Impfrate gesunken, Fallzahlen steigen wieder

50 Jahre FSME-Impfung: Fallzahlen steigen wieder

Donnerstag, 26. März 2026 | 09:42 Uhr

Von: apa

Seit 1976 ist die Impfung gegen die von Zecken übertragene FSME in Österreich zugelassen – die Impfrate war lange hoch, ist aber auf um die 80 Prozent gesunken. Dagegen sind die Zahlen der mit Frühsommer-Meningoenzephalitis in Spitälern behandelten Personen im Vergleich zu noch vor zehn Jahren wieder gestiegen. 132 Betroffene waren es im Jahr 2025. Dabei hat die Impfung allein seit dem Jahr 2000 über 10.000 Hospitalisierungen und rund 80 Todesfälle in Österreich verhindert.

Darunter wären laut der aktuellen Studie auch über 4.000 schwere FSME-Fälle gewesen, berichtete Judith Aberle, stellvertretende Leiterin am Zentrum für Virologie der MedUni Wien am Mittwochnachmittag bei einer Pressekonferenz. Die Betroffenen hätten oft noch Probleme, wenn sie das Krankenhaus wieder verlassen – beispielsweise Kopfschmerzen, Lähmungen und Krampfanfälle. Auch deshalb ist es “wichtig, dass man sich regelmäßig impfen lässt”, riet die Medizinerin.

Vor allem Ungeimpfte betroffen

Die Infektionsfälle betreffen mit 85 Prozent überwiegend ungeimpfte Personen und zu zwölf Prozent, die nicht regelmäßig geimpft wurden, erläuterte Aberle. “Wenn man sich an das empfohlene Impfschema hält, dann ist die Schutzwirkung 99 Prozent”, berichtete sie. Wenn das Impfschema nicht genau eingehalten wurde, seien es “immer noch über 90 Prozent”. Die Virologin betonte: “Es gibt keine sichere Altersgruppe.” Die jüngste hospitalisierte FSME-Patientin im Vorjahr war ein Säugling von wenigen Wochen und die älteste Patientin war 86 Jahre alt.

Die Impfung ist für alle in Österreich lebenden Personen ab sechs Monaten empfohlen. “Was ich empfehle, ist so früh wie möglich zu impfen”, sagte der Kinderarzt Albrecht Prieler. Kinderärzte dürfen auch Eltern mitimpfen, betonte er. Im empfohlenen Impfschema ist bei Beginn vor dem ersten Lebensjahr eine Grundimmunisierung mit drei Impfungen innerhalb eines Jahres und einer weiteren im darauffolgenden Lebensjahr vorgesehen. Die erste Auffrischung folgt nach drei Jahren, dann alle fünf Jahre und ab dem 60. Lebensjahr alle drei Jahre, erläuterte Maria Paulke-Korinek, Leiterin der Abteilung für Impfwesen im Gesundheitsministerium.

Nach vollständiger Grundimmunisierung und mindestens einer erhaltenen Auffrischung ist auch bei einem überzogenen Auffrischungsintervall nur eine weitere Impfung nötig. Paulke-Korinek empfiehlt auch keine Titerbestimmung zur Abschätzung der Schutzdauer. Nach einem akuten Zeckenstich sollte bei Ungeimpften oder bei überfälligen Impfungen so rasch wie möglich eine FSME-Impfung erfolgen.

Hotspot Oberösterreich

Gefundene Zecken können an die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) geschickt werden. Bei 95 Prozent der Proben handelt es sich um Tiere der Art Holzbock, berichtete Georg Duscher, Zeckenforscher bei der AGES-Tiergesundheit. Auch die tropische Riesenzecke wurde in Österreich schon gefunden, die andere schwere Krankheiten übertragen kann, welche aber hierzulande noch nicht nachgewiesen wurden.

Zecken werden durch den Klimawandel auch in immer größeren Höhenlagen gefunden, berichtete Prieler, der auch Impfreferent der Ärztekammer Burgenland ist, von dem Fall einer Sennerin auf 1.500 Metern Seehöhe. Ganz Österreich sei “Endemiegebiet”. Spitzenreiter mit mehr als 50 der 132 FSME-Hospitalisierungen im Vorjahr war Oberösterreich, berichtete Prieler. In diesem Bundesland gebe es Regionen, wo generell bei Impfungen “Impfgegner und Impfkritiker sehr großes Potenzial haben”, kritisierte er. Es gehe ihm vor allem um die Kinder, die nicht selbst entscheiden können, und dann nicht geimpft werden, betonte der Kinderarzt.

(S E R V I C E – AGES zu Zecken und Abgabe von Proben: www.ages.at/mensch/krankheit/infos-zu-zecken-krankheiten )

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