Eine 67-jährige Frau wurde von Kühen attackiert und getötet

Tödliche Kuhattacke in Osttirol: Ehemann noch nicht befragt

Dienstag, 19. Mai 2026 | 14:43 Uhr

Von: apa

Nach der tödlichen Attacke auf eine 67-jährige Fußgängerin durch eine Kuhherde am Sonntag in einem Weidegebiet in Oberlienz in Osttirol hat deren schwer verletzter 65-jähriger Ehemann weiter noch nicht befragt werden können. Dies sei bisher wegen des Gesundheitszustands des Mannes nicht möglich gewesen, sagte der Lienzer Bezirkspolizeikommandant Michael Jaufer am Dienstag der APA. Indes wurde die betroffene Herde offenbar vorerst auf eine eingezäunte Weide verlegt.

Kurz vor der tödlichen Attacke auf die Osttirolerin waren noch drei weitere Personen – darunter ein Tierarzt und seine Frau – von der Herde angegriffen worden. Laut Angaben des Tierarztes könnte die Herde, der auch Kälber angehörten, durch eine Spaziergängerin mit Hund aufgeschreckt worden sein. Die Polizei ersuchte insbesondere die Frau, die sich Zeugenangaben zufolge rund 15 Minuten vor der tödlichen Attacke mit einem größeren Hund am gleichen Ort aufgehalten hatte, sich zu melden. In unmittelbarem Zusammenhang mit dem Vorfall stehe die Frau jedoch nicht, hieß es. Nach einem Zeugenaufruf am Montag gab es unterdessen noch keine Rückmeldungen und somit keine direkten Zeugen.

Das Weidegebiet war mit Schildern bzw. Warnhinweisen versehen, eine Einzäunung gab es dort nicht. Es befand sich eine mittlere, zweistellige Anzahl an Kühen in dem Bereich. Mehrere Bauern hatten sich dabei zusammengeschlossen. Den Weg benutzen regelmäßig Spaziergeher und Wanderer.

Herde vorerst verlegt

Die Verlegung der Herde auf die eingezäunte Weide hätten die Bauern unterdessen gemeinsam mit dem Bürgermeister von Oberlienz entschieden, berichtete die “Tiroler Tageszeitung” online. Die Verlegung erfolgte freiwillig, ohne Auftrag der Behörden. Grund für den Schritt seien offenbar auch die Sorgen vor dem anstehenden Pfingstwochenende, wenn Hunderte Touristen und Einheimische wieder auf der beliebten Route unterwegs sein werden.

Die Angriffslust der Kühe sei völlig untypisch, erklärte Bürgermeister Markus Stotter (ÖVP). “An diesem Tag sind auch aufgescheuchte Rehe beobachtet worden. Vielleicht ist ein Wolf unterwegs. Das hält eine Kuhherde tagelang in Alarmbereitschaft und könnte das Verhalten erklären”, meinte der Ortschef.

Ehemann schwer verletzt in Klinik

Die einheimische 67-Jährige war nach der Attacke um 12.30 Uhr am Sonntag noch an Ort und Stelle ihren schweren Verletzungen erlegen. Ihr Ehemann wurde schwer verletzt in die Innsbrucker Klinik eingeliefert und dort zunächst auf der Intensivstation betreut. Am Montag wurde er auf die Beobachtungsstation verlegt und befand sich außer Lebensgefahr. Der genaue Hergang des Vorfalls war unklar. Zeugen, die die Kuhattacke beobachtet hatten, gab es aktuellen Erkenntnissen zufolge nicht. Das Ehepaar hatte keinen Hund dabei.

Tiroler Landwirtschaftskammer erinnerte an Verhaltensweisen, plädierte für noch engere Zusammenarbeit mit Seilbahnen und Tourismus

Die Tiroler Landwirtschaftskammer nahm den Unglücksfall am Dienstag zum Anlass, eine Pressekonferenz abzuhalten. Der Vorfall sei “sehr tragisch”, angesichts von rund 180.000 Tieren auf den Tiroler Almen passiere jedoch “relativ wenig”, gab der Präsident der Tiroler Landwirtschaftskammer, Nationalratsabgeordneter Josef Hechenberger (ÖVP), zu bedenken. Gerade dieses “wenig” führe allerdings auch dazu, dass “das Verständnis für die Problematik” schwinde, so Hechenberger. Es gelte deshalb, “die Informationen rund um das richtige Verhalten im Umgang mit Weidevieh wieder hochzufahren” und diese Informationen auf möglichst vielen und auch neuen Kanälen zu spielen und zu streuen.

Hechenberger sah etwa zusätzliches Potenzial in einer verstärkten Zusammenarbeit mit Tourismusverbänden und Seilbahnen. “Ähnlich wie die Pistenregeln im Winter könnte man im Sommer die Verhaltensregeln im Umgang mit Weidevieh platzieren”, schlug der Kammerchef vor. Diesbezüglich sei man schon “im Gespräch”. Zudem wäre es denkbar, dass entsprechende Informationsvideos in Hotel-Lobbys abgespielt würden oder man Gäste über Verhaltensregeln in der “Morgenpost” informiere.

Darüber hinaus wurde an die bestehenden Verhaltensregeln im Umgang mit Weidevieh erinnert. Zentral sei dabei “der Respekt vor den Tieren”, sagte der ebenfalls bei der Pressekonferenz anwesende Landesveterinärdirektor Matthias Vill. Das bedeute beispielsweise, stets einen “Respektabstand von zehn Metern oder mehr” zu halten und sich vor dem Betreten von Weidegebieten in Erinnerung zu rufen, “was gegebenenfalls passieren kann.” Noch mehr über Gefahren nachdenken sollte man, “wenn ein angeleinter oder frei laufender Hund mit dabei ist.” Darüber hinaus müsse man auf das Verhalten einer Herde achten, sobald man sich ihr nähere. “Es gilt zu beobachten, wenn die Herde oder ein Rind auf die Situation aufmerksam wird”, so Vill.

Empfehlungen des Alpenvereins

Am Montag hatte bereits der österreichische Alpenverein (ÖAV) auf Empfehlungen hingewiesen, die vom Landwirtschaftsministerium, der Landwirtschaftskammer, der Wirtschaftskammer und dem Alpenverein erarbeitet worden waren. Demnach sollte etwa der Kontakt mit den Tieren – insbesondere wenn Hunde und Mutterkühe im Spiel sind – vermieden und stets Ruhe bewahrt werden. Hunde sollten immer an der kurzen Leine geführt und im Fall eines Angriffs sofort abgeleint werden. Bei Anzeichen einer unruhigen Herde sollte die Weidefläche zügig verlassen werden.

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