Von: red
Kalifornien – Die San-Andreas- und die San-Jacinto-Verwerfung zählen zu den größten Verwerfungssystemen Südkaliforniens, entlang derer sich die Erdplatten bewegen und immer wieder Erdbeben erzeugen. Die Region wurde in den vergangenen 1000 Jahren wiederholt von schweren Erdbeben erschüttert – und könnte erneut von verheerenden Katastrophen heimgesucht werden.
USGS-Forscherin Katherine M. Scharer und der Geologe Doug Yule rekonstruierten mit ihrer Studie im Jahr 2020 mindestens 36 Erdbeben entlang des San-Andreas-Verwerfungssystems. Zu den stärksten bekannten Ereignissen zählen die Erdbeben von 1812 mit einer geschätzten Magnitude von 7,5 und das Fort-Tejon-Erdbeben von 1857 mit einer Magnitude von 7,9. Beide ereigneten sich in der Nähe des Cajon Pass.
Nun baut eine neue Studie unter der Leitung von Dr. Liliane Burkhard von der Abteilung für Weltraumforschung und Planetenwissenschaften (WP) am Physikalischen Institut der Universität Bern auf diesen Grundlagen auf. Die Studie wurde im „Journal of Geophysical Research: Solid Earth“ veröffentlicht.
Warum die neuen Untersuchungen zu alarmierenden Schlussfolgerungen führen
Der südliche Abschnitt der San-Andreas-Verwerfung gilt seit Jahrzehnten als auffallend ruhig. Diese anhaltende seismische Ruhe war ein zentraler Ausgangspunkt der neuen Studie, da die Forschenden vermuten, dass sich entlang der Verwerfung über lange Zeit erhebliche Spannungen aufgebaut haben könnten.
Der Cajon Pass, ein wichtiger Gebirgspass nordöstlich von Los Angeles, steht im Fokus der Untersuchungen. Dort treffen die San-Andreas- und die San-Jacinto-Verwerfung aufeinander, wodurch die Region zu den tektonisch komplexesten Gebieten Südkaliforniens zählt. Zugleich verlaufen durch den Pass wichtige Straßen-, Bahn- und Energieverbindungen, die für Millionen Menschen von Bedeutung sind. Ein Erdbeben unter diesen Umständen könnte nicht nur zahlreiche Menschen gefährden, sondern auch weite Teile der Infrastruktur und Versorgung Südkaliforniens lahmlegen.
Warum Forschende glauben, dass das Risiko eines großen Erdbebens am Cajon Pass möglicherweise unterschätzt wird
Während das schwere Fort-Tejon-Erdbeben von 1857 am Cajon Pass offenbar endete, setzte sich das Erdbeben von 1812 wahrscheinlich über diesen Bereich hinaus fort. Forschende sehen darin einen Hinweis darauf, dass der Knotenpunkt zwischen der San-Andreas- und der San-Jacinto-Verwerfung je nach Spannungszustand entweder als Barriere oder als Verbindung für Erdbebenbrüche wirken kann.
Da die beiden Verwerfungssysteme unter der Erdoberfläche miteinander verbunden sein könnten, wird vermutet, dass sich ein Erdbeben über mehrere Verwerfungsabschnitte hinweg ausbreiten könnte, anstatt auf einen einzelnen Bereich begrenzt zu bleiben. Ein solches Szenario könnte gleichzeitig Regionen wie Los Angeles, San Bernardino, Riverside und das Coachella Valley betreffen.
Hinweis auf erhöhtes Risiko, aber keine deterministische Vorhersage möglich
Die Modellierungen deuten auf erhöhte Spannungsniveaus an mehreren Segmenten hin und damit auf ein gesteigertes Erdbebenpotenzial in der Region. Die Forschenden betonen jedoch: „Hohe Spannungen allein bedeuten kein unmittelbar bevorstehendes Erdbeben.“ Entscheidend seien auch die Wechselwirkungen zwischen den Verwerfungssegmenten sowie die komplexe Spannungsverteilung aus früheren Ereignissen.
Die Ergebnisse liefern damit keine konkrete Vorhersage, sondern eine Einschätzung der aktuellen Gefährdungslage.




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