Ein Kommentar

Agitus Tod

Dienstag, 12. Januar 2021 | 09:16 Uhr

Bozen/Trient – Das Jahr 2020 endete mit einer erschütternden Nachricht: Die äthiopische Ziegenzüchterin Agitu Gudeta Ideo ist im Fersental von einem Angestellten brutal ermordet worden.

Foto: © ANSA / FACEBOOK AZIENDA AGRICOLA “LA CAPRA FELICE”

Die Tat wirkt völlig sinnlos, die Gründe sind nichtig: Ein Streit ums Gehalt soll ausgeartet sein.

Besonders bitter ist: Nach ihrer Flucht aus ihrer Heimat vor zehn Jahren ist es der 42-Jährigen gelungen, trotz aller Widrigkeiten und Anfeindungen mit Fleiß eine florierende Existenz im Trentino aufzubauen. Sie galt als Beispiel einer gelungenen Integration – und fiel nun einer Gewalttat zum Opfer.

Nicht nur der wirtschaftliche Erfolg zählte für sie, ihr ging es vor allem um Nachhaltigkeit. Sie züchtete eine seltene Ziegenrasse, die im Fersental beheimatet ist, und achtete darauf, dass die lokale Wirtschaft von ihrer Arbeit mit profitierte.

Weil sie mit zäher Leidenschaft für eine gerechtere Welt kämpfte, erhielt Agitu Gudeta Ideo zahlreiche Preise und Auszeichnungen.

All das wurde in einem Wimpernschlag, in einem Augenblick der Raserei zunichte gemacht. Eine Frau und noch dazu eine Migrantin, die erfolgreich ist, scheint für manche nur schwer erträglich zu sein. Ideen, die das Gemeinwohl fördern, werden zerschmettert, ausgelöscht und erstickt.

Wenn wir Agitus Geist wirklich hochhalten wollen, sollten wir einsehen, dass wir uns das einfach nicht leisten können. Dass wir uns auf Augenhöhe begegnen müssen und dass Veränderung nötig ist.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

5 Kommentare auf "Agitus Tod"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Tanne
Tanne
Superredner
4 Tage 21 h

Gewalt gegen Frauen, sowie auch an Männer, Gewalt insgeheim ist zu Verurteilen, ob schwarz, oder weis, Arm oder Reich!
 

Plodra
Plodra
Grünschnabel
5 Tage 4 h

Wichtig ist vor allem die Weiterführung des Unternehmens von Agitu Gudeta Ideo. Damit wird ihre Leistung an einem Bauernhof dauerhaft sichtbar. Und es ist eine Möglichkeit, dem ehrenden Gedenken eine unauslöschbare Form zu geben. Nach der schrecklichen Bluttat ist es notwendig, kraftvolle Botschaften gegen das Auslöschen eines wertvollen Lebenszeugnisses zu finden. 

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
4 Tage 18 h

Einem Erwachsenen das offensichtlich fehlende Bewusstsein der Würde des Menschen beibringen ? Der Mann darf keine Chance zur Wiederholung erhalten. 
“…womöglich handelt es sich um einen klassischen Femizid…”
Mord an Äthiopierin in Italien: Trauer um Unternehmerin Gudeta – taz.de

Johanna2
Johanna2
Neuling
3 Tage 19 h
Ist dieser Mordfall nicht vielleicht deshalb so schockierend, weil er in einem viel größeren Zusammenhang gedacht werden muss? Gestern gab es bei einem Gespräch unter Arbeitskollegen hinsichtlich “was tun gegen Corona?” den Kommentar: “Also als erstes würde ich mal alle Ausländer entfernen!” Dieser Kommentar in seiner Irrationalität (der Virus macht keinen Unterschied zwischen schwarz und weiß) hat mich erschreckt, denn er scheint zum Ausdruck zu bringen, dass die Corona-Angst wie als “Ventil” den Ausländerhass schürt. Agitu Gudeta und ihr Mitarbeiter haben beide eine dunkle Hautfarbe, sind also beide gleichermaßen dem Ausländerhass ausgesetzt. Sie jedoch konnte sich wegen ihrer starken mentalen… Weiterlesen »
Ars Vivendi
3 Tage 18 h

@Johanna2…..kann schon sein. Rechtfertigt aber in keinster !! Weise eine so schreckliche Tat.

wpDiscuz