Von: apa
Die Sperre der Tiroler Fernpassstraße (B179), einer stark frequentierten Nord-Süd-Verbindung durch Tirol für den Durchreise- bzw. Urlauberverkehr, wegen zweier Protestversammlungen einer Bürgerinitiative hat am Samstag kurz vor 10.00 Uhr begonnen und wie vorgesehen um 12.00 Uhr geendet. Laut Polizeiangaben insgesamt bis zu 700 Teilnehmer versammelten sich bei Protestmärschen auf Reuttener und Imster Seite. Die Verkehrslage stellte sich indes vorerst sehr entspannt dar.
Nach erfolgter Sperre setzten sich auf beiden Seiten des Fernpasses die Protestmärsche in Bewegung. Die Demo-Teilnehmer machten sich in Reutte und in Imst auf den Weg, um ihren Unmut gegen das “Fernpasspaket” der ÖVP/SPÖ-Landesregierung und die generelle Verkehrssituation zum Ausdruck zu bringen. Auf Reuttener Seite trafen sich etwas mehr als 300 Personen zuerst beim Parkplatz der Burgruine Ehrenberg, um dann gemeinsam die Bundesstraße entlang in Richtung Salzsilo zu gehen. Sprüche wurden dabei keine skandiert, die Transparente mussten für sich sprechen. Lediglich Musikuntermalung aus Lautsprechern begleitete den Zug zum Demo-Ziel, wo schließlich Reden gehalten wurden: Zuerst von Seiten der Organisatoren, ehe die Teilnehmer am Wort waren und dieses auf einer kleinen Holzbühne ergreifen durften. Im Bezirk Imst starteten wiederum rund 360 Bürger bei Nassereith-Rastland Richtung Parkplatz Fernstein. Der dazwischen liegende Straßenabschnitt zwischen den “Bezirks-Standorten” umfasst 34 Kilometer und wurde für den gesamten Verkehr gesperrt.
Das Land Tirol hatte im Vorfeld an Reisende appelliert, aufgrund der zweistündigen Sperre die Fernpassroute am Samstag generell zu meiden bzw. diese großräumig zu umfahren. Die Hahntennjochstraße werde ebenfalls gesperrt, um ein Verkehrschaos auf der engen Straße aufgrund von Ausweichverkehr zu vermeiden. Durchreisenden wurde dementsprechend ein großräumiges Umfahren empfohlen. Zwischen den beiden Straßensperren bei Reutte bzw. Nassereith kann die B179 indes ohne Einschränkungen genutzt werden. Eine An- und Abreise aus der Region Zwischentoren sei außerdem über die Ehrwalder Straße (B187) oder die Berwang-Namloser Straße (L21) möglich, hieß es seitens des Landes. Auch der ÖAMTC hatte im Verlauf der Woche dazu geraten, nötige Fahrten zu verlegen. Eine Umfahrung sei nur sehr großräumig über Rosenheim (A93), über die bei Kufstein über die Tiroler Inntalautobahn (A12) führende Brennerroute oder alternativ über den Achenpass (B181) möglich.
“Es läuft alles sehr gut”
Die Verkehrssituation stellte sich am Samstag trotz Sperre äußerst positiv dar. Größere Staus waren Fehlanzeige. Sowohl auf der Fernpassroute vor der Sperre als auch auf den potenziellen Ausweichrouten habe es bisher “kein übermäßiges Verkehrsaufkommen” gegeben, erklärte ÖAMTC-Sprecher Harald Lasser gegenüber der APA am Vormittag. “Es läuft alles sehr gut.” Offenbar stellten sich die Verkehrsteilnehmer bestens auf die Situation ein. Man habe aber eigentlich auch kein größeres Verkehrschaos erwartet, schließlich handle es sich um kein klassisches Reisewochenende, betonte Lasser. Hinzu komme: Jene, die Richtung Süden wollten, hätten das zu dieser Tageszeit wohl schon getan.Die entspannte Verkehrslage am Samstag galt bis mittags übrigens für Gesamt-Österreich, sagte der Sprecher: “Es liegt nichts Nennenswertes vor.” Auch seitens der Verkehrsabteilung der Tiroler Polizei hieß es gegenüber der APA, dass bisher alles “überraschend ruhig” vonstatten gegangen sei.
Zuletzt hatte es in Tirol am 30. Mai über den Großteil des Tages verteilt eine Totalsperre der Brennerautobahn (A13) bzw. des Brennerkorridors aufgrund einer Demo gegeben. Von der Dimension her – was die Dauer der Sperre, die damit einhergehenden Maßnahmen sowie die Auswirkungen auf den Reise- und Güterverkehr betrifft – gilt die vergleichsweise kurze Fernpass-Sperre aber als damit nicht vergleichbar. Zumal für den Fernpass eben auch mehrere weiträumige Ausweichalternativen bestehen. Auch im Zuge der Brenner-Demo blieb jedenfalls das befürchtete Verkehrschaos aus.
Scharfer Protest gegen “Fernpasspaket”, Land betont Wichtigkeit des Projekts
Seit Jahrzehnten leiden die Menschen in den Bezirken Reutte und Imst unter dem überbordenden (Transit)-Verkehr auf der Fernpassroute. Über 20.000 Fahrzeuge werden an einem durchschnittlichen Samstag auf dem auf 1.216 Meter Seehöhe gelegenen Alpenpass gezählt. Ende Jänner 2024 stellte die ÖVP/SPÖ Landesregierung die Pläne für das “Fernpasspaket” vor. Durch dieses soll der Bezirk Reutte bzw. das Außerfern besser an den Tiroler Zentralraum angebunden werden. Zudem soll die Verkehrssicherheit auf der viel befahrenen Strecke erhöht und für einen flüssigeren Verkehr gesorgt werden. Das Projekt mit einer Investitionssumme von 500 Millionen Euro und einem Haftungsrahmen von 600 Millionen Euro umfasst unter anderem den neuen Fernpassscheiteltunnel, eine zweite Röhre beim Lermooser Tunnel und ein neues Mautsystem samt Stationen und Lärmschutzmaßnahmen.
Der Lermoosertunnel-Bau soll 250 Millionen Euro kosten, die Arbeiten 2027 starten. Der Spatenstich für den 160 Millionen Euro teuren Fernpasstunnel soll gegen Ende des heurigen Jahres mit der Errichtung der Baustraße zum Südportal erfolgen, mit einer Inbetriebnahme wurde im Jahr 2029 gerechnet. Weitere 90 Millionen Euro werden für Maßnahmen an der Strecke aufgewendet. Der Fernpasstunnel wird 1,4 Kilometer lang sein und ersetzt 4,8 Kilometer Passstrecke. Für die Einhebung der Maut (rund 14 Euro/Pkw) wird eine Maut- und Erhaltungsgesellschaft gegründet.
Seit Verkündung des Projekts laufen Bürgerinitiativen dagegen Sturm, ist der Unmut in der Region teils groß. Die Kritiker sehen ein “Fernpass-Beschleunigungspaket”, das noch mehr Verkehr zur Folge haben werde. Man lehne “jeden weiteren Ausbau von Straßen- und Transitkapazitäten am Fernpass ab – insbesondere den geplanten Scheiteltunnel – sowie jede Form von Mautbelastungen, die die regionale Bevölkerung und Wirtschaft unverhältnismäßig treffen würden, ohne den Transitverkehr wirksam zu steuern”, wurde verlautet. Es brauche einen sofortigen Baustopp. Verlangt wird unter anderem eine Reduktion des Schwerverkehrs auf maximal 250.000 Fahrten pro Jahr, eine Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene durch Ausbau und Attraktivierung der Außerfernbahn als “nachhaltige Alternative” und dadurch einen Schutz von Gesundheit und Lebensraum der Anrainer.
Das Land hatte indes im Vorfeld in einer Stellungnahme gegenüber der APA einmal mehr die Wichtigkeit des Pakets betont. Man wolle die Strecke sicherer und verlässlicher machen, “ohne den Fernpass auszubauen.” Der Fernpass werde auch künftig eine alpine Passstraße sein, auf der ein 7,5-Tonnen-Fahrverbot für Lkw gelte. Viele von der Bürgerinitiative geforderten Maßnahmen würden durch das “Fernpasspaket” umgesetzt. Bei der Demonstration werde das Land jedenfalls “nicht vertreten sein.”




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