Von: apa
Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin zeigt Verständnis für die Empörung Italiens, nachdem das Walliser Zwangsmaßnahmengericht die Freilassung des Besitzers der Bar “Le Constellation” in Crans-Montana aus der Untersuchungshaft beschlossen hat. Man könne die Empörung Italiens verstehen. Das Land schaue jedoch das Schweizer Vorgehen rechtlich durch eine andere Brille an, sagte Parmelin gegenüber Radio SRF.
Das Walliser Zwangsmaßnahmengericht hatte am Freitag beschlossen, den Barbesitzer gegen eine Kaution von 200.000 Franken (rund 215.000 Euro) freizulassen. Stattdessen wurden “Ersatzmaßnahmen angeordnet, um dem Fluchtrisiko entgegenzuwirken”. Unter anderem darf der Barbesitzer die Schweiz nicht verlassen.
Meloni nach Freilassung des Barbetreibers empört
Der Entscheid des Gerichts vom Freitag stelle eine schwere Beleidigung und einen weiteren Schmerz für die Familien der Opfer dar, heißt es in einer Mitteilung der italienischen Regierung vom Samstag. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und Außenminister Antonio Tajani beschlossen, den italienischen Botschafter Gian Lorenzo Cornado in der Schweiz nach Rom zu zurückzurufen.
Gemäß der Mitteilung aus Rom hat Botschafter Cornado die Anweisung erhalten, sich umgehend mit Beatrice Pilloud, der für den Fall zuständigen Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis, in Verbindung zu setzen und ihr die “tiefe Empörung” der italienischen Nation über den Entscheid zu übermitteln.
Nach dem tödlichen Brand, bei dem auch die 16-jährige Mailänderin Chiara Costanzo ums Leben kam, hat ihr Onkel Pietro Costanzo an den italienischen Skiverband Fisi appelliert, die für die kommende Woche in Crans Montana geplanten Ski-Rennen zu boykottieren. In einem Interview mit dem TV-Sender Rai 3 bezeichnete Costanzo einen solchen Schritt als “eine starke Form des Protests und der Empörung”. Zugleich äußerte er Zweifel daran, dass Gerechtigkeit erreicht werden könne: “Solange der Gerichtsstand im Kanton Wallis liegt, habe ich erhebliche Zweifel.”
Umberto Marcucci, der Vater eines verletzten Jugendlichen, der derzeit im Krankenhaus Niguarda in Mailand behandelt wird, begrüßte das Eingreifen der italienischen Regierung. “Wir freuen uns über das deutliche Engagement der italienischen Regierung. Wir setzen große Hoffnungen darauf, auch wenn wir noch nicht wissen, wie sich dieses konkret auswirken wird”, sagte Marcucci.




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