Von: mk
Bozen – Ermittlungen um giftige Ascherückstände aus Biomasseanlagen, die laut Anklage als Holzkohle oder sogenanntes Biochar deklariert und unter anderem zur Herstellung von Grillbriketts oder Düngemitteln verwendet wurden, haben in Südtirol ein Erdbeben ausgelöst. Neben drei Österreichern wurden fünf Südtiroler, darunter zwei Führungskräfte der Landesumweltagentur, festgenommen.
Dabei handelt es sich um den Direktor des Amtes für Abfallwirtschaft, Giulio Angelucci, und den Umweltinspektor Andreas Marri. Ihnen wirft die Staatsanwaltschaft vor, das mutmaßlich illegale System unterstützt zu haben. Festgenommen wurde außerdem Ex-SEAB-Präsident Rupert Rosanelli.
Die beiden anderen Haftbefehle wurden gegen Andreas Tappeiner – Ex-Bürgermeister von Laas und Obmann der Gesellschaft Leeg, die das Fernheizwerk in Laas betreibt – sowie gegen Hugo Trenkwalder erlassen, der Verwaltungsratsmitglied des Heizwerkes ist.
Im Fokus der Ermittlungen stehen die Fernwärmeanlagen von Vierschach und Laas in Südtirol, wobei letztere beschlagnahmt und unter Zwangsverwaltung gestellt wurde. Laut den Ermittlern seien jedoch giftige Materialien verarbeitet worden. Chemische Analysen hätten erhöhte Konzentrationen polyzyklischer Kohlenwasserstoffe sowie Dioxine ergeben.
Auch zwei deutsche und zwei kroatische Staatsbürger wurden festgenommen.
Die Staatsanwaltschaft wirft Führungskräften und Mitarbeitern der Landesumweltagentur vor, Kontrollen verzögert, günstige Auslegungen von Vorschriften erstellt und Verwaltungswege aufgezeigt haben, um Umweltauflagen zu umgehen.
In vier Jahren Ermittlungsarbeit wurden nach Behördenangaben Durchsuchungen und Beschlagnahmungen in Südtirol, Venetien, der Lombardei sowie in Österreich, Kroatien und Deutschland durchgeführt. Zudem kontrollierten die Behörden Transporte ins Ausland. Aschen seien unter anderem nach Kroatien und Serbien zur Brikettproduktion sowie nach Deutschland und Österreich für den Einsatz in Landwirtschaft, Futtermitteln und Beton geliefert worden.
Die Ermittler gehen davon aus, dass zwei italienische Unternehmen durch eingesparte Entsorgungskosten und den Verkauf der Rückstände als hochwertiges Produkt illegale Gewinne in Höhe von mehreren Hunderttausend Euro erzielt haben. Hinzu kämen Erlöse aus CO2-Zertifikaten. Für die Betroffenen gilt die Unschuldsvermutung.
An den Untersuchungen beteiligten sich Europol, Eurojust sowie das europäische Amt für Betrugsbekämpfung OLAF. In Italien wurden zudem das Umwelt- und Gesundheitsministerium sowie das Oberste Gesundheitsinstitut eingeschaltet. Die Zollbehörde unterstützte Untersuchungen und Analysen von Warenlieferungen.
Landeshauptmann Arno Kompatscher reagiert betroffen auf den Vorfall: “Die betreffenden Mitarbeiter der Landesverwaltung sind bekannt dafür, sehr seriös und präzise zu arbeiten. Wir vertrauen darauf, dass sie nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt und sich korrekt verhalten haben, auch in diesem Fall.” Der Landeshauptmann erklärt gleichzeitig sein “volles Vertrauen in die Justizbehörden, dass die Vorwürfe gut aufgeklärt werden können.”




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