Veranstaltung lief auch dieses Jahr digital

Versuchsvorstellungen liefern neue Erkenntnisse im ökologischen Obst- und Weinbau

Donnerstag, 05. August 2021 | 19:40 Uhr

Pfatten – Am Donnerstag fanden die traditionellen Versuchsbegehungen im ökologischen Obst- und Weinbau von Fondazione Edmund Mach und Versuchszentrum Laimburg statt. Infolge der Covid-19-Pandemie wurde die Veranstaltung auch dieses Jahr wieder digital als Live-Stream-Event über den YouTube-Kanal der Fondazione Edmund Mach www.youtube.com/fondazionemach übertragen.

Seit ihrer Gründung arbeiten die Arbeitsgruppen zum ökologischen Obst- und Weinbau der Fondazione Mach (San Michele all’Adige, TN) und des Versuchszentrums Laimburg (Pfatten, BZ) eng zusammen und pflegen einen regen Informationsaustausch. Frucht dieser engen Zusammenarbeit ist die gemeinsame Vorstellung der Versuche im ökologischen Anbau, zu der die beiden Institutionen traditionell vor Beginn der Erntesaison Anfang August einladen. Die diesjährige Veranstaltung fand am Donnerstag, 05. August 2021 erneut als Live-Stream-Event auf dem YouTube-Kanal der Fondazione Edmund Mach www.youtube.com/fondazionemach statt.

Am Vormittag stellten die Experten der Fondazione Edmund Mach ihre aktuellen Versuche im ökologischen Weinbau vor, am Nachmittag hingegen ging es um die Versuche des Versuchszentrums Laimburg im ökologischen Obstbau. Die Zuschauerinnen und Zuschauer hatten die Möglichkeit den Referenten ihre Fragen direkt per WhatsApp zu stellen.
„Wir legen Wert darauf, dass unsere Ergebnisse auch da ankommen, wo sie gebraucht werden, nämlich in der landwirtschaftlichen Praxis und darum soll unsere gemeinsame Versuchsvorstellung mit der Fondazione Mach eine wichtige Informationsquelle für ökologisch wirtschaftende Obst- und Weinbaubetriebe nicht nur in der Region Trentino-Südtirol, sondern in ganz Italien und in anderen europäischen Obst- und Weinbaugebieten sein“, erklärte Co-Organisator Markus Kelderer, der am Versuchszentrum Laimburg den Fachbereich „Obstbau“ und die Arbeitsgruppe „Ökologischer Anbau“ leitet.

Versuchszentrum Laimburg – aktuelle Versuche im ökologischen Obstbau

Die Versuchsvorstellungen der Arbeitsgruppe „Ökologischer Anbau“ unter der Leitung von Markus Kelderer beschäftigen sich dieses Jahr schwerpunktmäßig mit der Regulierung von Pilzerkrankungen wie Apfelschorf und Mehltau, aber auch Rußtau. Darüber hinaus kam das europäische Horizont2020-Projekt BioFruitNet zur Sprache, an dem das Versuchszentrum Laimburg beteiligt ist.

Neue Wirkstoffe zur Bekämpfung von Pilzkrankheiten im biologischen Obstbau?

Im ökologischen Apfelanbau stellt die Regulierung der Pilzkrankheiten Apfelschorf (Venturia inaequalis) und Mehltau (Podosphaera leucotricha) nach wie vor die größte Herausforderung dar. Momentan stehen dazu hauptsächlich nur Produkte auf Basis von Kupfer und Schwefel zur Verfügung. Da diese jedoch aufgrund ihrer Auswirkungen auf die Umwelt zunehmend unter Kritik stehen und eine Einschränkung der zugelassenen Einsatzmenge absehbar ist, ist die Suche nach Alternativen grundlegend. Die Arbeitsgruppe „Ökologischer Anbau“ des Versuchszentrums Laimburg hat sich dieser Thematik angenommen und alternative Substanzen, die in Laborversuchen bereits interessante Ergebnisse zeigten und die Kriterien für eine Zulassung im ökologischen Anbau erfüllen, im Freiland getestet. Markus Kelderer und Claudio Casera stellten einen Versuch zur Regulierung von Apfelschorf in der Primärsaison (Frühjahr bis Frühsommer) sowie einen Versuch zur Regulierung von Mehltau auf entsprechend krankheitsanfälligen Sorten unter Praxisbedingungen vor. „In unserem Schorfversuch zeigte vor allem bezüglich des Befalls der Früchte ein Versuchsprodukt auf Basis einer gesättigten Fettsäure im vorbeugenden bzw. gezielten Einsatz eine relativ interessante Wirkung“, kommentierte Markus Kelderer die Versuchsergebnisse: „In unserem Versuch zum Mehltau hingegen erzielte kein Produkt die Wirkung eines Standardprodukts auf Schwefelbasis.“ Um gesicherte Aussagen treffen zu können, werden die Experten des Versuchszentrums Laimburg das Versuchsprodukt auf Basis der gesättigten Fettsäure noch weiter im Freiland unter unterschiedlichen Bedingungen testen. Auch Fragen der Zulassung müssen noch geklärt werden. „Wir müssen dringend nach weiteren Alternativen für den Bio-Anbau forschen, um die Regulierung der beiden wichtigsten Pilzkrankheiten im ökologischen Apfelanbau auf ein breites Fundament stellen zu können“, betonte Kelderer.

Auf welchem Stand sind wir bezüglich der Regulierung der Rußtaukrankheit?

Unter Rußtau versteht man bräunlich, gräulich bis schwarze Pilzrasen, welche die Früchte „tränenförmig“ überziehen. Diese Symptome können von verschiedenen Pilzen, auch in Kombination, ausgelöst werden und bereits im Feld aber auch erst nachträglich im Lager auftreten. Vor allem bei feuchten Witterungsbedingungen im Spätsommer und Herbst sowie bei spätreifenden Sorten kann die Krankheit zu beträchtlichen Ausfällen führen. Die Arbeitsgruppe „Ökologischer Anbau“ des Versuchszentrums Laimburg führte einen Versuch zur Regulierung des Rußtaus mittels Regenüberdachung der Apfelanlage sowie ein Mittelscreening mit 11 verschiedenen, für den ökologischen Anbau interessanten Versuchsprodukten, welche herkömmlich mittels Sprühgerät ausgebracht wurden, durch. „Die traditionell im ökologischen Anbau zur Pilzbekämpfung eingesetzten Präparate zeigen gegen die Krankheit kaum Wirkung“, erklärte der Leiter der Arbeitsgruppe Ökologischer Anbau, Markus Kelderer: „Mit Hilfe der Regenüberdachung konnte der Befall reduziert werden. Von den getesteten Versuchspräparaten erzielten Produkte auf Basis von Seifen und Kieselgur die interessantesten Ergebnisse, wobei die Praxistauglichkeit der Produkte im Moment aufgrund einer fehlenden Zulassung (Kieselgur) bzw. der Förderung von Fruchtfäulen (Seifen) nicht gegeben ist. Abgesehen von einer physikalischen Reinigung betroffener Früchte nach der Auslagerung gibt es im Moment für den ökologischen Apfelanbau kaum praxistaugliche Möglichkeiten einer Regulierung“, resümierte Kelderer. Bezüglich der Rußtaukrankheit sind noch viele Fragen offen – etwa zu Erreger, Anfälligkeit verschiedener Sorten, Infektionsbedingungen, agronomischen Maßnahmen sowie zur Regulierung im Feld bzw. im Lager. Die Experten des Versuchszentrums werden sich auch künftig mit dem Thema beschäftigen. Für Herbst 2021 ist zu diesem Thema eine eigene Workshop-Serie geplant, um wichtige Fragen zu Behandlungsmethoden und der künftigen Ausrichtung der Versuchstätigkeit des Versuchszentrums Laimburg zu diesem Thema zu klären.

Projekt BioFruitNet: Vernetzung zur Stärkung des Bio-Obstbaus in Europa

Boosting Innovation in Organic FRUIT production through strong knowledge NETworks – zu Deutsch „Innovation im Bio-Obstbau durch starke Wissensnetzwerke fördern“: Diesen Slogan hat sich das neue dreijährige Projekt BioFruitNet auf die Fahnen geschrieben, das Ende 2019 offiziell begonnen hat und aus Mitteln des EU-Programms für Forschung und Innovation „Horizont 2020“ finanziert wird. Ziel des Projekts ist es, die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Bio-Obstproduktion zu stärken, indem die Akteure der Bio-Produktion besser vernetzt und lokales Wissen Bio-Anbauern EU-weit verfügbar gemacht wird. Dies soll erreicht werden, indem das vorhandene praktische und akademische Wissen zum Thema ökologischer Obstbau gesammelt und gebündelt wird und gleichzeitig ein stabiles Innovationsnetzwerk geschaffen und der Informationsfluss zwischen Wissenschaft und Praktikern gestärkt wird. Das Projekt wird von Naturland, dem internationalen Verband für ökologischen Landbau mit Sitz in Gräfelfing bei München, koordiniert und in Zusammenarbeit mit 15 weiteren Partnerorganisationen aus insgesamt elf verschiedenen europäischen Ländern durchgeführt. Italien ist im Projekt durch das „Centro Internazionale di Altistudi Agronomici Mediterranei” mit Sitz in Bari sowie das Versuchszentrum Laimburg vertreten. Projektleiter am Versuchszentrum Laimburg ist Markus Kelderer, der am Versuchszentrum Laimburg den Fachbereich „Obstbau“ und die Arbeitsgruppe „Ökologischer Anbau“ leitet. Im vergangenen Jahr haben Kelderer und sein Team die Erfahrungen im ökologischen Anbau zum Kernobst, Steinobst und den Zitrusfrüchten in den Bereichen, Sorten, Unterlagen, Bodenbearbeitung, Düngung, und Pflanzenschutz (Schädlinge und Krankheiten) in 18 europäischen Ländern erhoben. Zurzeit werden nun die besten Praxisbeispiele zu den verschiedenen Fragestellungen in Workshops zusammen mit Praktikern und anderen Experten definiert. „Ein besonderes Augenmerk legen wir außerdem auf Probleme, die noch keine Lösung haben. Diese Themen sollen in Zukunft in der Forschung und der Versuchstätigkeit vorrangig berücksichtig werden“, erklärtr Kelderer.

Weiterführende Informationen:
Seite des Projekts BioFruitNet im Online-Portal der koordinierenden Institution Naturland: https://www.naturland.de/de/naturland/was-wir-tun/engagement-und-projekte/forschung-entwicklung/2966-eu-projekt-biofruit.html

Vorstellung der Versuche im ökologischen Weinbau

Während der Fokus des Versuchszentrums Laimburg traditionell auf dem biologischen Obstbau liegt, beschäftigen sich die Kolleginnen und Kollegen der Fondazione Edmund Mach in San Michele schwerpunktmäßig mit Themen des ökologischen Weinbaus. Nach den Grußworten des Generaldirektors der Fondazione Edmund Mach, Mario Del Grosso Destreri und einer allgemeinen Übersicht über die Tätigkeiten der „Unità Agricoltura Biologica“ im Jahr 2021 durch Daniele Prodorutti wurden die aktuelle Situation des Pflanzenschutzes (Marco Chiusole, Roberto Lucin, Marino Gobber, Roberto Zanzotti) sowie die Bekämpfung von Vergilbungskrankheiten der Rebe (Marino Gobber, Roberto Lucin) in den Bio-Betrieben des Trentino thematisiert. Darüber hinaus wurden die Versuchsergebnisse der Fondazione Edmund Mach sowie des Versuchszentrums Laimburg bezüglich des Falschen Mehltaus der Rebe (Peronospora) vorgestellt.

Bekämpfung des Falschen Mehltaus im Weinbau mittels Regenabdecksystemen

Der Falsche Mehltau (Peronospora viticola) ist eine der bedeutendsten Pilzkrankheiten der Rebe. Unter den in der Region Trentino – Südtirol herrschenden klimatischen Bedingungen gestaltet sich die Regulierung von Peronospora mit Pflanzenschutzmitteln als sehr aufwändig. Speziell im biologischen Anbau stehen nur wenige Mittel zur Bekämpfung dieser Krankheit zur Verfügung. Das wirkungsvollste und am häufigsten verwendete Mittel ist Kupfer, dessen Aufwandmenge im Bioanbau jedoch stark limitiert ist. Vor diesem Hintergrund hat die Arbeitsgruppe „Ökologischer Anbau“ des Versuchszentrums Laimburg im vom europäischen Förderprogramm für die ökologische Landwirtschaft CORE Organic Plus mitfinanzierten Projekt DOMINO verschiedene Abdecksysteme auf unterschiedlichen Obstkulturen getestet, mit dem Ziel den Pflanzenschutzeinsatz zu reduzieren. Abdecksysteme sind mittlerweile im Obstbau gängige Praxis. Sie ermöglichen eine witterungsunabhängige Produktionsweise, bieten Schutz vor Hagel und Regen, bzw. je nach System auch vor Krankheiten und Schadinsekten. Demgegenüber stehen jedoch hohe Erstellungskosten und die beschränkte Kompatibilität dieser Strukturen mit anderen Pflege- und Bewirtschaftungsmaßnahmen. Im Projekt DOMINO wurde auch ein Abdecksystem im Weinbau auf dessen Wirksamkeit zur Bekämpfung von Peronospora hin überprüft. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass diese Art von Abdeckung keinen ausreichenden Schutz gegenüber dem Peronospora-Befall bietet und es damit nicht ermöglicht auf Pflanzenschutzmittel zu verzichten“, resümierte Ewald Lardschneider von der Arbeitsgruppe „Ökologischer Anbau“: „Unseren Beobachtungen zufolge kann das Abdecksystem die Peronospora-Infektionen zu Beginn der Saison erheblich eindämmen, im Laufe der Vegetationszeit jedoch nimmt der Befall stetig zu und es kann am Ende zu hohen Produktionsausfällen kommen. Bei der Sorte Merlot fiel der Mehltaubefall unter der Abdeckung im Vergleich zur unbehandelten Kontrolle sogar noch höher aus.“ Die Experten werden nun prüfen, ob das Überdachungssystem zumindest als Teilstrategie eingesetzt werden und somit die Aufwandmenge an Pflanzenschutzmitteln reduziert werden kann.

Eine Aufzeichnung der Veranstaltung ist unter folgenden Links verfügbar:
Ökologischer Weinbau: https://youtu.be/dT1TtEyCWrE
Ökologischer Obstbau: https://youtu.be/N04sUDF6KmI

Von: mk

Bezirk: Überetsch/Unterland

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1 Kommentar auf "Versuchsvorstellungen liefern neue Erkenntnisse im ökologischen Obst- und Weinbau"


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Andreas1234567
Andreas1234567
Universalgelehrter
1 Monat 17 Tage
Hallo nach Südtirol, als Service für alle Leseunfreudigen die nach spätestens 1000 Zeichen eine Migräne bekommen. Zusammengefasst: Die Bauern, insbesondere auch die Biobauern wollen ständig den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auch im Biobereich reduzieren, hier braucht es noch Schwefel und Kupfer. Ohne Schädlingsschutz lässt sich keine Landwirtschaft betreiben, das muss jedem klar sein. Dazu arbeitet man an physikalischen Massnahmen wie Abdeckungen um Schädlingsbefall zu minimieren. Kein Bauer hat Lust zu seinem wirtschaftlichem Nachteil irgendwelche chemischen Mittelchen auf seinen Grund zu spritzen, die Grosseinkäufer und deren Kunden wollen aber makellose Ware. Hier wird geforscht an einem Mittelweg. Südtirol ist gut beraten mehr… Weiterlesen »
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