhaben im Auge behalten, sagte Zumtobel, der gleichzeitig “vom Bund die nächsten Planungsschritte für den Fernpassbahntunnel” einforderte.

Mit der “Außerfernförderung” wolle man die “regionale Wirtschaft” künftig verstärkt in den Fokus nehmen. Das dafür vorgesehene, zusätzliche “Regionalwirtschaftsprogramm” wird laut Mattle jährlich 2,5 Millionen Euro schwer sein. “Damit wollen wir die Wirtschaft vor Ort stärken und die Kaufkraft erhöhen”, erklärte er dazu.

Kritik am geschnürten Paket kam indes von den oppositionellen Grünen. “Am Fernpass kommen noch mehr Stau, Tunnels und Maut und die Außerferner*innen sollen dafür mit 150 Euro Schweigegeld abgespeist werden”, ließ Grünen-Landessprecher und Klubobmann Gebi Mair wissen. Die Grünen würden “Nein” sagen “zu dieser Maut und zur neuen Transitstrecke”, solange es keinen Bahntunnel gebe. Die Bevölkerung in der Region solle “immer mehr Stau, Lärm und Dreck schlucken und dafür dann auch noch zahlen”, ging Mair mit der Landesregierung hart ins Gericht.

Von: apa

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1 Kommentar auf "Tiroler Landesregierung schnürte “Fernpasspaket” mit Maut"


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1 Monat 6 Tage

Das ist mit der Lueg-Baustelle eng abgestimmt.

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