Von: mk
Bozen – Die Finanzpolizei dehnt ihre Ermittlungen zu gefälschten Sprachzertifikaten im Südtiroler Gesundheitswesen aus, zumal der Verdacht besteht, dass – abgesehen von Ärzten Krankenpflegern – noch weitere Personen davon profitiert haben könnten. 22 Angestellte im Südtiroler Sanitätsbetrieb sind unterdessen bereits entlassen worden.
Wie berichtet, wurde ein ehemaliger Wachmann des Bozner Krankenhauses am Freitag unter Hausarrest gestellt, weil er im Verdacht steht, gemeinsam mit weiteren Beteiligten über 40 gefälschte Zertifikate beschafft und an medizinisches Personal verkauft zu haben. Laut Staatsanwaltschaft soll er für die aus Deutschland stammenden Dokumente jeweils rund 4.000 Euro verlangt haben. Dem Beschuldigten drohen Anklagen wegen Urkundenfälschung und Betrugs.
Bekanntlich steht der Verdacht im Raum, dass noch weitere öffentliche Angestellte sowie Privatpersonen, die möglicherweise auf eine Anstellung im öffentlichen Sektor hofften, gefälschte Sprachzertifikaten von dem ehemaligen Wachmann erworben haben könnten. Der 50-Jährige soll ursprünglich aus Sizilien stammen, aber in Bozen ansässig sein.
Der Zweisprachigkeitsnachweis gilt als entscheidende Voraussetzung für einen unbefristeten Arbeitsvertrag in Südtirol. Weil es in Südtirol zu wenig Ärzte und Krankenpfleger gibt, stellt der Südtiroler Sanitätsbetrieb auch Bewerber ohne Nachweis ein – allerdings nur mit befristetem Vertrag und mit der Auflage, die Zweisprachigkeitsprüfung innerhalb von drei Jahren abzulegen oder sich einen äquivalenten Nachweis zu beschaffen.
Die gefälschten Zertifikate sollen dazu gedient haben, den erforderlichen Zweisprachigkeitsnachweis für eine Festanstellung oder für eine Bewerbung im öffentlichen Dienst zu umgehen. Die 40 Personen, die mutmaßlich ein gefälschtes Zertifikat erworben haben, wurden ebenfalls ins Ermittlungsregister der Staatsanwaltschaft eingetragen.
Die Finanzpolizei prüft derzeit, ob zusätzliche unrechtmäßig erworbene Sprachzertifikate im Umlauf sind, die möglicherweise auch von Sprachschulen außerhalb der Region ausgestellt wurden. Neben strafrechtlichen Konsequenzen könnten auch Verfahren wegen Schadens für die öffentliche Hand folgen. Dass der ehemalige Wachmann Komplizen hatte, schließen die Ermittler derzeit aus.
Der Fall hat auch politische Reaktionen ausgelöst. Sowohl der Kammerabgeordnete Alessandro Urzì sowie Vizelandeshauptmann Marco Galateo – beide von Fratelli d’Italia“ verurteilen zwar jene, die sich für „illegale Abkürzungen entschieden haben, um einen öffentlichen Titel zu erlangen“. Gleichzeitig plädierten sie dafür Hürden in Zusammenhang mit der Zweisprachigkeit zu erleichtern. „Wer sich mit gefälschten Zertifikaten die Zweisprachigkeitszulage erschleicht, greift direkt in die öffentliche Kasse und begeht damit Betrug am Steuerzahler!“, erklärt der Landtagsabgeordnete der Süd-Tiroler Freiheit, Hannes Rabensteiner. Immer wieder erhalte er Hinweise aus der Bevölkerung auf gefälschte Sprachzertifikate. „Besonders viele Fälle soll es auch bei der Post und anderen öffentlichen Diensten geben, wo vermehrt Mitarbeiter aus Italien eingesetzt werden, die zwar über einen Zweisprachigkeitsnachweis verfügen, jedoch kein Wort Deutsch verstehen“, so Rabensteiner. Er fordert „lückenlose Kontrollen und klare Konsequenzen“.
Bereits im vergangenen Jahr waren mehrere Ärztinnen und Ärzte am Krankenhaus Bozen ins Visier der Ermittler geraten. Sie sollen gefälschte Sprachzertifikate verwendet haben, um den Zweisprachigkeitsnachweis zu erhalten. Auslöser waren Hinweise des Amtes für Landessprachen.




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