Südtirol erlebt aufregende „Spiele dahoam” – ein Kommentar

Große Freude und kleine Dramen

Donnerstag, 12. Februar 2026 | 01:15 Uhr

Von: ka

Bozen – Die Olympischen Winterspiele, die von einigen seit Jahren kritisiert, von den meisten aber sehnsüchtig erwartet wurden, halten bisher, was sie versprachen. Zu allem Glück fiel rechtzeitig genügend Schnee, um die Austragungsorte in eine herrliche Winterkulisse zu tauchen.

Facebook/Land Südtirol, Provincia Bolzano/Andrea Vötter und Marion Oberhofer

Wie erwartet, stellte die Aufteilung der Wettkämpfe auf viele weit voneinander entfernte Wettkampfstätten – von Mailand über Cortina, Predazzo, Bormio und Livigno bis nach Antholz – eine organisatorische Herausforderung dar. Doch bereits der triumphale Einzug der Athleten in Mailand, Predazzo, Cortina und Livigno verlieh der Eröffnungszeremonie etwas Besonderes und Heimeliges, das den gigantomanischen Spielen in Russland und China vollkommen abging.

APA/APA/KEYSTONE/PETER KLAUNZER

Den heimischen Olympioniken gelangen bereits in den ersten Tagen einige Erfolge. Im Herbst seiner Skikarriere durfte sich der Ultner Dominik Paris über Abfahrtsbronze freuen. Die Biathleten Dorothea Wierer und Lukas Hofer verließen die modernisierte Antholzer Biathlon-Arena sogar mit Team-Silber. Inmitten einer starken Konkurrenz konnten der junge, talentierte „Ice Dancer” Daniel Grassl eine Bronzemedaille im Team und Dominik Fischnaller Einzel-Bronze im Eiskanal von Cortina gewinnen. Aber auch viele junge einheimische Sportlerinnen und Sportler, die zum ersten Mal olympische Luft schnupperten, konnten sich über gute Platzierungen freuen. In den nächsten Tagen dürften noch einige größere und kleinere Erfolge hinzukommen.

Facebook/Dorothea Wierer

Auch Pannen blieben nicht aus. Mindestens vier Medaillen sind bereits zerbrochen, noch bevor die Gewinner richtig feiern konnten. Der dünne Steg, der das Band mit der eigentlichen Medaille verbindet, scheint der Belastung beim Jubeln nicht standzuhalten. Wer nicht springt, ist auf der sicheren Seite. Auch für den einen oder anderen einheimischen Athleten lief nicht alles nach Wunsch. So konnte Alex Vinatzer seine gute Ausgangsposition im entscheidenden Lauf um eine Medaille in der Team-Kombination der Männer in Bormio nicht nutzen, weil ihm die Nerven versagten. Nerven mussten auch die Fans mitbringen, die auf dem Weg nach Antholz und von dort wieder zurück im Stau standen.

Facebook/Italia Team/Emanuel Rieder und Simon Kainzwaldner

Der ganz große Wurf gelang hingegen Andrea Vötter und Marion Oberhofer. Sie sicherten sich im Doppelsitzer der Damen sensationell die Goldmedaille und schrieben olympische Geschichte für Südtirol. Nur rund eine Stunde nach dem Triumph von Vötter/Oberhofer holten Emanuel Rieder und Simon Kainzwaldner im Herren-Doppelsitzer ebenfalls Gold und machten den Südtiroler Rodel-Tag perfekt. Die jahrelangen Polemiken um die horrenden Kosten für den Bau sind längst vergessen. Mag sie auch in Cortina stehen, ein bisschen ist die „Eugenio Monti” auch „unsere Bahn”.

Dasselbe gilt für die Biathlonarena in Antholz. Die Erneuerung der Anlage für Olympia war sicherlich nicht günstig, aber Südtirol macht mit ihr eine gute Figur. Das Landl erlebt aufregende „Spiele dahoam”. Gibt es eine schönere Visitenkarte für unser Land?

Bezirk: Bozen

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