"Gemeindeweg ist politisch bequem, aber unangemessen"

Verbände rufen zu Petition zum Bettenstopp auf

Mittwoch, 04. Februar 2026 | 11:39 Uhr

Von: Ivd

Bozen – Nach dem Rückzieher von einer generellen Verlängerung des Bettenstopps plant die Landesregierung nun, die Entscheidung über einzelne Tourismuszonen an die Gemeinden zu delegieren. Heimatpflegeverband Südtirol und Dachverband für Natur- und Umweltschutz sehen diesen Schritt mit großer Sorge: „Die Verantwortung für eine der zentralen raumordnungspolitischen Fragen einfach an die Gemeindestuben weiterzureichen, ist politisch bequem – aber sachlich nicht vertretbar“, betonen die Verbände.

Bettenstopp dürfe nicht ausgehöhlt werden

Die geltende Bettenstoppverordnung wurde nach intensiven Beratungen 2022 beschlossen – mit dem Ziel, der touristischen Überentwicklung klare Grenzen zu setzen. Viele Gemeinden und Betriebe haben sich daran gehalten und ihre Planungen entsprechend angepasst. „Wer jetzt nachträglich Sonderwege öffnet, straft jene ab, die rechtzeitig gehandelt haben, und untergräbt das Vertrauen in politische Verlässlichkeit.“

Dabei stehe längst nicht nur die Glaubwürdigkeit auf dem Spiel. Gerade in touristisch stark entwickelten Orten sei der Druck auf die Gemeindepolitik besonders groß. „Es ist naiv zu glauben, dass in diesen Kontexten sachliche Einzelentscheidungen möglich sind. Das Thema ist zu komplex, zu weitreichend und zu wichtig für die gesamte Landesentwicklung.“

Tourismus ende nicht an der Gemeindegrenze

„Tourismuszonen haben immer auch Auswirkungen über die jeweilige Gemeinde hinaus – etwa auf Verkehrsbelastung, Mietpreise, Arbeitsmarkt oder Bodenverbrauch. Deshalb braucht es klare Regeln auf Landesebene und keine Einzelfalllösungen hinter verschlossenen Türen. Wenn jede Gemeinde für sich entscheidet, wird das Grundprinzip des Bettenstopps faktisch ausgehebelt.“

Die beiden Verbände betonen: „Der Bettenstopp bedeutet keinen Stillstand.“ Auch innerhalb des geltenden Rahmens seien maßvolle Entwicklungen möglich – über Vorschusskontingente, qualitative Erweiterungen oder gezielte Bettenkontingente, insbesondere für strukturschwache Gebiete.

Petition wächst weiter – 8.400 Unterschriften

Die Online-Petition „Bettenstopp jetzt für Südtirol!“, die vom Heimatpflegeverband und vom Dachverband für Natur- und Umweltschutz gemeinsam getragen wird, zählt mittlerweile 8.400 Unterstützer. „Das ist ein starkes Signal – und es zeigt: Die Menschen wollen eine klare Trendumkehr. Es geht nicht um Stillstand, sondern um Zukunft in Maßen statt in Massen.“

Die Verbände rufen dazu auf, weiterhin zu unterschreiben – damit aus dem Teilerfolg kein Rückschritt wird.

Bezirk: Bozen

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