Von: Ivd
Pfatten – Mit 441 Forschungsprojekten und -tätigkeiten setzt das Versuchszentrum Laimburg 2026 einen klaren Schwerpunkt auf praxisnahe Forschung für Landwirtschaft und Lebensmittelverarbeitung in Südtirol. Das nun veröffentlichte Tätigkeitsprogramm 2026 wurde – wie in den vergangenen Jahren – in einem partizipativen Prozess gemeinsam mit Stakeholdern erarbeitet und orientiert sich an den aktuellen Herausforderungen der Praxis. Insgesamt starten 69 neue Projekte und Tätigkeiten: 38 davon basieren auf Vorschlägen von Organisationen und Institutionen aus Südtirols Agrar- und Lebensmittelsektor, 31 wurden intern am Versuchszentrum Laimburg entwickelt.
Ein neues Forschungsjahr hat begonnen: Das Versuchszentrum Laimburg hat sein jährliches Tätigkeitsprogramm veröffentlicht. Es bündelt sämtliche Forschungsprojekte und -tätigkeiten, die im laufenden Kalenderjahr umgesetzt werden. Insgesamt sind es 441 Projekte, von der angewandten Forschung im Obstbau über die Lebensmittelverarbeitung bis hin zu Berglandwirtschaft und Pflanzenschutz. 69 Projekte und Tätigkeiten starten neu. 150 Interessenvertretungen – darunter Genossenschaften, Organisationen und Verbände – wurden konsultiert und haben insgesamt 96 Projektvorschläge eingereicht. 78 Prozent dieser Vorschläge werden in Form neuer Projekte umgesetzt oder in laufende Projekte integriert.
„Die Einbindung von über 150 Organisationen aus dem Agrar- und Lebensmittelsektor stellt sicher, dass unsere Projekte gezielt auf die aktuellen Herausforderungen der Branche reagieren. Gleichzeitig richten wir unsere Arbeit konsequent an unseren strategischen Forschungsschwerpunkten aus – von digitalen Innovationen und smarten Technologien über klimaneutrale Landwirtschaft, lokale Vielfalt und Kreislaufwirtschaft bis hin zu resilienten Anbausystemen und gesundheitsfördernden Lebensmitteln“, erklärt Michael Oberhuber, Direktor des Versuchszentrums Laimburg.
Nachhaltiges Wassermanagement in Südtirol
Das Projekt „NextWater_ST“ verfolgt das Ziel, die Dynamik zwischen Wasserverfügbarkeit und Wasserbedarf in Südtirol besser zu verstehen. Auf dieser Grundlage werden Strategien entwickelt, um die Wasserwirtschaft an zukünftige Herausforderungen anzupassen – insbesondere im Hinblick auf den Klimawandel, sozioökonomische Entwicklungen und Veränderungen der Landnutzung. Das Projekt leistet einen Beitrag zur Umsetzung der Ziele des Klimaplans 2040 und arbeitet mit dem WEFE-Nexus-Ansatz (Wasser–Energie–Nahrung–Ökosysteme). Dieser Ansatz macht Nutzungskonflikte zwischen verschiedenen Sektoren sichtbar und unterstützt zugleich die Identifikation und Förderung von Synergien. Die Forschenden der Arbeitsgruppen „Grünlandwirtschaft“ und „Boden, Düngung und Bewässerung“ am Versuchszentrum Laimburg konzentrieren sich dabei insbesondere auf den Wasserbedarf in der Landwirtschaft. Ziel ist es, Nutzungskonflikte zu reduzieren und die Widerstandsfähigkeit landwirtschaftlicher Systeme zu stärken. Koordiniert wird das Projekt von Eurac Research; weiterer Projektpartner ist die Freie Universität Bozen.
Pflanzengesundheit im Fokus der Forschung
Im Tätigkeitsprogramm 2026 setzt das Versuchszentrum Laimburg einen klaren Schwerpunkt auf die Erforschung von Krankheiten und Schädlingen im Apfelanbau. Im Fokus stehen insbesondere pilzliche Erkrankungen wie Glomerella Leaf Spot und Apple Bitter Rot in der Vorernte, die in Südtirol zunehmend auftreten und erhebliche Ertrags- und Qualitätsverluste verursachen können. Mithilfe moderner Diagnostik analysieren die Forschenden die Verbreitung und Infektionsdynamik der Erreger und entwickeln Gegenmaßnahmen. Die gewonnenen Erkenntnisse fließen direkt in Empfehlungen für die landwirtschaftliche Praxis ein.
Zudem gilt den Krankheiten, die sich wie beispielsweise Ramularia erst während der Lagerung bemerkbar machen, weiterhin besondere Aufmerksamkeit. Durch die Optimierung der Lagerbedingungen sowie durch Behandlungen mit Ozon oder Heißwasser sollen Fäulniserkrankungen reduziert sowie Haltbarkeit und Vermarktungsfähigkeit der Äpfel weiter verbessert werden.
Auch die Apfeltriebsucht bleibt ein zentraler Forschungsgegenstand, ebenso wie bedeutende Schädlinge wie die Apfelblutlaus und die Marmorierte Baumwanze. Durch Feldstudien, Laboranalysen und die Entwicklung nachhaltiger, biologischer Bekämpfungsstrategien entstehen langfristig wirksame Lösungen. In enger Zusammenarbeit mit Beratungsdiensten und Genossenschaften stellt das Versuchszentrum sicher, dass neue Erkenntnisse rasch in die Praxis gelangen – für gesunde Bestände, stabile Erträge und die hohe Qualität der Südtiroler Äpfel.
Citizen Science: Pflanzenschädlingen auf der Spur
Im neuen Citizen-Science-Projekt „PhytoWatch“ setzen die Forschenden des Versuchszentrums Laimburg auf die Unterstützung der Bevölkerung, um bislang unbekannte Wirtspflanzen von Phytoplasmen zu identifizieren. Phytoplasmen sind Bakterien, die verschiedene Pflanzenkrankheiten verursachen können. Zur Gruppe der Phytoplasmen gehören auch die Erreger der Apfeltriebsucht („Besenwuchs“), der Goldgelben Vergilbung und der Schwarzholzkrankheit der Weinrebe. Die Teilnehmenden beobachten Pflanzen in ihrem Umfeld, insbesondere Garten- und Wildpflanzen, und melden auffällige Exemplare. Besteht der Verdacht auf einen Phytoplasmenbefall, wird die betreffende Pflanze im Labor für Molekularbiologie des Versuchszentrums Laimburg untersucht. Die Beobachtungen sollen dazu beitragen, das Auftreten von Phytoplasmen bei Wild- und Gartenpflanzen aufzuklären und festzustellen, welche Pflanzenarten als mögliche Rückzugsorte für diese Bakterien dienen. Die Ergebnisse liefern Erkenntnisse über die ökologischen Nischen der Phytoplasmen.
Sekt aus PIWI-Rebsorten
In einem mehrjährigen Forschungsprojekt wird die Eignung hochgelegener Weinbaugrenzlagen über 1.000 Metern Meereshöhe für die Schaumweinproduktion aus pilzwiderstandsfähigen Sorten, sog. PIWI-Sorten, untersucht. PIWI-Sorten sind teilweise resistent gegenüber pilzlichen Krankheiten und benötigen daher deutlich weniger Pflanzenschutzmaßnahmen. Dadurch eignen sie sich besonders für den Anbau in sensiblen alpinen Ökosystemen. Die alpinen Klimabedingungen bieten zunehmend günstige Voraussetzungen für die Erzeugung hochwertiger Sektgrundweine und eröffnen landwirtschaftlichen Betrieben neue Einkommensmöglichkeiten. Ziel des Projekts ist es, Erfahrungen in der Herstellung von Schaumweinen aus PIWI-Sorten in hochgelegenen Lagen zu sammeln und deren Potenzial zu bewerten. Neben dem klassischen Flaschengärverfahren (méthode champenoise) wird auch das Pét-Nat-Verfahren (Pétillant Naturel, méthode ancestrale) angewandt.




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