Von: apa
Im großen Drogenprozess am Landesgericht Salzburg sind am Montagabend vier der fünf Angeklagten zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Die Männer im Alter von 25 bis 42 Jahren sollen, in unterschiedlicher Beteiligung, insgesamt rund 145 Kilo Kokain mit dem Auto nach Salzburg geschmuggelt und dort zwischengelagert bzw. verkauft haben. Gegen das einzige nicht geständige Mitglied der Gruppe läuft das Verfahren noch. Die Urteile sind großteils nicht rechtskräftig.
Das Suchtgift wurde laut Staatsanwaltschaft im Zeitraum zwischen Februar 2023 und August 2024 von Belgien, Tschechien, den Niederlanden und Spanien nach Salzburg gebracht. Ein Teil wurde hier an Konsumenten oder Subdealer verkauft, ein Teil in Länder wie die Schweiz, Italien und Slowenien weitertransportiert. Insgesamt dürfte das Kokain im Straßenverkauf wohl einen Wert in zweistelliger Millionenhöhe gehabt haben.
Angeklagte zum Teil als V-Männer für Polizei tätig
Zudem wirft die Anklage einigen der Männer Geldwäsche vor. Um das Drogengeld zu waschen, kauften sie im Ausland Markenuhren, Sportautos und teure Kleidung. “Einer ist als Hilfsarbeiter mit dem Maserati auf den Baustellen erschienen”, betonte die Staatsanwältin im Prozess. Das Besondere an dem Fall: Ein Großteil der Angeklagten war als V-Männer für die Polizei tätig. Die Ermittler gaben der Operation darum, angelehnt an das lateinische Wort für “doppelt”, den Namen “Duplex”.
Insgesamt dürften dem Suchtgiftring an die zwei Dutzend Personen angehört haben, einige “kleinere Fische” mussten sich bereits vor Gericht verantworten. Zwei flüchtige Täter werden noch mit Haftbefehlen gesucht, die Polizei arbeitet außerdem daran, weitere Hintermänner ausfindig zu machen.
Nur ein mutmaßliches Bandenmitglied nicht geständig
Bei den Angeklagten handelt es sich um zwei Syrer, zwei Österreicher und einen Kroaten. Alle fünf befanden sich vor dem Verfahren in U-Haft, vier von ihnen sind mehrfach vorbestraft, drei wurden in der Vergangenheit bereits zu Haftstrafen verurteilt. Bis auf den Jüngsten des Quintetts zeigten sich vor Gericht alle geständig. Dieser behauptete, von seinen Mitangeklagten fälschlich beschuldigt zu werden, Drogen verkauft und in seiner Wohnung gebunkert zu haben.
Die Arbeit in der Gruppe war laut Staatsanwältin offenbar genauverteilt. Die beiden Syrer sollen das Suchtgift vor allem im Stadtgebiet von Salzburg verkauft oder zwischengelagert haben. Der Kroate fungierte als Transporteur und stellte seine Wohnung als Bunkerort für die Drogen zur Verfügung, einer der zwei Österreicher – selbst starker Kokain-Konsument – finanzierte seine Sucht mit Lieferdiensten und vermittelte bei internen Konflikten.
“Auf meinen Mandanten wurde ein Kopfgeld ausgesetzt”
Als zentrale Figur des Rings gilt jedoch ein 37-jähriger Salzburger. Der ehemalige Bauunternehmer war laut der Staatsanwaltschaft Koordinator, hatte Kontakt mit Hintermännern und Lieferanten im Ausland, führte Transportfahrten durch, organisierte, wie die Drogen verteilt wurden, und verkaufte zum Teil auch selbst. Er allein soll rund 100 Kilo Kokain nach Salzburg gebracht haben. Außerdem wird ihm in je einem Fall Waffenhandel und der Handel mit gefälschten Ausweisen zur Last gelegt.
Tatsächlich dürfte der 37-Jährige nach seiner Verhaftung maßgeblich zur Aufklärung der Straftaten beigetragen haben. “Der ganze Erfolg der Operation ‘Duplex’ basiert auf seiner Aussage”, betonte sein Verteidiger. Bis dahin hätten die anderen Angeklagten nur gemauert und die Verantwortung auf seinen Mandanten geschoben, bis dahin seien den Ermittlern nur Kleinstmengen an gedealten Drogen bekannt gewesen. “Sein Verhalten nach der Tat ist exzellent”, so der Anwalt. Das Gericht müsse das bei der Strafbemessung als Milderungsgrund berücksichtigen. Zudem sei von den Hintermännern des Drogenrings ein Kopfgeld auf seinen Mandanten ausgesetzt worden. “Er hatte mit gefährlichen Leuten zu tun.”
Der 37-jährige Hauptakteur erhielt in dem ursprünglich auf drei Tage anberaumten Prozess am Montagabend allerdings eine Gesamtstrafe in der Höhe von 14 Jahren. Der Kroate bekam eine Zusatzstrafe von 5,5 Jahren zu einer Haftstrafe, die er aktuell in Deutschland verbüßt. Einer der Syrer erhielt zehn Jahre Haft, der zweite Salzburger sechs Jahre und zehn Monate.




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