Forderung der Handelskammer und des SEV

Wasserkraft in Südtirol: “Noch vorhandenes Potential nutzen”

Montag, 14. November 2022 | 15:38 Uhr

Bozen – Der Südtiroler Energieverband (SEV) und die Handelskammer Bozen haben das Potential für den Neubau von Wasserkraftanlagen in Südtirol erhoben. Darauf aufbauend hat das WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen die wirtschaftliche Rentabilität dieser Projekte berechnet. Die Ergebnisse wurden heute im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt.

Im Bild von links nach rechts: Georg Lun, Direktor des WIFO der Handelskammer Bozen, Ingenieur Walter Gostner, Rudi Rienzner, Direktor des SEV, Hanspeter Fuchs, Präsident des SEV, Michl Ebner, Handelskammerpräsident, Antonio Lampis, Abteilungsdirektor des Landes Südtirol sowie Alfred Aberer, Generalsekretär der Handelskammer Bozen. – hk

In Zeiten von massiv steigenden Energiekosten und angesichts des fortschreitenden Klimawandels wird das Thema alternative Energiequellen immer wichtiger. Dabei spielt die Wasserkraft besonders in Südtirol eine entscheidende Rolle.

Im Auftrag des Südtiroler Energieverbandes (SEV) und der Handelskammer Bozen hat Ingenieur Walter Gostner das Potential für den Neubau von Wasserkraftanlagen in Südtirol erhoben. Das WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen hat parallel dazu die wirtschaftliche Seite analysiert und die Projektvorschläge einer Rentabilitätsrechnung unterzogen. Die Ergebnisse wurden heute bei einer Pressekonferenz in der Handelskammer Bozen vorgestellt.

Ingenieur Walter Gostner sieht bei der Wasserkraft in Südtirol neben dem Neubau von Anlagen verschiedene Möglichkeiten zur Ausnutzung des noch vorhandenen Potentials. Dazu zählen die Modernisierung von bestehenden Anlagen, die Mehrzwecknutzung von Trinkwasser-, Bewässerungs-, Beschneiungs- und Abwasseranlagen sowie Restwasserturbinen, die Neuausrichtung von Nutzungskonzepten, die Wiederertüchtigung von Anlagen sowie der Einsatz innovativer Technologien wie kinetische Turbinen oder Wasserräder.

Von den Projektvorschlägen zum Bau von Wasserkraftwerken in Südtirol, die von Ingenieur Walter Gostner präsentiert wurden, sind laut Berechnungen des WIFO neun von zehn aus wirtschaftlicher Sicht rentabel. Dabei wurde angenommen, dass der Strompreis sich langfristig auf über 100 Euro pro Megawattstunde (MWh) belaufen wird. Angesichts der aktuell sehr viel höheren Großhandelsstrompreise kann diese Annahme als sehr konservativ betrachtet werden.

Hanspeter Fuchs, Präsident des Südtiroler Energieverbands (SEV) betonte: „Durch die Umsetzung dieser Projekte wäre eine Steigerung der aktuellen Stromproduktion in Südtirol um zehn Prozent möglich. Dafür braucht es zuallererst eine raschere Ausschreibung von Wasserkraftwerken über drei Megawatt. Hinzu kommt, dass der Gewässerschutzplan unter Einbeziehung des wirtschaftlich nutzbaren, hydroelektrischen Potenzials überarbeitet werden muss. Auch gilt es, Mehrzweckprojekte zu forcieren sowie die Analyse und Optimierung von Bestandsanlagen einzufordern.“

Sowohl der Gewässerschutzplan als auch der Wassernutzungsplan erlauben derzeit keine stärkere Nutzung der Wasserkraft in Südtirol. Zudem ist seit Inkrafttreten des Gewässerschutzplanes im Jahr 2021 ein starker Rückgang bei den genehmigten Wasserkraftprojekten zu verzeichnen.

„Durch eine bessere Nutzung der bestehenden Wasserkraft in Südtirol könnte mehr grüner Strom erzeugt werden. Dies würde zu einer Steigerung der Wertschöpfung und somit der Steuereinnahmen im Lande führen. Die Politik ist nun gefordert, die gesetzlichen Voraussetzungen zu schaffen, sodass das vorhandene Potential der Südtiroler Wasserkraft genutzt werden kann“, fasste Michl Ebner, Präsident der Handelskammer Bozen zusammen.

SEV-Direktor Rudi Rienzner erklärte, dass ein umweltschonender und technisch innovativer Ausbau der Wasserkraft auch in Südtirol möglich sein müsse, denn ohne die Wasserkraft werde es in unserem Land keine ökologische Energiewende geben. Die Wasserkraft sei nicht Teil des Klimaproblems, sondern dessen Lösung.

„Die Südtiroler Landesregierung ist sich bewusst, wie stark die heimischen Betriebe und die Südtiroler Bevölkerung von den gestiegenen Energiepreisen betroffen sind. Deshalb wägen wir die Vor- und Nachteile von jedem an uns herangebrachten Lösungsvorschlag ab. Bereits seit Monaten bin ich im ständigen Austausch mit den Ämtern meines Ressorts, um sowohl die hohen Energiepreise einzudämmen als auch um breit angelegte, langfristige Energielösungen zu finden“, so Giuliano Vettorato, Landesrat für Umwelt und Energie des Landes Südtirol.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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27 Kommentare auf "Wasserkraft in Südtirol: “Noch vorhandenes Potential nutzen”"


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Neumi
Neumi
Kinig
19 Tage 4 h

Wenn ihr langfristige Lösungen wollt, hört endlich mal auf, euch gegen Windkraft zu stellen. Dafür muss man auch keine Beckenspülungen vornehmen und Fishpopulationen killen.

genau
genau
Kinig
19 Tage 4 h

Die Handelskammer hat schon Recht!👍🙂
Das Potential muss genutzt werden.
Und auch die Windenergie hat nicht nur Vorteile!Den Windpark am Brenner zu versenken war damals jedoch sehr dumm!

Oracle
Oracle
Universalgelehrter
19 Tage 2 h

@Neumi…. in Südtriol gibt es so mehr oder weniger nur 2, 3 Standorte (Brenner, Obervinschgau….), wo Windkraftanlagen Sinn machen, aber zumindest könnte man diese nutzen….zum Thema Beckenspülungen, diese sind notwendig, da Geschiebe die Staubecken füllt und dementsprechend weniger Wasser gespeichert werden kann……

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
18 Tage 23 h

@Oracle…wenn das so ist, wie Du schreibst, dann kannst Du die Reaktionen aus denen in Frage kommenden Regionen jetzt schon erahnen. Wieso gerade bei uns ? Verschandelt UNSERE Heimat ! Dann bleiben die “Touris” (und damit Geld) weg ! Dann wollen wir den Strom umsonst oder zumindest deutlich billiger als Diejenigen, die weiter unten😉 auch davon profitieren ! Und so weiter und so fort….

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
18 Tage 23 h

@Oracle: bei den Standorten der Windkraftanlagen bin ich mir nicht so sicher. Das mag noch vor 1 Jahr richtig gewesen sein, mittlerweile haben sich die Szrompreise mehr als verdoppelt, sodass nun wohl fast jeder Stsndort sinnvoll sein dürfte. Wir haben genug hochgeladen Jöcher, Pässe und Hochebenen, die ohnehin schon mit allerlei Anlagen verbaut sind und ein Windrad nicht weiter ins Gewicht fallen würde.

Neumi
Neumi
Kinig
18 Tage 8 h
@oracle Schon klar, aber bei Wind würde das wegfallen. Dann gibt’s halt nicht viele Standorte. Aber die, die man hat, sollte man nutzen. Selbst wenn dadurch nur 5% des Bedarfs gedeckt würden, auf die 5% zu verzichten, ist einfach nur dumm. Außerdem sind im letzten Jahrzehnt die Kosten für ein Windkraftwerk beständig gesunken. Vor allem in Sachen Wartung, Lebensdauer und Rückbau übertrefefn die Atomkraftwerke bei weitem. Der Blödsinn, dass Windräder die Natur verschandeln könnte, hat doch hoffentlich schon längst ausgedient. Erstens haben die Leute auch in ihrer Heimat Windräder und zweitens gefällt mir sowas besser als ein weiterer Staudamm oder… Weiterlesen »
lumpi
lumpi
Tratscher
19 Tage 3 h

Auch wenn bei uns noch so viele Wasserkraftwerke sind, ist der Strom unterhalb Südtirol billiger.

Dagobert
Dagobert
Kinig
19 Tage 3 h

Gewisse Herren wuretn von noch mehr Kraftwerken schun profitiern!

Doolin
Doolin
Kinig
19 Tage 3 h

…und warum ist das so?…
🤔

Oracle
Oracle
Universalgelehrter
19 Tage 2 h

@lumpi… Stromproduktion und Stromverkauf sind 2 verschiedene paar Schuehe….. unterhalb Südtirol billiger? Ich würde mir die Tabelle der Verbraucherzentrale nochmals durchlesen…..

genau
genau
Kinig
19 Tage 2 h

@Oracle Was heißt interhalb Südtirol?
Der Strompreis kann je nach Zone leicht varieren.
Aber im Schnitt sind nationale Ambieter günstiger.
Nur im Moment (besondere Situation) berechnet sowieso jeder den aktuellen Großhandelspreis!

ieztuets
ieztuets
Superredner
19 Tage 3 h

Bin dafür, aber dann soll die südtiroler Bevölkerung den IM EIGENEN LAND produzierten Strom bis zu einem gewissen Verbrauch beinahe kostenlos beziehen!

genau
genau
Kinig
19 Tage 59 Min

Das würde ich hoffen!

Holz Michl
Holz Michl
Tratscher
19 Tage 2 h

Für wos das die Gesellschaftn no mehr Strom ins Auslond verkafn kennen und mir Bürger als donk no höhere Strompreise zohln miasn??

Oracle
Oracle
Universalgelehrter
19 Tage 2 h

…. ich würde auf Geothermie setzen….. Wärme  aus der Erde, fast unendlich…… die Wasserkraft ist in Südtirol mehr als ausgereizt. Es gibt kaum einen Bach, der nicht genutzt wird….

Stryker
Stryker
Superredner
19 Tage 2 h

@Oracle
So a bledsinn.
In jedn zweitn Dorf rinnt no a boch wos net gnutzt werd für strom weils viel zu Bürokratisch isch ols.
Ober Südtirol produziert schun dreimol soviel Strom mit Wasserkraft als es eigentlich braucht.
Und trotzdem werd olm no tuier verkaft und dorfür Atom,gas,und Kohlestrom zuagekaft.
Mir warn schun kong Klimaneutral in sochn Stromproduktion wenn mor Autonom warn in sochn Strom!

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
18 Tage 23 h

@Oracle: ja, wir haben enorm viel Biomasse zur Methangasproduktion. Denken wir an die 130000 Kühe, an die Bioabfälle der unzähligen Restaurants, Hotels, Lebensmittelbetriebe, Haushalte, Laub und Grünschnitt…. Wir haben auch enormes Potential für Photovoltaik: viel Sonne und hohe Globalstrshlung. Geothermie ist ebenfalls gut nutzbar.

N. G.
N. G.
Kinig
18 Tage 23 h

@Stryker Weil Italien, nein Die Welt nur aus Südtirol besteht? Wer sind “wir”, klimaneutral? Was nützt es wenn wir es wären und der Rest Italiens nicht? Das ist ne nationale Kraftanstrengung und wir sind nicht der Nabel der Welt! Was täten dann Gegenden die keune Möglichkeiten haben Strom neutral zu produzieren?

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
18 Tage 23 h
Verstehe einiges nicht: wir produzieren mehr Strom als wir brauchen, trotzdem zahlen wir Höchstpreise. Frage mich, wer die Differenz verdient, wohin die Gelder fließen. Ausbau gut und recht, aber aich hierbei würde ich mir zuerst die gleiche Frage stellen. Es kann nicht sein, dass die Bürger die damit verbundenen Belastungen tragen, einzelne Private aber wieder damit das große Geld machen. Wennschon müssen sich alle Bürger daran beteiligen dürfen oder die Stromwirtschaft in öffentlicher Hand sein. Bei Letzterem bedarf es aber einer transparenten Verwaltung, die Bürger müssen wissen und überprüfen können, wohin die Gelder fließen. Am besten wäre ein direktes Mitspracherecht… Weiterlesen »
Zugspitze947
18 Tage 15 h

Selbstbewertung: ganz einfach wil die ALPERIA einen viel zu GROßEN Wasserkopf hat………..:-(

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
18 Tage 11 h
@Zugspitz: mag sein, der bestand aber auch schon vor einem Jahr. Nun zahlen wir mindestens 25 Cent pro Kilowatt Strom mehr als noch vor einem Jahr. Bei einem Konsum von 3.000 GW pro Jahr würden das wenigstens 800 Millionen an Mehreinnahmen bedeuten. Die Kosten dürften kaum gestiegen sein, da der Strom ja hierzulande vor allem mit Wasserkraft erzeugt wird und kaum Strom dazugekauft wird. Die Erhaltung der Infrastruktur wird auch kaum teurer als im Vorjahr sein (max 10% der Inflation). Dazu kommt noch, dass Südtirol ja mehr als 8.000 GW im Jahr produziert und somit noch viel Strom zusätzlich an… Weiterlesen »
ifassesnet
ifassesnet
Tratscher
18 Tage 9 h

@Selbstbewertung
Guhgl mal nach “Merit-order”

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
18 Tage 6 h

@ifassesnet: Danke für den Tipp. Habe nachgegooglt. Bei uns trifft das aber kaum zu, da auch die nächsten Kilowattstunden immer in etwa gleich viel kosten, weil sie ja nicht vom Dtrommarkt dazugekauft werden müssen, sondern selbst zu den ungefähr gleichen Kosten produziert werden.

traktor
traktor
Kinig
19 Tage 2 h

nun es gibt wasserkraftanlagen wo die restwassermenge 800l/s sein muss, der betreiber jedoch 1400l/s ungenützt lasst aus angst vor strafen…. da gibt es nachholbedarf, riesiges potential das in dieser studie nicht einberechnet wurde …

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
19 Tage 2 Min

Wo steht genügend und vorallem dauerhaft so viel Wasser zur Verfügung, dass sich der Bau neuer Staustufen zur Stromgewinnung wirtschaftlich rechnet ? Und was sagen die dann betroffenen Gemeinden, Anwohner und vorallem die Umwelt- und Naturschutzgebiete zu solchen Gedankenspielen ?

Faktenchecker
18 Tage 9 h

Rudi ist Hydrologe!

ifassesnet
ifassesnet
Tratscher
18 Tage 11 h

Aha…
Mehr Wasserkraftwerke bringen den Menschen in Südtirol herzlich wenig in Bezug auf Reduzierung der Stromkosten – das haben wir ja bereits schmerzlich erfahren dürfen!
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Von wegen Heimholung des Stroms…
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Vielmehr würden da nur wieder ein paar sich eine goldene Nase verdienen, indem sie neue Kraftwerke errichten – natürlich mit massiven öffentlichen Förderungen !

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