Von: mk
Bozen – Die Caritas Diözese Bozen‑Brixen hat ihren Wirkungsbericht 2025 vorgestellt. Die Sozialbilanz macht deutlich, wie zentral die Caritas‑Dienste für den Alltag vieler Menschen in Südtirol geworden sind und zeigt zugleich, wo soziale Ungleichheiten größer und strukturelle Lücken im sozialen System zunehmend spürbar werden.
Im Jahr 2025 wurden insgesamt rund 32.600 Menschen von der Caritas in Südtirol betreut, begleitet und unterstützt. Besonders stark nachgefragt waren jene Angebote, die der Existenzsicherung von Menschen in Not dienen. So begleitete die Schuldenberatung im Jahr 2025 982 Personen, fast ein Drittel davon wegen Mietrückständen oder nicht mehr leistbarer Wohnkosten. Um Delogierungen zu verhindern und andere akute Notlagen zu entschärfen, stellte der Dienst 138.000 Euro an finanzieller Unterstützung bereit. Auch die Sozialberatung verzeichnete einen steigenden Bedarf an wirtschaftlicher Hilfe und zahlte 30.499 Euro aus (in 65 Prozent der Fälle für Wohnkosten).
Grundversorgung wird zur Dauerhilfe
Parallel dazu blieb die Grundversorgung ein zentrales Handlungsfeld. In den beiden niederschwelligen Essensausgaben Clara in Bozen und Maria Hueber in Brixen wurden insgesamt über 73.000 warme Mahlzeiten ausgegeben. Dass die Zahl der Mahlzeiten steigt, während die Nutzerzahlen sinken, zeigt, dass viele Menschen diese Angebote regelmäßig und dauerhaft benötigen mangels anderer Alternativen.
Zunehmende psychische Belastungen
Deutlich zugenommen hat auch der Unterstützungsbedarf im Bereich der psychischen Belastungen. Die Caritas Telefonseelsorge führte über 13.000 Gespräche, zehn Prozent mehr als noch 2024. In der Männerberatung suchten 581 Männer Unterstützung, 65 Prozent davon zum ersten Mal. Der Tagesclub Meran betreute 119 Personen; 41 davon waren neu, so viele wie noch nie. Ergänzt wurden diese Angebote durch weitere Caritas-Dienste, wie der Hospizbewegung, dem Ambulanten Betreuungsdienst oder Mosaic, die alle besonders fragile Personengruppen unterstützen.
„Die bisher genannten Angebote wirken präventiv, entlasten Familien, stabilisieren Lebenssituationen und verhindern langfristige soziale Folgekosten“, betont Caritas‑Direktorin Beatrix Mairhofer. „Gleichzeitig sind es genau diese niederschwelligen Basis‑ und Präventionsdienste, bei denen die öffentliche Finanzierung oft nicht mit dem tatsächlichen Bedarf Schritt hält.“
Hoher Druck im Bereich Wohnen und Schutz
Auch im Bereich Wohnen und Schutz zeigte sich 2025 ein anhaltend hoher Bedarf. Um der Wohnungsnot etwas entgegenzusetzen, stellte die Caritas über 1.000 Personen Wohnraum zur Verfügung, darunter rund 750 Menschen in Einrichtungen für wohnungslose Personen. Leider hatten viele Gäste auch 2025 keine realistische Perspektive auf eine eigene Wohnung, außerdem erschweren die Verwaltungsprozesse oft die soziale Integration. Weitere 221 Menschen – fast ausschließlich Familien mit Minderjährigen – wurden in den vier Aufnahmeeinrichtungen für Asylsuchende begleitet.
Ferienangebote stark nachgefragt
Auf große Nachfrage gestoßen sind 2025 auch die beiden Ferienanlagen der Caritas am Meer. Besonders die Kinderferien waren schon gleich nach Einschreibungsbeginn so gut wie ausgebucht, sowohl in Caorle als auch in Cesenatico. Insgesamt haben mehr als 7.500 Personen ihren Sommer dort verbracht.
Internationale Hilfe mit langfristiger Wirkung
Auch wirkte die Caritas Diözese Bozen-Brixen wieder weit über ihre Landesgrenzen hinaus: Sie unterstützte 49 internationale Kooperationsprojekte in 18 Ländern. Ein besonderer Schwerpunkt ist dabei die Hungerbekämpfung in zwölf Ländern südlich der Sahara. Bildung gilt dort als wirksamstes Mittel gegen den Hunger, weil sie Zukunftschancen schafft. Rund 72.000 Kinder und Jugendliche profitieren 2025 von dieser Hilfe, etwa die Hälfte davon Mädchen. Auch verschiedene Wasserprojekte in Afrika wie auch in Bolivien sollen den Menschen helfen, Ernährungssicherheit und Zukunft zu schaffen.
Ehrenamt und Solidarität sind tragende Säulen
Möglich sind alle Angebote und Unterstützungsmaßnahmen der Caritas maßgeblich durch das Engagement zahlreicher beherzten Freiwilligen. „Sie sind unser unverzichtbares Fundament“, sagt Caritas-Direktorin Beatrix Mairhofer. 422 Männer und 732 Frauen engagierten sich 2025 freiwillig in Caritas‑Diensten, hinzu kamen über 720 Ehrenamtliche in Pfarrcaritas‑Gruppen. „Ohne dieses Engagement wären viele Angebote nicht aufrechtzuerhalten“, bedankt sich Mairhofer bei allen, die sich in irgendeiner Weise für und mit der Caritas einbringen. Dazu gehöre auch die Großzügigkeit der Südtiroler Bevölkerung: Über 16.100 Spenden mit einer Gesamtspendensumme von über 2 Millionen Euro, davon 1,23 Millionen Euro für Projekte außerhalb von Südtirol und rund 885.000 Euro Spenden für Dienste in Südtirol.
Gebrauchtkleidersammlung: Ende einer langjährigen Tradition
Mit großem Bedauern habe die Caritas im vergangenen Jahr nach über 50 Jahren die Gebrauchtkleidersammlung aufgrund tiefgreifender Veränderungen im Textilrecycling und neuer europäischer Vorgaben einstellen müssen. „Eine Entscheidung, die uns schwer gefallen ist, war die Gebrauchtkleidersammlung bis dahin fast sowas wie ein Identifikationsmerkmal der Caritas und eine der größten Freiwilligenaktionen im Land“, bedauert Mairhofer.
Botschaft an die öffentliche Hand
Die Hilfe der Caritas aber gehe unbeirrt weiter: „Wirksam, professionell und verantwortungsbewusst. Aber soziale Sicherheit darf nicht dauerhaft ausgelagert werden“, äußert sich Mairhofer kritisch. „In gewissen Bereichen übernimmt die Caritas Aufgaben mit klarem öffentlichem Auftrag, ohne dafür immer ausreichend und verlässlich finanziert zu sein.“ Hier brauche es dringend Angleichungen vonseiten der öffentlichen Hand. Die Caritas setzt auch künftig auf enge Zusammenarbeit mit Land, Gemeinden und Partnerorganisationen, mit dem klaren Ziel, soziale Verantwortung gemeinsam zu tragen und tragfähige Antworten auf wachsende gesellschaftliche Herausforderungen zu entwickeln.
Bericht online verfügbar
Die Sozialbilanz der Caritas für das Jahr 2025 ist auf der Homepage der Caritas unter www.caritas.bz.it unter „Aktuelles/Publikationen“ für alle einsehbar. „Hilfe wirkt dort am stärksten, wo sie früh ansetzt. Aber Prävention braucht verlässliche Finanzierung und darf nicht zur Daueraufgabe der Zivilgesellschaft werden“, warnt Caritas‑Direktorin Beatrix Mairhofer.




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