"Die Stimmung im Südtiroler Baugewerbe bleibt sehr zuversichtlich"

WIFO-Wirtschaftsbarometer Sommer 2019 – Baugewerbe

Dienstag, 13. August 2019 | 13:56 Uhr

Bozen – Die Stimmung im Südtiroler Baugewerbe bleibt sehr zuversichtlich. Die Sommerausgabe des Wirtschaftsbarometers des WIFO – Institut für Wirtschaftsforschung der Handelskammer Bozen zeigt, dass heuer mehr als neun von zehn Unternehmen die Ertragslage als zufriedenstellend einschätzen. Auch die Beschäftigung entwickelt sich positiv.

Die zuversichtlichen Erwartungen der Südtiroler Bauwirtschaft bei der Konjunkturerhebung im Frühjahr wurden in der Sommerbefragung bestätigt: 91 Prozent der Unternehmen erwarten für das Jahr 2019 eine zufriedenstellende Ertragslage. Dies bekräftigt den positiven Trend, der die Branche in den letzten fünf Jahren geprägt hat.

Die befragten Unternehmerinnen und Unternehmer melden einen leichten Umsatzanstieg, der zum Teil auch auf höhere Verkaufspreise zurückzuführen ist. Der Südtiroler Markt zeigt eine gute Dynamik im Tiefbau, das Geschäftsvolumen im Hochbau ist hingegen im Vergleich zum Vorjahr stabil. Diesbezüglich wurden im Jahr 2018 Genehmigungen für etwas über 3,5 Millionen Kubikmeter Bauvolumen erteilt, was in etwa dem Durchschnittsniveau der letzten Jahre entspricht.

Die positive Umsatzentwicklung spiegelt sich in der Auslastung der Produktionskapazität wider, die inzwischen bei fast 90 Prozent liegt, und wirkt sich auch auf die Beschäftigung aus. Im ersten Halbjahr 2019 gab es im Südtiroler Baugewerbe durchschnittlich fast 17.400 unselbständig Beschäftigte, was eine Zunahme von 3,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahressemester entspricht. Im Juni lag die Zahl der Mitarbeiter sogar bei über 18.000 und erreichte somit den höchsten Wert der letzten zehn Jahre.

Die Unternehmer/innen des Bausektors beklagen allerdings einen Anstieg der Produktionskosten. Dies gilt insbesondere im Tiefbau und für das Baunebengewerbe (Bauinstallation und Fertigstellung von Gebäuden). Einige Firmen im Baunebengewerbe berichten auch von einer Verschlechterung der Zahlungsmoral der Kund/innen. Was die Ertragserwartungen betrifft, so gibt es keine wesentlichen Unterschiede zwischen den verschiedenen Branchen des Bausektors.

Der Präsident der Handelskammer Bozen, Michl Ebner, unterstreicht die Wichtigkeit des Bürokratieabbaus bei der Vergabe öffentlicher Bauleistungen: „Das sogenannte Gesetzesdekret ‚Sblocca Cantieri‘ ist ein Schritt in die richtige Richtung. Damit werden bürokratische Hindernisse beseitigt, welche die Erholung der Bauwirtschaft in der Vergangenheit behindert haben.“

Nachfolgend die Stellungnahmen der Vertreter der Wirtschaftsverbände:

Michael Auer, Präsident des Kollegiums der Bauunternehmer

„Das Dekret ‚Sblocca-Cantieri‘ und die Vereinfachungen auf Landesebene gehen in die richtige Richtung: das Vertrauen in uns Baumenschen ist gestiegen und das schafft neue Investitionen, Aufträge und Arbeitsplätze. Die Kosten steigen aber immer mehr. Für Unternehmen, deren Stärke die hohe Qualität ist, wird es immer schwieriger, wirtschaftlich nachhaltig zu arbeiten.“

Hubert Gruber, Obmann der Baugruppe im lvh

„Die Wirtschaftslage im Bau ist nach wie vor gut. Um die positive Entwicklung beizubehalten, braucht es dennoch wirtschaftsfreundliche Maßnahmen. Durch die Aufteilung in Lose und Gewerke entsteht ein Spielraum für die Gemeinden, um Kleinbetrieben den Zugang zu den Ausschreibungen zu ermöglichen. Kritisch sehe ich die Einführung von BIM: Kleine Betriebe haben noch nicht die technischen Voraussetzungen dafür und dürfen nicht auf der Strecke bleiben.“

Maurizio Lazzarini, Präsident CNA-SHV Costruzioni

„Der Aufschwung der Bauwirtschaft, unterstützt durch Renovierungen und energetische Sanierungen, könnte aufgrund des sogenannten ‚Wachstumsdekrets‘ einbrechen. Dieses wälzt die Kosten des Steuerbonus durch einen nicht nachhaltigen Skonto auf dem Rechnungsbetrag auf die KMUs ab. Der Sektor muss unterstützt werden, indem diese Vorschrift korrigiert und der Zugang zu Krediten verbessert wird.“

 

Von: bba

Bezirk: Bozen

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