Von: ka
Bozen – Das Jahr 2026 begann mit einem Husarenstück. Es war gerade einmal vier Tage alt, als US-Elitesoldaten den langjährigen Diktator Venezuelas, Nicolás Maduro, und seine Frau festnahmen und außer Landes brachten.

Kaum jemand weint Maduro eine Träne nach – am wenigsten die acht Millionen Venezolaner, die aus dem früher reichsten Land Südamerikas geflüchtet sind. Dennoch löst Trumps schnelle „Lösung des Venezuela-Problems” tiefe Besorgnis aus. Seine Dreistigkeit, in einen souveränen Staat einzufallen, den örtlichen Machthaber zu entführen und eine den eigenen Interessen genehme Nachfolgerin zu installieren, lässt selbst hartgesottene Politikbeobachter erschaudern.

Unverblümt verkündet der US-Präsident, dass die USA Venezuela auf unbestimmte Zeit „verwalten” und dessen enorme Ölreserven ausbeuten werden. Der schnelle Erfolg in Venezuela könnte Trumps „Appetit” beflügeln, denn kaum ist die Angelegenheit Maduro abgehakt, nimmt Trump, der nur in den Kategorien geostrategische Interessen und „Deals” denkt, Grönland ins Visier. Auf die zu Dänemark gehörende Insel, wo wertvolle Mineralien und der Zugang zur rohstoffreichen Arktis winken, hat Trump längst ein Auge geworfen.

Dass der Streit mit Dänemark eskaliert, kümmert den Meister der Nadelstiche nicht, denn Trump wähnt sich mit seinem „Bruder im Geiste”, Putin, und Chinas Machthaber, Xi Jinping, längst im Wettlauf um Interessensphären und Rohstoffe – das Völkerrecht ist dabei nur im Weg.
Für Russland und China ist Maduros unrühmliches Ende ein harter Schlag, denn die USA haben klargestellt, dass sie in ihrem „Vorgarten” kein US-feindliches Regime dulden und die Rohstoffe ihnen „gehören”. Die beiden „Verbündeten” Putin und Xi werden versuchen, es ihm gleichzutun und ihre Macht jeweils auf die Ukraine und Taiwan auszudehnen.

Europa hat bis zur Selbstverleugnung auf Donald Trump gesetzt, gerät wegen seiner politischen und militärischen Bedeutungslosigkeit jedoch immer mehr ins Hintertreffen. Es muss schmerzlich erfahren, dass selbst Gebiete von NATO-Mitgliedern nicht davor gefeit sind, auf Trumps Teller zu landen.

Im Jahr 2026 sind wir längst im „Niemandsland des Faustrechts” angelangt. Im Ringen um Interessensphären und Rohstoffe sind souveräne Staaten nichts anderes mehr als Filetstücke, die sich der Schnellste, Schlaueste und Dreisteste in den Mund schiebt. Guten Appetit!




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