Von: APA/AFP
Weil ein französisches TV-Team mit versteckter Kamera Misshandlungen von Kindern gefilmt hat, ohne die Täter anzuzeigen, haben Eltern in Frankreich die Produktionsfirma und die beteiligten Journalisten verklagt. “Das Verschweigen der Tatsache ist eine Straftat, die umso schwerer ist, weil eine Anzeige es ermöglicht hätte, die Kinder zu schützen”, erklärten die Anwälte der Eltern eines Kindes, das während der Nachmittagsbetreuung in Paris von Betreuern vergewaltigt worden war.
Der Sender France 2 hatte Ende Jänner in einer Dokumentation das Ausmaß des Problems beschrieben. Dazu hatte eine Journalistin mit versteckter Kamera in einer Schule Betreuungskräfte gefilmt, “die Kindern im Alter von drei bis fünf Jahren körperliche und psychische Gewalt zufügten”, erklärten die Anwälte. Auch ein Fall von sexueller Nötigung sei gefilmt worden. Die betroffenen Betreuer wurden nach der Ausstrahlung der Doku umgehend vom Dienst suspendiert.
TV-Team hielt Bilder geheim
Das TV-Team habe die Bilder zuvor jedoch neun Monate geheim gehalten, “um die Exklusivität für die Sendung zu bewahren”. Journalisten hätten darauf verzichtet, die zuständigen Behörden oder die Justiz zu informieren, kritisierten die Anwälte.
In Paris wurden seit Beginn des Jahres bereits 78 Mitarbeiter der Nachmittagsbetreuung suspendiert, unter ihnen 31 wegen Verdachts auf sexuellen Missbrauch. Der Pariser Stadtrat verabschiedete am Dienstag in einer Sondersitzung einen mit 20 Millionen Euro ausgestatteten Aktionsplan.
Dieser sieht unter anderem eine verpflichtende Fortbildung für Betreuer vor – die allerdings nur zwei Tage dauern soll. Ein Berufsabschluss wird für die Arbeit als Betreuer nicht vorausgesetzt. Der neue Pariser Bürgermeister Grégoire Emmanuel hat den Kampf gegen Missbrauch von Kindern in der städtischen Betreuung von Grundschulkindern zur Priorität erklärt.




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