Zweiter Verhandlungstag im Grauen Haus

Enthaftungen im Prozess um tödliche Schüsse in Lokal

Montag, 24. August 2026 | 16:30 Uhr

Von: importer

Im Prozess rund um die tödliche Schießerei in einem Lokal in Wien-Ottakring im November 2025 sind am Ende des zweiten Verhandlungstags am Montag zwei der Beschuldigten enthaftet worden. Alle bisherigen Zeugen belasteten den Hauptbeschuldigten, für sämtliche Schüsse verantwortlich zu sein. Und die Zeugen sagten auch, dass die beiden anderen Angeklagten nicht einmal in der Nähe der Schüsse waren. Sie hätten somit keinen psychischen Tatbeitrag geleistet, so die Anwälte.

Astrid Wagner, Michael Dohr und Farid Rifaat stellten somit Enthaftungsanträge, denen vonseiten des Gerichts stattgegeben wurde. Der 36-Jährige und der 39-Jährige wurden sogleich aus der Untersuchungshaft entlassen. Der 34-Jährige, der weiterhin behauptete, der Drittangeklagte sei für den tödlichen Schuss verantwortlich, verbleibt in Gewahrsam.

Die drei Männer müssen sich in einer dreitägigen Verhandlung wegen Mordes und Mordversuchs bzw. der Beitragstäterschaft verantworten. Alle bekannten sich beim Auftakt am Freitag nicht schuldig. Ein Urteil soll nun am 30. November gefällt werden. Der Verhandlungstermin am 14. November entfällt, da zwei Zeugen nicht erschienen waren. Sie wurden jetzt zur Fahndung ausgeschrieben.

Hintergrund war Streit um Geldschulden

Die Schüsse fielen nach einem Streit um Geldschulden. Hintergrund soll laut Anklage ein Kreditgeschäft gewesen sein, das der 34-jährige Erstangeklagte und der 36-jährige Zweitangeklagte – Österreicher mit türkischen Wurzeln – mit einem Kreditvermittler eingegangen waren. Vereinbart war, dass der serbische Vermittler für rund 50.000 Euro eine Provision von 50 Prozent erhalten sollte. Als der Hauptangeklagte erfuhr, dass der Vermittler in ihrem Namen Kreditkarten bestellt und diese auch belastet hatte – er kaufte sich z.B. eine Rolex -, behoben er und der 36-Jährige die gesamte Kreditsumme und behielten diese für sich. Deshalb kam es zwischen den drei Männern und dem Kreditvermittler zu dem Konflikt, der bei einer Aussprache am 6. November 2025 in dem Lokal gelöst werden sollte.

Die Geldsumme, exklusive der Ausgaben des serbischen Kreditvermittlers, hätte bei dem Treffen überreicht werden sollen. “Die sollen keine Faxen machen, weil sonst nehme ich bei dem Treffen ein paar Tschetschenen mit”, soll der Kreditvermittler einem Freund im Vorfeld gesagt haben, der am Montag als Zeuge aussagte. Das wiederum bekam der 34-jährige Hauptangeklagte mit, der deshalb den Drittangeklagten mitnahm. Der Staatenlose wurde in Grosny geboren.

Zwei Beschuldigte bewaffnet

Der Hauptangeklagte soll laut Staatsanwaltschaft eine zuvor illegal erworbene Beretta mitgenommen haben. Auch der Drittangeklagte war mit einer Glock bewaffnet. In dem Lokal kam es recht rasch zu einer verbalen Auseinandersetzung mit dem Kreditvermittler, der mit seinem Vater und drei Begleitern gekommen war. Der Hauptbeschuldigte meinte angesichts der vielen Tschetschenen im Lokal, ob es sich hier um eine “Hochzeit” handelt, der Kreditvermittler fühlte sich dadurch respektlos behandelt.

Weil die Situation zu eskalieren drohte, wurde der Erstangeklagte von einem Begleiter des Kreditvermittlers in einen Gang Richtung Notausgang geführt. “Ich wollte, dass er sich beruhigt”, sagte er als Zeuge. Plötzlich habe der 34-Jährige eine Waffe gezogen, repetiert und auf ihn gezielt. “Dann hat er sofort geschossen”, sagte der 38-jährige Tschetschene. Der Schuss traf zum Glück einen Türrahmen, allerdings verletzte ein abgepralltes Geschoss laut Gerichtsmedizinerin den Mann, der eine Daunenjacke trug, leicht an der Brust. Auf Nachfrage der Richterin, ob er sicher sei, dass der Erstangeklagte geschossen habe, meinte er: “Ich weiß es ganz genau und er weiß es selber auch.” Mehrere Zeugen hörten zudem, dass der Zweitangeklagte nach dem ersten Schuss den Namen des Erstangeklagten rief und auf Türkisch sagte: “Was machst du?”

Panik im Lokal

Nach dem ersten Schuss entstand Panik im Lokal. Der Vater des Kreditvermittlers packte seinen Sohn an der Schulter. Denn der Junior wollte noch in die Richtung laufen, wo der Schuss herkam. “Bist du verrückt? Wo willst du hin? Da sind doch Schüsse”, sagte der mittlerweile 56-Jährige. Im Tumult verlor er seinen Sohn. Plötzlich sah er den Hauptangeklagten auf ihn zukommen, die Waffe ziehen und abdrücken. “In den Bauch. Ich habe das Blut am Anfang gar nicht bemerkt”, sagte er. Dass er selbst eine Waffe bei sich hatte, so wie der Erstangeklagte behauptet, er habe deshalb in Notwehr geschossen, bestritt der Mann vehement.

Der Serbe wurde im oberen Bauch und Becken getroffen. Er erlitt einen Durchschuss, nur eine Notoperation rettete ihm das Leben. Der dritte Schuss traf einen weiteren Begleiter des Vermittlers, einen 33-jährigen Tschetschenen, der sich noch mit einer Verletzung der Körperhauptschlagader aus dem Lokal schleppte und dort tödlich zusammenbrach.

Einer der Zeugen, der nicht zum Prozess erschienen ist, ist übrigens der Kreditvermittler. Er hätte von der Polizei vorgeführt werden sollen, wurde zu Hause nicht angetroffen. Sein zuvor als Zeuge vernommener Vater erwähnte nicht, dass sein Sohn nicht zum Prozess kommen wird. Ein Zuschauer sagte Anwalt Michael Dohr, der Mann habe sich ins Ausland abgesetzt.

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