Von: mk
Bozen – Die Sasa hat einen Buschauffeur entlassen, weil er einen Kontrolleur physisch attackiert hat. Die Szene trug sich im Bus auf der Strecke zwischen Bozen und Meran zu – vor Augen der fassungslosen Passagiere und vor Linsen von Überwachungskameras. Die Folgen des Angriffs, der sich vor mehreren Monaten zugetragen hat, sind nun definitiv, nachdem das Arbeitsgericht ein entsprechendes Urteil fällte.
Auslöser des Konflikts soll die Ehefrau des Buschauffeurs sein, die ebenfalls zum Zeitpunkt des Zwischenfalls im Bus saß. Leider hatte sie im Vorfeld kein Ticket erworben. Als sie vom Kontrolleur darauf angesprochen wurde, erklärte sie lediglich, sie sei eine „Freundin“ vom Chauffeur – eine Rechtfertigung, die dieser aus offensichtlichen Gründen nicht gelten lassen konnte.
Der Chauffeur soll sich darauf an seinen Kollegen gewandt und erklärt haben, dass er für das Ticket aufkomme. Doch der Kontrolleur ließ nicht locker und entgegnete, dass ein Ticket im Normalfall vor Einstieg in den Bus erworben und entwertet werden müsse. Bezahlt man für das Ticket erst bei einer Kontrolle, falle trotzdem eine Strafe an.
An der Haltestelle in der Otto-Huber-Straße in Meran eskalierte die Situation dann völlig. Nach gerade einmal 13 Sekunden lautstarker Diskussion verlor der Busfahrer komplett die Beherrschung. Er stieß die Tür seiner Fahrerkabine mit voller Wucht gegen den Kontrolleur und drängte ihn nach hinten.
Der Fahrer verließ seine Kabine und rammte den Kollegen mit der Schulter. Der Kontrolleur, der sich verzweifelt an Haltegriffen im Bus festkrallte, wurde weiter vom Fahrer angerempelt. Der Fahrer versuchte vehement, den Kontrolleur aus dem Fahrzeug zu werfen. „Das ist meine Frau!“, schrie er ihm entgegen und beschimpfte seinen Kollegen heftig.
Kurz nach 15.00 Uhr versuchte der Kontrolleur ein letztes Mal, den Bus zu betreten, als ihm der Fahrer einen heftigen Schlag mit der Hand verpasste. Dadurch wurde allerdings die Bodycam des Kontrolleurs ausgelöst. Die Aufnahmen zeigen den Chauffeur im Ausnahmezustand: Als er bemerkte, dass ein Fahrgast die Szene mit dem Smartphone filmte, ging er auf den Mann zu und bedrohte auch ihn.
Im Bus breitete sich unterdessen Panik aus, sämtliche Fahrgäste verließen schlagartig das Fahrzeug – darunter auch die Ehefrau des Fahrers.
Während der Kontrolleur auf dem Gehsteig bereits die Ordnungshüter verständigte, setzte sich der Busfahrer wieder ans Steuer. Da ein Linienbus aus Sicherheitsgründen mit offenen Türen nicht starten kann, drückte der Fahrer den Notfallknopf, um die Bremsen zu lösen. Der Kontrolleur musste mit einem Sprung nach hinten auf den Bürgersteig ausweichen, um nicht vom Bus überrollt zu werden.
Der Kontrolleur erstattete Anzeige bei den Carabinieri, während das Nahverkehrsunternehmen umgehend ein internes Disziplinarverfahren wegen des Angriffs und der Unterbrechung eines öffentlichen Dienstes in die Wege leitete. Die Unternehmensleitung warf dem Fahrer außerdem vor, seine Partnerin gratis befördert und nachträglich versucht zu haben, ein ungültiges Ticket vorzulegen. Zwei Monate später folgte die fristlose Kündigung.
Der Fahrer focht die Entlassung mithilfe eines bekannten Bozner Rechtsanwalts an. Doch das Zivilgericht machte nun kurzen Prozess. Die Videobilder würden den unumstößlichen Beweis für einen „einseitigen physischen Angriff des Busfahrers auf seinen Kollegen“ liefern, schrieb der Richter in der Urteilsbegründung laut einem Bericht der Zeitung Alto Adige. Die Reaktion des Fahrers sei völlig unverhältnismäßig und das Produkt extremer Reizbarkeit gewesen. Ein solches Verhalten gefährde die Sicherheit von Personal und Fahrgästen – Eigenschaften, die mit den Pflichten eines Linienbusfahrers absolut unvereinbar seien. Zudem habe der Vorfall durch die Flucht der Fahrgäste und der Fahrtunterbrechung dem Busunternehmen einen Imageschaden zugefügt.
Die Kündigung bleibt damit aufrecht.




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