Mann nicht zurechnungsfähig

Einweisung nach Attacke auf mehrere Passanten in Wien

Mittwoch, 28. Januar 2026 | 12:10 Uhr

Von: apa

Weil er unter dem Einfluss einer paranoiden Schizophrenie im Oktober 2025 mehrere Passanten in Wien attackiert hatte, ist am Mittwoch ein 30-jähriger Mann von einem Schöffengericht in ein forensisch-therapeutisches Zentrum eingewiesen worden. Die Entscheidung ist bereits rechtskräftig. Der Mann ging mit ziemlicher Wucht teilweise auch mit Waffen auf die Leute los, die zum Glück nur leicht verletzt wurden.

Der 30-Jährige kannte die Opfer gar nicht und ging völlig willkürlich vor. Der Mann leidet seit 2019 unter paranoider Schizophrenie. Nachdem er auf seine Eltern losgegangen war, wurde seine Krankheit noch nicht diagnostiziert. Erst 2022 nach einem Autounfall und einem Suizidversuch stellten Mediziner die Störung aus dem schizophrenen Formenkreis fest. Allerdings nahm der Mann die Medikamente nicht und konsumierte stattdessen “exzessiv” Cannabis, wie es die psychiatrische Gutachterin, Sigrun Roßmanith, bei der Verhandlung erklärte. Auch krankheits- und behandlungseinsichtig würde sich der 30-Jährige noch nicht verhalten. Seit vier Monaten bekommt er neben Tabletten auch eine Depotspritze und konnte heute leise, aber verständlich sprechen. Kurz nach seiner Festnahme im Oktober war er laut Roßmanith noch verworren. “Ein Wortsalat. Es war gar nicht verständlich, was gemeint ist. Es war alles komplett durcheinander”, sagte die Sachverständige.

“Blöde Gedanken” und “blöde Sachen”

“Ich entschuldige mich, was passiert ist”, sagte der Betroffene. Er könne sich auch an seine Tathandlungen erinnern. Von der Richterin nach dem Warum gefragt, meinte der 30-Jährige: “Ich hab’ zu viel Cannabis geraucht.” Seine Krankheit und die Art der Medikation konnte er jedoch nicht gleich benennen. Er habe “blöde Gedanken”, gehabt, meinte er. “Mir fallen dann blöde Sachen ein.”

Am 3. Oktober 2025 ging er im Andre-Heller-Park in Floridsdorf auf einen Mann los, der ihn darauf aufmerksam machte, dass Radfahren in der künstlerisch gestalteten Anlage verboten sei. Der 60-Jährige hatte nämlich beobachtet, wie der 30-Jährige mit dem Rad fast eine ältere Frau niederfuhr. Als der Ältere ein Foto von dem Raser machte, schlug dieser ihn mit der Faust mehrfach ins Gesicht. Auch wie der 60-Jährige bereits auf dem Boden lag, trat er noch hin. Als sich der Attackierte auf eine Parkbank setzen wollte, weil ihm schummrig war, schnappte sich der 30-Jährige eine Holzlatte von einer Absperrung und schlug dem Mann auch noch auf den Kopf. Danach flüchtete er. “Das ging so schnell. Ich war so perplex”, sagte der 60-Jährige im Zeugenstand.

Frau auf Rolltreppe niedergeschlagen

Knapp zwei Wochen später attackierte er eine Frau auf der Rolltreppe bei der U-Bahn-Station Zieglergasse. Das Opfer stand hinter ihm, plötzlich drehte sich der 30-Jährige um, rannte die Rolltreppe hinauf und schlug so heftig zu, dass die Frau umfiel und mit dem Kopf auf die Eisenstiegen krachte. “Ich hab’ gedacht, sie denkt was Falsches über mich”, sagte der Betroffene. Ein Video aus der Überwachungskamera zeigt, wie die Chinesin umfällt und mit einer Rissquetschwunde am Hinterkopf liegen bleibt.

Kurze Zeit später ging der Mann auf der Mariahilfer Straße im gleichnamigen Bezirk auf Touristen los, indem er sie beschimpfte und bespuckte. Passanten beobachteten das und verfolgten den 30-Jährigen. Die Zivilcourage bezahlte ein Zeuge mit einer Verletzung. Denn der 30-Jährige zückte bei der Verfolgungsjagd ein Messer und stach dem Spanier in den Oberschenkel. Als dieser verletzt liegen blieb, rief ein weiterer Mann die Polizei. Der Amerikaner lief dem Flüchtenden hinterher und konnte der Exekutive nicht nur seinen Aufenthaltsort, sondern auch den Ort, wo er das Messer entsorgt hatte, nennen. “Ich hab’ gedacht, die denken was Falsches über mich”, sagte der Betroffene, der die türkische Staatsbürgerschaft hat, aber in Tirol aufgewachsen ist.

Gefährlichkeitsprognose sehr hoch

“Er wehrt sich, wenn er sich attackiert oder beschimpft fühlt”, sagte Gutachterin Roßmanith. Die Krankheit, die den Mann zurechnungsunfähig für seine Handlungen macht, sei schwerwiegend und nachhaltig und die Gefährlichkeitsprognose sehr hoch. “Es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass er in absehbarer Zukunft das Ganze wieder los geht.” Die psychische Störung sei so ausgeprägt, dass sie eine bedingte Entlassung nicht empfiehlt, sonst seien Handlungen mit schweren Folgen zu erwarten.

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