Welttag am 30. Juli

Menschenhandel: „Schlimmste Form von Ausbeutung“

Freitag, 27. Juli 2018 | 09:42 Uhr

Bozen – Auch der Südtiroler Kinder- und Jugendanwaltschaft (Kija) ist Menschenhandel bekannt. Vor allem nicht begleitete ausländische Minderjährige werden Opfer von Menschenhandel. Darauf verweist die Südtiroler Kinder- und Jugendanwältin Paula Maria Ladstätter anlässlich des Internationalen Tages gegen Menschenhandel. Er wird am 30. Juli zum fünften Mal begangen. Allein heuer hat sich die Kija um drei Fälle von Menschenhandel gekümmert.

Ein Jugendlicher aus Somalia kam 2017 nach Südtirol. Seine Mutter, eine Witwe, hat das stärkste ihrer elf Kinder auf die gefährliche Reise nach Europa geschickt, um hier Arbeit zu suchen und die Familie daheim zu unterstützen. Jetzt wird seine Mutter von den Schmugglern bedroht, bei denen sie Schulden gemacht hat, um ihren Sohn in den Norden bringen zu lassen. Ein 16-Jähriger aus Gambia, der in Südtirol lebt, wird von seiner Familie ständig um Geld gefragt. Sein Vater ist blind, ein Bruder körperlich beeinträchtigt und die Mutter unter Einkommensdruck, weil sie Schulden zu tilgen hat. Der Junge ist in eine Schule eingeschrieben. Er möchte unbedingt arbeiten, um für die Familie daheim sorgen zu können. Ein Mädchen aus Nigeria hingegen hat einige Zeit in einer Unterkunft für minderjährige Flüchtlinge in Südtirol gelebt. Eines Tages ist sie verschwunden. Sowohl die Heimleitung als auch die Kinder- und Jugendanwältin vermuten, dass sie aufgrund der elterlichen Schulden zu Prostitution gezwungen wurde. Niemand weiß, wo sie ist.

„Armut provoziert Gewalt und Ausbeutung“, betont Paula Maria Ladstätter. Junge Menschen auf der Flucht seien am stärksten von Menschenhandel betroffen, sagt sie. Häufig gerieten sie in die Fänge von Schmugglern – oft schon, bevor sie ihre Reise nach Europa antreten. In Italien angekommen, drängen sie auf Arbeit, weil sie Schulden zu tilgen haben, die sie oder ihre Eltern für die Reise aufgenommen haben. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge tun sich sehr schwer, eine Arbeit zu finden. Dafür brauchen sie eine Aufenthaltsgenehmigung. Sind sie noch im Pflichtschulalter, werden sie in eine Schule eingeschrieben. Um schnell Geld zu verdienen, wählen viele gefährliche und oft illegale Wege, die sie in Drogenhandel oder Prostitution führen.

Die ILO (International Labour Organization), die Internationale Arbeitsorganisation und Sonderorganisation der Vereinten Nationen hat in ihrem „Global Report on Trafficking in Persons“ im Jahr 2016 festgehalten, dass 21 Millionen Menschen weltweit von Zwangsarbeit betroffen sind. 28 Prozent davon sind minderjährig: Drei von vier dieser jungen Menschen sind Mädchen. Die Jugendlichen werden als Kindersoldaten, zum Zweck der Zwangsbettelei, der sexuellen Ausbeutung, der Zwangsehe, des Organhandels und der Zwangsarbeit entführt und/oder erpresst. Das italienische Justizministerium hat 2015 mitgeteilt, dass 68 Prozent der jungen Mädchen die unbegleitet nach Italien kommen, zu Prostitution gezwungen werden und Drohungen, körperlicher und sexueller Gewalt ausgeliefert sind. Weitere Informationen erhalten Interessierte bei der Kinder- und Jugendanwaltschaft unter Tel. 0471 946 050 und per Mail an info@kinder- jugendanwaltschaft-bz.org.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

7 Kommentare auf "Menschenhandel: „Schlimmste Form von Ausbeutung“"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
hohoho
hohoho
Grünschnabel
21 Tage 17 h

Man muss den Menschen in den Herkunftsländern helfen.

ivo815
ivo815
Kinig
21 Tage 10 h

Tolle Idee! Ist die von dir?

m69
m69
Universalgelehrter
21 Tage 10 h

@ivo815 

ha ha, der isch guat! 😳😊😜

aristoteles
aristoteles
Tratscher
21 Tage 9 h

@ivo815, na von mir

iuhui
iuhui
Universalgelehrter
21 Tage 6 h

@ivo815 nein von viele die alle Jahre auf etwas verzichten damit andere was haben!! Ich zum Beispiel verzichte auf einen Haustier zu fütter und investiere stattdessen dieses Geld in Essen für arme Kleinkinder! Mir ist wichtiger unschuldige Kinder zu “füttern” als Haustiere.

Tottele
Tottele
Tratscher
21 Tage 14 h

An dieses Amt werde ich mich jedenfalls niemals mehr wenden um Hilfe zu suchen .

Mistermah
Mistermah
Universalgelehrter
21 Tage 7 h

Z. Teil läuft es zurzeit in Europa nicht anders. Viele Organisationen Bereichern sich am Elend anderen. Ändert endlich die Gesetze, dass diese Menschen arbeiten und sich mit Würde selbst versorgen (zumindest zum Teil) können.

wpDiscuz