AFI-Studien

Wohnungsnot: Die vier Südtiroler Wohnrealitäten im Fokus

Freitag, 03. September 2021 | 17:24 Uhr

Bozen – Im Jahr 2022 wird die Südtiroler Wohnbaupolitik 50 Jahre alt: Eine Reihe von Regeln und Instrumenten, mit denen wichtige Ziele erreicht werden konnten. Im Laufe der Zeit traten jedoch vermehrt Tendenzen ans Licht, welche die Vorteile schrittweise überschattet haben. Bereits seit mehreren Jahren analysiert das AFI die Situation auf dem Wohnungsmarkt: „Unsere Analysen zeigen, dass die Wohnungssituation in Südtirol nicht undifferenziert ist, sondern dass es vier verschiedene Wohnrealitäten gibt, für die zielgenaue Maßnahmen erforderlich sind“, erklärt AFI-Direktor Stefan Perini. Im Rahmen der heutigen Tagung des Instituts mit dem Titel „Wohnungsnot in Südtirol: vier Realitäten – vier Handlungsschienen“ gingen rund 60 Vertreter der Gewerkschaften und des Dritten Sektors sowie lokale Verwalter und Entscheidungsträger im Pfarrheim Bozen diesem Thema in vier Arbeitsgruppen auf den Grund.

Seit 2017 befasst sich das AFI | Arbeitsförderungsinstitut mit der Wohnungspolitik des Landes, zumal das Thema „leistbares Wohnen“ für Südtirols Arbeitnehmerschaft zentral ist. So zeigt die Sonderfrage des AFI-Barometers (Winterausgabe) bezüglich der Schwierigkeiten beim Erwerb des Eigenheims seit Jahren, dass für neun von zehn Befragten die zu hohen Wohnpreise eine wirkliche Herausforderung sind. Diese Schwierigkeit wird von der Landesverwaltung, die neben den bestehenden Instrumenten der Wohnbauförderung auch an einem Modell zur Preisdeckelung arbeitet, geteilt.

Die AFI-Studien

Im Rahmen seiner Forschungstätigkeit hat das AFI zahlreiche Veranstaltungen organisiert und drei Studien veröffentlicht. Damit wurde ein bemerkenswertes Repertoire an wissenschaftlichen Analysen, Instrumenten und möglichen Neuerungen erstellt. „Aber so wie jedes Werkzeug nicht für jede Aufgabe eingesetzt werden kann, weil jedes von ihnen eine spezifische Anwendung hat, müssen auch die wohnungspolitischen Instrumente an den jeweiligen Kontext angepasst werden“, sagt AFI-Forscher Lorenzo Vianini. Die wissenschaftliche Arbeit des AFI zeigt, dass es vier verschiedene Wohnungsrealitäten gibt, deren Bedürfnisse, Strategien und Anforderungen unterschiedlich sind.

Eine Tagung mit Workshop-Charakter

Welche sind die Schwachstellen des heutigen Systems? Welche Strategien verfolgen die Verwaltungen und die sozialen Akteure, um den Grundwohnbedarf zu decken? Welchen Bedürfnissen und Anforderungen muss die Wohnungspolitik der Zukunft gerecht werden? Das sind die drei Fragen, die im Rahmen der Tagung den Vertretern der Gewerkschaften, des Dritten Sektors, der lokalen Verwaltungen gestellt und in speziellen Arbeitsgruppen diskutiert wurden.

Die Erkenntnisse der vier Arbeitsgruppen wurden anschließend im Plenum vorgestellt. „Die Tagung hat zu interessanten Ergebnissen geführt, da es gelungen ist, unsere wissenschaftlichen Analysen mit dem Know-how der eher lösungsorientierten Teilnehmer an den Arbeitstischen zu verbinden. Das Resümee wird im Laufe der nächsten Woche präsentiert, aber es lässt sich schon jetzt sagen, dass viele der Vorschläge und Bedürfnisse wichtige Berührungspunkte mit den Analysen des AFI aufweisen“, betont Vianini.

Die gesamte Forschungstätigkeit des AFI zum Thema „Wohnen“ ist auf der Webseite des Instituts unter http://afi-ipl.org/category/wohnen/abrufbar.

Stellungnahme von AFI-Vizepräsidentin Monica Murari

„Seit mehreren Jahren befasst sich das AFI mit der Wohnungspolitik des Landes: Eine Forschungstätigkeit, die von den Interessenvertretern des Instituts, nämlich den Gewerkschaften und den sozialen Organisationen für Arbeitnehmer, gewünscht und stark unterstützt wird, da sie erkannt haben, dass den Arbeitnehmer/Innen in Südtirol die Lösung des Wohnproblems sehr wichtig ist. Die Reform der Wohnungspolitik muss in der Lage sein, die Hindernisse für bezahlbares Wohnen, sei es die wirtschaftlichen als auch jene anderer Natur, zu beseitigen.“

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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17 Kommentare auf "Wohnungsnot: Die vier Südtiroler Wohnrealitäten im Fokus"


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xXx
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Universalgelehrter
17 Tage 8 h

Viele Wohnungen stehen leer, sind nur ein paar Wochen/Jahr als Zweitwohnung besetzt oder werden über Airbnb und co. vermietet.

Man müsste eine empfindliche Strafsteuer für alle freien Immobilien einführen die nicht dauerhaft vermietet werden und im Gegenzug müsste sich “normales” vermieten viel mehr auszahlen und der Schutz gegen Mietnirmaden verbessert werden.

Das würde viele Probleme lösen, dass sich nicht jeder ein Eigenheim/Wohnung leisten kann, wird immer so sein. Mieten muss leistbar und für den Vermieter lohnend sein.

RS4
RS4
Grünschnabel
17 Tage 6 h

Stimme voll zu! Hab eine kleine Zweitwohnung wo wenn der Mieter nicht zahlt, mehr geschützt wird, als ich als Eigentümer! Wenn der Mieter sonst zuverlässig ist und durch kein Selbstverschulden zB Corona nicht pünktlich zahlen kann, dann bin ich kulant und passt. Falls aber die Situation ausgenutzt wird, dann soll man jemanden auch mal schnell vor die Tür setzen können. Vestehe Vermieter schon, die nicht vermieten um solchen Ärger zu vermeiden.

Opa1950
Opa1950
Tratscher
17 Tage 8 h

Wenn das Wobi welches die ca. 1000 leerstehenden Wohnungen sanieren würde, anstatt immer nur neue zu bauen, wäre für 1 oder 2 Jahren das Problem gelöst. Der damalige Landesrat Tomassini hat offiziell verkündet das Wobi hat 52 Millionen Euro auf der hohen Kante nur für Sanierungen von Alten Wohnungen.

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Superredner
17 Tage 6 h

OPA1950@

und du würdest das ganze Geld ausgeben, oder?

Entequatch
Entequatch
Tratscher
16 Tage 17 h

Leider wird sich das problem nicht mit wobi wohnungen lösen, es ziehen genau aus diesel grande immer mehr menschen ins land um sich eine fast gratis wohnung etc zu ergattern, s. Erhöhung einwohnerstatistik whähren covidjahr 2020

Reinhard_Bauer
17 Tage 4 h
Wir haben uns der Sache in Meran angenommen und arbeiten an Konzepten, bezahlbares Wohnen zu ermöglichen. Sicher eine Herkulesaufgabe die eine überparteiliche Zusammenarbeit erfodert. Aber es ist die Sache wert! Es sollte zuerst das soziale vom leistbaren Wohnen unterschieden werden. Das Wobi legt die Kriterien für ersteres fest. Die Gemeinde kann aber auch leistbares Wohnen für unsere Familien ermöglichen, die keinen Anspruch auf eine Sozialwohnung haben – den freien Markt aber nicht bezahlen können. Hier müssen wir ansetzen. Über Wohnbaugenossenschaften und/oder Wohnungen mit Preisbindung kann einiges erreicht werden, wenn der politische Wille besteht. Grünflächen sollen nicht angetastet werden – es… Weiterlesen »
Zugspitze947
16 Tage 18 h

Das WOBI ist viel zu TEUER geführt und grossteils unfähig säumige oder zerstörerische Mieter aus den Wohnungen zu werfen ! 🙁

hoihoi
hoihoi
Grünschnabel
16 Tage 18 h

…. ich glaube Sozialwohnungen , sollte es pro Gemeinde auf 1000 Einwohner nur eine geben ,wie gesagt für soziale Härtefälle auf Zeit , den Alleinerziehende , Zugewanderte usw. sind kein Sozialfall bekommen aber Dauerwohnungen , mit Schwarzarbeit fast zum Nulltarif auf Lebenszeit !!,
Um Wohnungen zu sparen sollen Bedürftige in einer Gemeinschsfts Wohnung untergebracht werden und dafür dankbar sein !!
Schians Tagl nu ollen fleißigen Steuerzahlern/innen

thomas
thomas
Universalgelehrter
16 Tage 15 h

“ihr“ seits da wohl ganz die Falschen, Eure Lobbys haben das alles zu verschulden u werden gerade “euch“ weiterhin die Stossrichtung diktieren. Und dazu noch den Kapuzinergarten u andere grüne Inseln zubetonieren lassen

Reinhard_Bauer
16 Tage 10 h

Da ist was wahres dran. Sozialwohnungen gibt es über das Wobi, der Gemeinde und auch der Bezirksgemeinschaften. Die Kriterien sollten besser abgestimmt werden. Der Leerstand aufgeräumt und konsequent kontrolliert werden ob der Anspruch besteht.

Reinhard_Bauer
16 Tage 10 h
Holla die Waldfee. Geht’s jetzt besser nachdem Sie Unwahrheiten verbreitet haben und ordentlich bashing betreiben? Dann kommen wir zu den Fakten. Wen meinen sie mit “ihr”? Ich bin Arbeitnehmervertreter der Meraner Volkspartei und arbeite ehrenamtlich. Wie viele andere von uns auch, die mit der Situation zwar auch nicht zufrieden sind, aber sich aktiv einsetzen – und nicht bloß maulen- , um die Situation zu verbessern. Also ist mir die Schublade zu klein in die wir hinein sollen. Sorry Lobbyismus…. In der Sozialpolitik liegen eine Menge Steuergelder. In Meran mehr als die Hälfte des Haushaltes. Das System muss jetzt aber angepasst… Weiterlesen »
OrB
OrB
Universalgelehrter
17 Tage 4 h

In Südtirol brauch es leistbares Wohnen, egal ob Sanierung oder Neubau!
Es kann nicht sein dass jedes 50 mq Loch über 350.000 Euro kostet!!

Nette
Nette
Tratscher
17 Tage 4 h
Sehr viele Altbauwohnungen und Häuser stehen leer. Überall werden neue Wohnbauzonen ausgewiesen um noch größere schönere und teuere Wohnungen zu bauen und zu verkaufen. Den Besitzern von Altbauwohnungen werden unzählige Bürokratische Hürden, Auflagen und sinnlose Verordnungen (Denkmalamt, Ensembleschutz) zugemutet. Beispiele gibts genug. Dabei wer der Klimaschutz viel wichtiger und bestehende Kubaturen zu nützen und nicht neue Flächen zu versiegeln. Denkmalamt und Ensembleschutz steht im Wiederspruch zu Innovation und Klimaschutz, denn es brauch nur jeder in seiner Stadt schauen wieviele dieser Kubaturen leer stehen. Mein wunsch an die zuständige Politik wäre einmal die ganzen leerstehenden Kubaturen zu erfassen und zu erörtern… Weiterlesen »
Reinhard_Bauer
16 Tage 10 h

Da haben sie absolut recht. Wenn der politische Wille besteht kann viel brachliegendes Gewerbegebiet, auch in schönen Zonen der Städte, als Wohnbauzone umgewidmet werden. Bau auf Bestand lautet die Devise. Bürokratische Hürden hängen auch sehr von der Gemeinde und dem Bauamt ab. Ich hab da so meine Erfahrung…

Grünzonen sollten verschont bleiben, sie sind begrenzt. Hier gibt es aber große Unterschiede zwischen den ländlichen Bereich und dem urbanen. Ich persönlich vermute bei einigen Liegenschaften auch Spekulation…

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Superredner
17 Tage 7 h

Super!

Unter anderem braucht man eine Studie, um drauf zu kommen, dass die Einheimischen sich schwer tun eine Wohnung zu kaufen?! 

Ok, 

Mr.X
Mr.X
Tratscher
16 Tage 18 h

Olm mehr Südtiroler wern auswondern und Studenten sowieso in Auslond bleiben. Weil bei ins bisch orm dron wenn net a haufn Grund hosch. Die Wohnungen sein unbezohlbor und de wos net konventioniert sein kafen reiche Ausländer zom. Der Grund isch im Verhältnis zu ondre Provinzen extrem tuier, mir miasen unnütze Klimaheiser bauen. Man konn insre Politiker lei loben…

Opa1950
Opa1950
Tratscher
16 Tage 18 h

Für das Wobi ist die zuständige Landesrätin viel zu schwach.

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