Von: ka
Bozen – Nachdem Landtagspräsident Arnold Schuler dem Gebrauch von Dialekt in den Wortmeldungen eine klare Absage erteilt hat, gehen im und außerhalb des Landesparlaments die Wogen hoch.
Adressat des Verbots ist vor allem Hannes Rabensteiner, der seit jeher auf seinen Dialekt pocht und dessen kernige Villanderer Mundart inzwischen sein Markenzeichen ist. Die Debatte über deutsche Hochsprache versus Südtiroler Dialekt ist jedoch weitaus älter als der Abgeordnete der Bewegung Süd-Tiroler Freiheit – und es geht dabei auch um weit mehr als den „Respekt vor der Institution Landtag“.

Den Dialekt überall benutzen zu können, wie es sich Hannes Rabensteiner wünscht, mag bequem sein, aber der komfortabelste Weg ist nicht immer der beste. Die deutsche Hochsprache zu lernen, ist ein langer, steiniger und dorniger Weg. Aber er ist nicht umsonst die Nabelschnur in den Norden, denn er ermöglicht es uns, uns in Wort und Schrift mit allen Menschen des deutschen Sprachraums zu verständigen. Das hilft dabei, unser kulturelles und sprachliches Überleben in einem fremdsprachigen Staat abzusichern.
Würden wir den Dialekt zur „lokalen Hochsprache“ erheben, würden wir diese Verbindung kappen und uns innerhalb von zwei oder drei Generationen vermutlich zu einem Kuriosum für Linguistiker entwickeln.
Zudem unterstützt die Hochsprache die Italiener beim Erlernen von Deutsch. Dialekt hingegen schafft eine weitere sprachliche Barriere zwischen Italienern und „deutschen Südtirolern“ – das können wir nicht gebrauchen.

Wohlgemerkt: Dialekt ist Muttersprache und zentraler Bestandteil der Südtiroler Identität. In mehr als neun von zehn Fällen wird Dialekt gesprochen. Im Landtag jedoch, wo alle Anwesenden die Rede eines Abgeordneten verstehen sollen, ist der Dialekt nicht angebracht. Dialekt-Befürworter wollen nach dem Dialektverbot einen „Kulturkrieg” heraufbeschwören. Die Wahrheit ist jedoch, dass sich Dialekt und deutsche Hochsprache ergänzen und Wörter von einem zum anderen „fließen”.

Man mag den kernigen Eisacktaler Dialekt in seiner Villanderer Ausprägung als persönliches „Markenzeichen” pflegen. Die Geschichte unseres Landes zeigt jedoch, dass es die steinigen Wege der Hochsprache sind, die die Verbindung zum gesamten deutschen Sprachraum schaffen. Salopp formuliert geht es also „ums Verstehen und ums Überleben”.




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