Die Meinung der Bevölkerung und der Unternehmen

Wie steht es um die Digitalisierung in Südtirol?

Freitag, 06. April 2018 | 16:27 Uhr

Bozen – Die Südtiroler Bevölkerung bewertet die Auswirkungen der Digitalisierung zwar positiv, allerdings ist das Vertrauen in die neuen Technologien geringer als im europäischen Schnitt. Außerdem ist der Digitalisierungsgrad der Südtiroler Unternehmen noch recht bescheiden und viele Betriebe tun sich schwer, die auf sie zukommenden Veränderungen einzuschätzen. Das zeigt die Standortbestimmung, welche das WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen bei der Bevölkerung und den Unternehmen in Südtirol durchgeführt hat.

Das WIFO hat rund 500 Südtiroler/innen und 1.500 Unternehmen in Südtirol zu ihrem Verhältnis zur Digitalisierung befragt. Digitale Technologien haben einen zunehmenden Einfluss auf die Wirtschaft, die Gesellschaft und den Alltag, beispielsweise in den Bereichen Verkehr, Ausbildung und Gesundheitsversorgung. Verschiedene Dienstleistungen des öffentlichen und privaten Sektors werden online erbracht und auch die zwischenmenschliche Kommunikation wird stark vom Internet und den sozialen Netzwerken beeinflusst. Unternehmen und Bevölkerung stehen gleichermaßen vor neuen Herausforderungen: Die Digitalisierung verändert die Geschäftsmodelle und verlangt neue Kompetenzen von den Mitarbeiter/innen.

Aus der Umfrage bei der Bevölkerung geht hervor, dass die Südtiroler/innen eine eher wohlwollende Haltung zur Digitalisierung einnehmen. Die Auswirkungen auf Wirtschaft und Lebensqualität werden von 62 Prozent bzw. 52 Prozent der Befragten positiv bewertet. Der Einfluss auf die Gesellschaft ist hingegen umstritten und das Vertrauen in die Technologien ist im europäischen Vergleich unterdurchschnittlich.

Die Mehrheit der Südtiroler/innen findet sich mit digitalen Technologien gut zurecht und 83 Prozent können diese im beruflichen Leben effizient nutzen. Dies gilt insbesondere für die Berufsgruppen der Selbständigen und Angestellten. Auf der anderen Seite haben viele Arbeiter/innen wenig Vertrauen in ihre persönlichen digitalen Kompetenzen und sind besorgt, dass diese im Falle eines Arbeitsplatzwechsels möglicherweise nicht ausreichen würden.

Auch bei den Unternehmen zeigt sich ein ambivalentes Bild. Nur ein kleiner Teil der Betriebe (4 Prozent) schätzt sich bereits als „digital hoch entwickelt“ ein. Demgegenüber stuft sich die Hälfte (49 Prozent) der Betriebe als „gar nicht“ bzw. „wenig entwickelt“ ein. Mit steigender Größenklasse erhöht sich der Anteil der „entwickelten“ Unternehmen allerdings deutlich. Am stärksten ausgeprägt ist der Digitalisierungsgrad im Großhandel und in den Dienstleistungen.

Von den untersuchten Technologien wird Internet Banking von 79 Prozent der Unternehmen, und damit am häufigsten, eingesetzt. Es folgen Maßnahmen zur Datensicherung, der eigene Webauftritt sowie gesetzlich vorgeschriebene Instrumente wie die digitale Unterschrift und die elektronische Rechnungsstellung.

Kritisch zu bewerten ist, dass der Großteil der Südtiroler Unternehmen häufig keine wesentlichen Änderungen ihrer Geschäftstätigkeit durch die Digitalisierung erwartet und ein Viertel der Betriebe sogar kein Urteil abgeben kann. Vergleichsweise häufig bewusst sind nur die Auswirkungen auf die Qualität der Kundenbetreuung und der Bedarf an Weiterbildungsmaßnahmen für die Mitarbeiter/innen.

Damit die Südtiroler Wirtschaft weiterhin wettbewerbsfähig bleibt, müssen alle Südtiroler Unternehmen rechtzeitig die Bedeutung der Digitalisierung erkennen und sich den zukünftigen Herausforderungen stellen. Beispielsweise braucht jedes Unternehmen eine angemessene Online-Präsenz, um für den Markt sichtbar zu bleiben.

„Unternehmen müssen in ihrem Digitalisierungsprozess durch gezielte Förderungen und Beratungen unterstützt werden. Die digitalen Kompetenzen der Bevölkerung sollen ebenfalls durch Weiterbildungsmaßnahmen weiter erhöht werden. Schließlich ist die Sensibilisierungs- und Aufklärungsarbeit für die Bevölkerung und die Unternehmen in Südtirol zu verstärken“, ist Handelskammerpräsident Michl Ebner überzeugt.

„Das Land Südtirol arbeitet daran, dass alle Bürgerinnen und Bürger sowie die Unternehmen die Herausforderungen der Digitalisierung bestmöglich bewältigen können. Deshalb rüsten wir Südtirol mit der notwendigen Infrastruktur aus und fördern die Aus- und Weiterbildung. Gleichzeitig stellen wir Beiträge zur Verfügung. So schaffen wir Anreize, damit sich die Unternehmen selbst ‚ausrüsten‘ und wichtige Investitionen im Bereich der Digitalisierung tätigen und Beratungen in Anspruch nehmen können“, betont Landeshauptmann Arno Kompatscher.

Die WIFO-Berichte stehen auf der Website www.handelskammer.bz.it/wifo zum Download bereit, Ansprechpartner für diese Publikationen sind Urban Perkmann, Tel. 0471 945 718,E-Mail: urban.perkmann@handelskammer.bz.it und Luciano Partacini, Tel. 0471 945 700, E-Mail: luciano.partacini@ handelskammer.bz.it.

Von: mho

Kommentare

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1 Kommentar auf "Wie steht es um die Digitalisierung in Südtirol?"


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krakatau
krakatau
Universalgelehrter
9 Tage 6 h

“Wir” Südtiroler sind doch die Intelligentesten, die Innovativsten, die Besten, die Modernsten – kurzum ein leuchtendes Beispiel für den ganzen armseligen Rest der Welt. Allein die Tatsachen liegen etwas anders. Italien zählt sich zu den G7 – gehörte aber zu den W 150 – 156. Und Südtirol liegt noch immer einige Jahrzehnte hinter anderen Ländern. Das war auch schon vor 60 Jahren so

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