Studie mit Beteiligung eines Innsbrucker Glaziologen

Bereits 9.000 Mrd. Tonnen Eis durch Gletscherschmelze verloren

Mittwoch, 10. April 2019 | 06:58 Uhr

Innsbruck – Schmelzende Eisschilde in Grönland und der Antarktis sowie das Abschmelzen der Gletscher weltweit tragen zum Anstieg des Meeresspiegels bei. Allein die Gletscher verloren seit 1961 mehr als 9.000 Milliarden Tonnen Eis und erhöhten den Meeresspiegel um 27 Millimeter, wie ein internationales Forscherteam mit Beteiligung des Innsbrucker Glaziologen Fabien Maussion nun zeigt.

Zwischen 1961 und 2016 haben Gletscher mehr als 9.000 Milliarden Tonnen Eis verloren, was einem Anstieg des globalen Meeresspiegels um 27 Millimeter im genannten Zeitraum entspricht. Die größten Beiträge leisteten die Gletscher in Alaska, gefolgt vom schmelzenden Patagonischen Eisschild und den Gletschern in den arktischen Regionen. Auch die Gletscher in den europäischen Alpen, im Kaukasus und in Neuseeland waren von erheblichen Eisverlusten betroffen, spielten aber aufgrund ihrer relativ kleinen Fläche beim Anstieg des globalen Meeresspiegels nur eine untergeordnete Rolle. Für die im renommierten Fachmagazin „Nature“ veröffentlichte Studie kombinierte das internationale Forschungsteam unter der Leitung der Universität Zürich (UZH) glaziologische Feldbeobachtungen mit geodätischen Satellitenmessungen. „Durch die Kombination verschiedener Messmethoden können wir eine bisher nicht dagewesene Anzahl an Messungen vorlegen. Unsere Daten basieren somit auf realen Messungen durch klassische Beobachtung der Gletscher auf der Erde und durch Satelliten aus dem Weltraum – und das zurück bis in die 1960er Jahre. Unsere Ergebnisse basieren somit nicht auf Prognosen oder numerischen Modellierungen“, erklärt Dr. Fabien Maussion vom Institut für Atmosphären- und Kryosphärenwissenschaften der Universität Innsbruck.

Rekonstruktion der Eisdickenänderung

Satelliten vermessen digital die Erdoberfläche und liefern Daten über die Veränderungen der Eisdicke zu verschiedenen Zeitpunkten. So konnten Veränderungen der Eisdicke von mehr als 19.000 Gletschern weltweit rekonstruiert werden. Möglich wurde dies auch durch die umfassende Datenbank des „World Glacier Monitoring Service“, in das hunderte Forscherinnen und Forscher weltweit ihre Satellitenanalysen einbrachten. „Durch die Kombination dieser beiden Messmethoden und den neuen umfassenden Datensatz können wir abschätzen, wie viel Eis seit den 1960er Jahren in allen Berggebieten jedes Jahr verloren gegangen ist“, erklärt Michael Zemp von der Universität Zürich, der die Studie leitete. „Die glaziologischen Messungen vor Ort liefern die jährlichen Schwankungen, während die Satellitendaten es uns ermöglichen, den Gesamteisverlust über mehrere Jahre oder Jahrzehnte zu bestimmen.“

335 Milliarden Tonnen Eisverlust jährlich

Der globale Massenverlust von Gletschereis hat in den letzten 30 Jahren deutlich zugenommen und beträgt derzeit 335 Milliarden Tonnen verlorenes Eis pro Jahr. Dies entspricht einem Anstieg des Meeresspiegels um fast ein Millimeter pro Jahr. „Weltweit verlieren wir etwa das Dreifache des in den gesamten europäischen Alpen gespeicherten Eisvolumens – jedes Jahr“, sagt der Glaziologe Zemp. Das geschmolzene Eis der Gletscher macht damit 25 bis 30 Prozent des aktuellen Anstiegs des globalen Meeresspiegels aus. Dieser Eisverlust aller Gletscher entspricht in etwa dem Massenverlust des grönländischen Eisschildes und übersteigt deutlich den der Antarktis.

Die Studie wurde unter der Leitung der UZH durchgeführt in Zusammenarbeit mit einem internationalen Team von Glaziologen und Glaziologinnen der ETH Zürich, CH, Universität Fribourg, CH, Université Grenoble Alpes, FR, University of Oslo, NO, Queen’s University, Kingston, CA, Universität Innsbruck, AT, Institute of Geography, Moscow, RU, und der Trent University, Peterborough, CA.

Von: luk

Kommentare

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6 Kommentare auf "Bereits 9.000 Mrd. Tonnen Eis durch Gletscherschmelze verloren"


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falschauer
falschauer
Universalgelehrter
11 Tage 19 h

ohne worte, einfach nur katastrophal, wann beginnt wohl der kampf um unser wertvollstes gut, das trinkwasser ?

Aurelius
Aurelius
Universalgelehrter
11 Tage 18 h

der Klimawandel lässt grüßen

Goldstandard
Goldstandard
Grünschnabel
11 Tage 17 h

die menschen welche noch normal denken können wissen daß schmutziger Schnee oder eis welches durch dreck überdeckt ist viel schneller schmilzt als weißes – andere schreien vom Klimawandel.

Goldstandard
Goldstandard
Grünschnabel
11 Tage 17 h

Der schmutz auf dem Schnee – eis welcher es schneller schmolzen läst ist das Resultat von unseren Diesel autos – aber noch in vieeeel größerem ausmaß von den Flugzeugen.
Das darf man aber nicht laut sagen denn an den airlines verdienen die reichen!

knedlfanni
knedlfanni
Tratscher
11 Tage 14 h

und es möchte ja auch jeder seine 2 wochen urlaub gaaaaaanz weeeiiiiit weg verbringen, um neue kulturen kennenzulernen und jaaa abschalten zu können gaaanz weit weg von allen problemen 😀 😀

Neumi
Neumi
Kinig
11 Tage 19 h

Klar ist das kaum ein Tröpfchen auf dem heißen Stein, aber erinnert sich jemand noch an den (mittlerweile nicht mehr ganz so) neuen Luxusartikel “Eis vom Gletscher” für Parties?

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