Von: apa
Im Fall des zweijährigen Buben aus Neapel, der nach einer fehlgeschlagenen Herztransplantation am Samstag gestorben ist, laufen die Ermittlungen gegen Ärzte und medizinisches Personal des neapolitanischen Krankenhauses “Monaldi” auf Hochtouren. Auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Neapel beschlagnahmten die Carabinieri am Samstag die Mobiltelefone von sechs Beschuldigten – darunter Ärzte und Pflegekräfte des Krankenhauses Monaldi.
Nach dem Tod des kleinen Patienten wird nun wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Die Ermittlungen der auf Arbeits- und Berufsdelikte spezialisierten Abteilung der Staatsanwaltschaft betreffen nach Angaben der Behörden auch das medizinische Personal in Bozen, das für das Spenderherz zuständig war.
Falsche Kühlung bei Transport
Das Spenderherz wurde beim Transport aus Bozen nach Neapel jedoch nicht wie üblich in herkömmlichem Eis gekühlt, sondern kam mit deutlich kälterem Trockeneis in Kontakt: etwa 80 Grad minus statt vier Grad plus. Dadurch sei es “buchstäblich erfroren”, hieß es.
Weil die Ärzte dem Buben jedoch das eigene Herz schon entnommen hatten, wurde das irreparabel beschädigte Organ trotzdem eingepflanzt. Am Leben hielt ihn die ECMO (Extrakorporale Membranoxygenierung), was aber nur für eine begrenzte Zeit gelingen kann. Aus Sicht anderer Ärzte wurde damit ein weiterer Fehler gemacht. Mit einem sogenannten Berliner Herz – eine Art Pumpe, die das Blut aus dem kaputten Herzen durch den Körper pumpt, bis ein Ersatzorgan gefunden ist – kann man deutlich länger überleben.
Ermittler prüfen Kommunikation innerhalb des Transplantationsteams
Die Ermittler wollen insbesondere die Kommunikation innerhalb des Transplantationsteams seit dem 23. Dezember rekonstruieren. Die sichergestellten Mobiltelefone sollen ausgewertet werden, um Absprachen und Abläufe nachzuvollziehen.
Im Fokus steht unter anderem eine Kühlbox älterer Bauart, mit der das Herz transportiert worden war. Das Behältnis war bereits zuvor beschlagnahmt worden. Zudem prüfen die Behörden, ob moderne, temperaturgesteuerte Transportboxen zur Verfügung standen und ob die geltenden Richtlinien des nationalen Transplantationszentrums eingehalten wurden.
Ein weiterer zentraler Punkt der Ermittlungen ist der Einsatz von Trockeneis. Dabei handelt es sich um Kohlendioxid in fester Form mit einer Temperatur von minus 79 Grad Celsius. Nach bisherigen Erkenntnissen könnte es unmittelbar nach der Organentnahme in Bozen anstelle von herkömmlichem Eis in den Transportbehälter gelegt worden sein. In dieser Phase sollen mehrere Teams laut Medien gleichzeitig im Operationssaal tätig gewesen sein, darunter mutmaßlich auch eine österreichische Mannschaft, die weitere Organe entnahm.
Die Staatsanwaltschaft ließ am Samstag die Leiche des Kindes sicherstellen. Für Anfang nächster Woche ist die Einsetzung eines Gutachtergremiums geplant, das die Obduktion sowie technische Untersuchungen vornehmen soll. Dabei soll insbesondere das beim Transport beschädigte Herz untersucht werden.
Unter den Beschuldigten in Neapel sind nach italienischen Medienberichten die Chirurgin, die das Team für die Organentnahme leitete, sowie der Herzchirurg, der die Transplantation in Neapel durchführte. Seine Verteidiger erklärten, ihr Mandant habe “alles fachlich Gebotene und menschlich Mögliche” getan, um das Leben des Kindes zu retten.




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