Von: APA/dpa
Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff “Hondius” bereiten internationale Fachleute die Ankunft der Passagiere und Besatzung auf Teneriffa vor. Mitarbeiter der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der EU-Gesundheitsagentur ECDC und medizinisches Personal aus den Niederlanden seien an Bord, sagte eine WHO-Sprecherin in Genf. Derzeit zeige niemand auf der “Hondius” Symptome, sagte Anaïs Legand, eine WHO-Expertin für Viruserkrankungen, in einem Online-Briefing.
Der Gesundheitszustand der Gäste und Crew werde beobachtet, und die Infektionskette werde nachverfolgt. Diese Informationen würden dann den Behörden nach Ankunft auf der spanischen Kanareninsel Teneriffa zur Verfügung gestellt. Die WHO sprach wie auch schon am Vortag von insgesamt acht Hantavirus-Fällen, von denen einige bestätigt und einige Verdachtsfälle seien. Von den acht sind bisher drei Personen gestorben. Bei den Toten handelt es sich um ein älteres Ehepaar aus den Niederlanden sowie eine Frau aus Deutschland.
Entwarnung erst nach acht Wochen möglich
In Deutschland wird in der Uniklinik Düsseldorf (UKD) eine Passagierin untersucht, die neben zwei kranken Crew-Mitgliedern ausgeflogen worden war. Die Ärzte gaben noch keine Entwarnung. “Wir können nicht sagen, ob sie nicht infiziert ist. Wir haben keine Viren nachgewiesen”, sagte der UKD-Bereichsleiter Tropenmedizin, Oberarzt Professor Dr. Torsten Feldt. Man könne nur sagen, dass die Kontaktperson derzeitig keine aktive Infektion habe. Jederzeit in der Inkubationszeit könnten Symptome auftreten mit einer hohen Virusausscheidung und dann einer Infektionsgefahr.
“Nach acht Wochen könnte man Entwarnung geben.” Erst einmal sei es erfreulich, dass der klinische Zustand weiter gut und stabil sei. Es gebe bisher keinen Hinweis auf eine Infektion. Die genaue Dauer der Quarantäne werde von den lokalen Behörden festgelegt. “Als Anhaltspunkt kann man 40, 45 Tage nennen.”
WHO sieht “ernste Lage”
“Dies ist eine ernste Lage, aber die WHO betrachtet das Risiko für die öffentliche Gesundheit als gering”, sagte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Donnerstag in Genf. “Dies ist nicht der Beginn einer Pandemie”, betonte die amtierende Nothilfekoordinatorin, Maria van Kerkhove. Ein Vergleich mit dem Start der Corona-Pandemie vor sechs Jahren sei nicht angebracht.
Die niederländischen Gesundheitsbehörden teilten mit, dass eine Stewardess, die engen Kontakt mit der am Virus gestorbenen Niederländerin hatte, nicht infiziert sei. Ein Test sei negativ. Das bestätigte auch die WHO. Die Stewardess war am Mittwoch mit Symptomen in ein Krankenhaus in Amsterdam eingeliefert worden. Sie hatte sich in Johannesburg in Südafrika um die Frau gekümmert, die nach ihrem Aufenthalt auf der “Hondius” mit einem KLM-Flug nach Amsterdam fliegen wollte. Die Crew hatte sie aber wegen ihres schlechten Gesundheitszustandes nicht mitgenommen. Einen Tag später starb sie im Krankenhaus. Zuvor war bereits ihr Mann auf dem Schiff an dem Virus gestorben.
Verdachtsfälle in Spanien und Dänemark
In Spanien wurde unterdessen eine Frau, die in derselben KLM-Maschine saß, mit leichten Krankheitssymptomen zur Überwachung in ein Krankenhaus gebracht. Das teilte der Staatssekretär im spanischen Gesundheitsministerium, Javier Padilla, mit. Die Frau sei in einem Krankenhaus in Alicante und das Ergebnis eines PCR-Tests stehe noch aus.
Auch eine Person aus Dänemark, die in der KLM-Maschine saß, wurde auf das Hantavirus getestet, nachdem bei ihr nach dem Flug von Johannesburg nach Amsterdam grippeähnliche Symptome aufgetreten waren. Die getestete Person sei inzwischen aber symptomfrei, wie die dänische Behörde für Patientensicherheit mitteilte. Sie befinde sich in Isolation. Das Testergebnis liege noch nicht vor.
“Der Mensch ist ein Fehlwirt”
Der Experte Martin Eiden vom deutschen Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) erläuterte im Sender WDR5, beim Hantavirus sei ausschließlich im Fall des sogenannten Andes-Typs eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich. Und auch bei diesem Virus-Typ seien weltweit bisher nur wenige Fälle bekanntgeworden. Das Risiko, einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung sei generell als sehr gering einzuschätzen, sagte Eiden. Sie seien bisher nur selten – so etwa im Jahr 1995 und 2018 in Argentinien – beobachtet worden. Dort gibt es das Andes-Virus.
Hantaviren werden üblicherweise durch infizierte Nager wie Ratten oder Mäuse übertragen. Das niederländische Paar, das die ersten Symptome zeigte und später an der Infektion starb, war laut argentinischer Regierung bereits seit 2025 in der Region unterwegs gewesen.




Aktuell sind 4 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen