Nestlé macht den größten Umsatz

Wie Konzerne über unser Essen bestimmen

Mittwoch, 18. Januar 2023 | 07:14 Uhr

Bozen – Seit den 80-er Jahren des letzten Jahrhunderts haben sich Unternehmen aus dem Nahrungsmittelbereich zu multinationalen Konzernen gewandelt, die auf der ganzen Welt und in verschiedensten Geschäftsfeldern tätig sind. Firmenübernahmen und Fusionen haben dazu geführt, dass heute weite Teile des globalen Agrar- und Ernährungssystems von einigen wenigen multinationalen Konzernen dominiert werden. Man denke beispielsweise an die Fusionen von Bayer mit Monsanto, Dow mit DuPont und Syngenta mit ChemChina, allesamt Saatgut- und Agrarchemiekonzerne. Weltweit steigt die Nachfrage nach Nahrungsmitteln, insbesondere nach Fleisch und hochverarbeiteten Produkten, weil sich in den Ländern des globalen Südens aufgrund von Urbanisierung und höheren Einkommen die Ernährungsgewohnheiten ändern. Steigende Raten an Übergewicht und Diabetes zählen zu den Folgen dieses Wandels.

Die nach Umsatz größten Nahrungsmittelproduzenten weltweit (Quelle: weltexporte.de nach dem Ranking von Forbes 2022) sind Nestlé (Sitz: Schweiz; 95,3 Milliarden US-Dollar 2021), Archer Daniels Midland (USA; 85,3 Mrd. USD), Wilmar International (Singapur; 65,8 Mrd. USD), JBS (Brasilien; 65 Mrd. USD) und Bunge (USA; 59,2 Mrd. USD). Auf den weiteren Plätzen folgen Tyson Foods (USA), CJ Corporation (Südkorea), Mondelez International (USA), Danone (Frankreich) und Kraft Heinz (USA).

Der Spitzenreiter Nestlé umfasst im Bereich der Nahrungsmittel und Mineralwässer über 2.000 Marken weltweit, darunter Nespresso, Nescafé, Nesquik, Nestea, Buitoni, Maggi, Motta, Mövenpick, Alete, Perrier, San Pellegrino und Levissima.

Archer Daniels Midland verarbeitet Getreide und Ölsaaten und stellt daraus Produkte bzw. Zutaten (z.B. Mehle, Sojaschrot, Sojaöl, Palmöl, Fruktosesirup) und Lebensmittelzusatzstoffe her. Wilmar International ist der weltgrößte Verarbeiter und Vertreiber von Palmöl. JBS (José Batista Sobrinho Sociedade Anónima) ist aktuell der größte Fleischproduzent der Welt und das größte Fleischverarbeitungsunternehmen in Südamerika. Bunge ist der weltgrößte Verarbeiter von Ölsaaten und bedeutendste Abfüller von pflanzlichen Ölen.

Aufgrund ihrer Machtstellung sind die Konzerne in der Lage zu bestimmen, unter welchen Bedingungen landwirtschaftliche Rohstoffe angebaut, zu Nahrungs- und Genussmitteln verarbeitet und vermarktet werden. Im Mittelpunkt stehen dabei die Steigerung der Produktivität und der Kampf um Marktanteile. Das System fördert die Industrialisierung der Landwirtschaft und die Ausbeutung von Ressourcen, Tieren und Menschen, und es verursacht gravierende soziale (schlechte Arbeitsbedingungen, Armut) und Umweltprobleme (Verlust fruchtbarer Böden und der Artenvielfalt, Ausstoß von Treibhausgasen u.v.m.).

Auch der weltweite Handel mit Nahrungsmitteln ist sehr konzentriert. Gemessen am Handelswert sind Weizen, Mais und Sojabohnen die wichtigsten Agrarrohstoffe, daneben sind Zucker, Palmöl und Reis bedeutsam. Rund 90 Prozent der Sojaexporte stammen aus nur drei Ländern, nämlich Brasilien, USA und Argentinien. Rund 85 rozent der Palmölexporte stammen aus Indonesien und Malaysia. Auch der Export von Mais, Kakao und Kaffee konzentriert sich zu großen Teilen auch nur auf drei Länder.

Dr. Lucio Lucchin, der Initiator des Projekts „RI-NUTRI“ und vormals Primar des Dienstes für Diätetik und klinische Ernährung im Krankenhaus Bozen, meint: „Die größte Bedrohung der Freiheit ist die Konzentration der Macht. Wer die Lebensmittel kontrolliert, kontrolliert die Menschen.“

Silke Raffeiner, die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Südtirol, empfiehlt: „Verbraucher und Verbraucherinnen sollten sich von der Lebensmittelindustrie kein X für ein U vormachen lassen und sich angewöhnen, beim Einkauf die Lebensmitteletiketten kritisch zu lesen.“

2040 werden neun Milliarden Menschen auf der Erde leben, weitere 15 Jahre später werden es zehn Milliarden sein. Taugt das globale Ernährungssystem für die Zukunft? Können alle Menschen gut ernährt und die benötigten Nahrungsmittel umwelt- und sozialverträglich produziert werden?

Anlässlich des Welternährungstages am 16. Oktober 2022 hat die Verbraucherzentrale Südtirol in Zusammenarbeit mit der Initiative „RI-NUTRI – Ripensare la nutrizione“ von Fondazione UPAD (Università Popolare delle Alpi Dolomitiche) eine neue, zeitlich befristete Servicereihe mit wöchentlichen Berichten zu Fragen und Themen der Welternährung initiiert.

Eine Übersicht über die aktuellen Veranstaltungen im Rahmen des Projekts RI-NUTRI (Vorträge in italienischer Sprache) ist auf der Internetseite https://www.upad.it/ri-nutri/ zu finden.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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12 Kommentare auf "Wie Konzerne über unser Essen bestimmen"


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Pasta Madre
Pasta Madre
Tratscher
21 Tage 21 h

Und die EU fördert das alles.

Oder anders rum gesagt, SIE unternimmt nichts dagegen.
Mehr sag ich nicht.😢

OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
21 Tage 20 h

Pasta..
Immer sind die anderen schuld!!!
Der Käufer hat Nestlé groß gemacht.
Einfach auf die Packung schauen und Nestlé liegen lassen , es gibt immer Alternativen.

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Universalgelehrter
21 Tage 19 h

.
Pasta…,
jeder einzelne Verbraucher hat es in der Hand, ob er das Zeug kauft, oder nicht.
Kaufe nach Möglichkeit regional, am besten direkt beim Bauern, oder lege die einen großen Garten zu und baue das meiste selbst an, dann bist du nicht auf die großen Konzerne angewiesen, hast Bewegung an der frischen Luft und ein gesundes Essen.

Paladin
Paladin
Superredner
21 Tage 18 h

@Ortler and look: So einfach ist das nicht. Da muss man sehr viele Produkte liegen lassen. Und man muss tatsächlich auch den Regierungen eine Mitschuld einräumen. Hier wurde einem Konzern gestattet, sich über Jahrzehnte eine Monopolsituation zu schaffen. Viele der Marken die wir kennen, sind inzwischen “Untermarken” von Nestlé. Die EU ist sonst sehr gerne im Regulierungsfieber. Aber wie in der Katar-Affäre, gibt es eben auch hier Interessen- und Lobbygruppen.
https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/lebensmittelkonzerne-so-maechtig-sind-nestle-unilever-edeka-a-1129035.html

Pasta Madre
Pasta Madre
Tratscher
21 Tage 17 h

@Look_at_Yourself….
Stell dir vor wenn eine Millionenstadt regional einkaufen würde, und sich einen Garten zulegen möchte.
Denk mal nach wo wir leben, und wo die Millionen leben….

Pasta Madre
Pasta Madre
Tratscher
21 Tage 15 h

@OrtlerNord🧐
So dann sag in diesen Ländern zu den Menschen sie dürfen kein Wasser kaufen, weil Nestle draufsteht.

Oder nicht Nestle draufsteht sonder die von ihnen übernommene Firma.

bon jour
bon jour
Universalgelehrter
21 Tage 11 h

Nestlé ist eine Schweizer Firma. Die Schweiz ist nicht in der EU.

Kinig
21 Tage 23 h

Welche und wieviele Marken diese riesigen Konzerne wie Nestlé unter ihrem Namen führen, ist mir eigentlich egal. Große Sorgen mache ich mir allerdings über deren Macht in Bezug auf die Verteilung und die Preise für Wasser….

Kinig
21 Tage 9 h

Ihr Dauer👎Drücker. Ich kann mir mein Wasser leisten, egal wer wieviel dafür verlangt…

Staenkerer
21 Tage 19 h

a do muaß man de froge stelln:
hobn zuerst promi, medien, ernährungs”experten”, lobbys, de einzelnen essens”mode”erscheinungen populär gemocht und wurden de desholb von de konzerne aufgegriffn und groß umworben oder hobn de zuerst die konzerne de essens”trens” entwickelt und nor erst um dere umsotz gepuhlt?
letzteres glab i nit weil koan konzern, a der größte nit, a produkt oanfoch so “ins blaue” aufn morkt wirft!

Grantelbart
Grantelbart
Universalgelehrter
21 Tage 14 h

Problematisch wirds wenn diese Riesenkonzerne künftig z.B an unserem Recht auf sauberes Trinkwasser mitverdienen, schon jetzt wird in den armen Ländern Dörfern von Nestle und Co das Wasser abgegraben, die Behörden schauen weg. Auch Saatgut wird seit einiger Zeit patentiert von Monsanto sodass Bauern sich in der Theorie fast strafbar machen wenn sie die Samen ihrer Ernte einpflanzen.

schnegge
schnegge
Tratscher
21 Tage 9 h

2040 werden neun Milliarden Menschen auf der Erde leben, weitere 15 Jahre später werden es zehn Milliarden sein. 

hoffendlich kimmp di erdkugl so weit. wies zur zeit zuigeat bin i mo dou et soffl sicho

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