Auch in Südtirol entscheiden sich Patienten dafür

Keine Sterbehilfe, dafür palliative Sedierung

Montag, 08. Januar 2018 | 10:50 Uhr

Bozen – Aktive und passive Sterbehilfe sind in Italien nach wie vor verboten. In einem Videotestament kurz vor ihrem Tod am 5. Jänner 2018 hat die italienische High Society-Lady Marina Ripa di Meana einen anderen Weg aufgezeigt, und zwar jenen der palliativen Sedierung. Auch in Südtirol gibt es Patienten im Endstadion, die diese Option wünschen. Dies erklärt Massimo Bernardo, der Verantwortliche für Palliativbehandlung am Bozner Krankenhaus.

Spätestens seit dem Fall von Eluana Jolanda Giulia Englaro hat sich in Italien zum Thema Sterbehilfe eine öffentliche Debatte entflammt. Während aktive und passive Sterbehilfe in Italien allerdings verboten bleiben, ist die palliative Sedierung erlaubt.

Wenn Patienten am Ende ihres Lebens nur noch von Schmerzen geplagt sind, würden sich einige dafür entscheiden, bis zur Ankunft des Todes in einen Schlafzustand versetzt zu werden. Während bei der Sterbehilfe lebenserhaltende Maßnahmen eingestellt werden oder dem Patienten auf eigenem Wunsch mittels eines Medikaments das Leben genommen wird, handelt es sich bei der palliativen Sedierung um eine therapeutische Maßnahme, um einen erkrankten Menschen von seinem Leiden zu befreien.

Das Videotestament von Marina Ripa di Meana wurde kurz nach ihrem Tod im Internet und im Fernsehen verbreitet. Nach Weihnachten habe sich ihr Gesundheitszustand drastisch verschlechtert. Das Atmen, das Sprechen, das Aufstehen, das Essen – alles falle ihr schwer. Der Tumor habe mittlerweile von ihrem Körper Besitz ergriffen. Trotzdem sei sie klar bei Verstand, erklärte sie in der Botschaft.

Dass nicht nur über den klinischen Zustand, sondern auch über die geistige Verfassung eines Patienten eindeutige Klarheit herrscht, ist aus ethischer und psychologischer Sicht sowie für die Betreuung entscheidend. Bereits im Jahr 2015 hat die italienische Gesellschaft für Palliativbehandlung zum Thema Stellung genommen, um die Bedeutung der palliativen Sedierung zu klären und darüber zu informieren.

Einfach ausgedrückt, wird der Patient mit Medikamenten sediert, sodass er die Schmerzen nicht mehr spürt. Der Bereich ist streng geregelt, klinische Vorgaben und ethische Prinzipien müssen genau eingehalten werden. Wichtig ist dabei das Gespräch mit den Patienten und den Familienangehörigen. Ein Spezialist muss die Symptome, die ein Patient als unerträglich einschätzt, präzise abwägen.

Nicht immer ist es nötig, diese Methode auch anzuwenden. Trotzdem ist es für manche Patienten beruhigend zu wissen, dass es diese Möglichkeit überhaupt gibt, und sie nimmt ihnen die Angst vor einem qualvollen Tod voller Schmerzen.

Marina Ripa di Meana starb im Alter von 77 Jahren. Sie wuchs in einer bürgerlichen Familie in Rom auf und gehörte mit Beginn ihrer Arbeit als Modedesignerin an der Piazza di Spagna zu den bekannten Personen des römischen mondänen Lebens ab den 1960-er Jahren. 1964 heiratete sie den adeligen Alessandro Lante della Rovere, mit dem sie eine Tochter bekam, die spätere Schauspielerin Lucrezia. Nach einem vielbeachteten Leben in Künstlerkreisen und einer außerehelichen Affäre mit dem Maler Franco Angeli ließ sie sich scheiden. Anschließend wurden einige Liebschaften öffentlich, bis sie 1982 Carlo Ripa di Meana ehelichte. Zu den Trauzeugen gehörten Alberto Moravia und Bettino Craxi.

Ende der 1970-er Jahre hatte Ripa di Meana mit kleineren Fernsehauftritten begonnen; verschiedene Tätigkeiten für Filme und Bildschirm folgten – als Darstellerin, als Drehbuchautorin für die Verfilmung ihrer Autobiografie „I miei primi 40 anni“ und als Regisseurin des Thrillers Cattive ragazze 1992, in dem Eva Grimaldi die Hauptrolle übernahm.

Nach ihrer Autobiografie veröffentlichte Ripa di Meana bis 2010 elf weitere Bücher.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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18 Kommentare auf "Keine Sterbehilfe, dafür palliative Sedierung"


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forzafcs
forzafcs
Tratscher
9 Tage 6 h

Jeder soll selbr entscheiden kennen wenn er Sterben will, leider ist das der Pharmaindustrie ein Dorn im Auge denn deso länger das der Patient lebt deso mehr Medikamente und deso mehr verdient isch. So traurig isch die Welt. 

denkbar
denkbar
Kinig
8 Tage 11 h
In der Diskussion wird viel zu wenig zwischen passiver und aktiver Sterbehilfe unterschieden. Ich bin für passive Sterbehilfe, d.h. im Endstadium Verzicht auf intensivmedizinische Maßnahmen zur Erhaltung des Lebens. Weiters sollte, statt zu sedieren, Patienten die Schmerzen genommen werden ohne zu sedieren, und diese Möglichkeiten gibt es, sollten natürlich nur im Endstadium angewendet werden. Bei aktiver Sterbehilfe habe ich bedenken, dass das ausufern könnte und zu Dingen führen könnte die keiner mag. Mir gefällt der Titel des Artikels (Keine Sterbehilfe, dafür palliative Sedierung) gar nicht, weil er vermuten lässt, sedieren sei die einzige Alternative. Bei so heiklen ethischen Themen sollte… Weiterlesen »
Sag mal
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Universalgelehrter
9 Tage 2 h

wäre für Sterbehilfe.Bin gegen lebensverlängernde Methoden Die nur das Leid verlängern.

Tabernakel
9 Tage 45 Min

Woher weißt Du ob derjenige leidet?

roadrunner
roadrunner
Grünschnabel
8 Tage 23 h

@Tabernakel wer leidet?

bilbo
bilbo
Neuling
8 Tage 22 h

sterbehilfe und das leben verlängernde methoden sind aber schon ein unterschied. bei sterbehilfe wäre ich sehr, sehr vorsichtig. wir wissen viel zu wenig über den prozess des sterbens und noch weniger über den gang der seele,wenn man sich heute noch so ausdrücken darf, danach. der artikel redet über palliatives sedieren. ich hab noch nie davon gehört. ich weiß nur, dass man mittlerweile sehr gut darin ist schmerzen zu lindern und das finde ich gut. ob ich ganz sediert werden möchte? lieber würd ich verstehen, was sterben in der menschlichen entwicklung zu bedeuten hat.

natan
natan
Tratscher
8 Tage 13 h

@Tabernakel woher weißt Du, dass er nicht leidet?

Sag mal
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Universalgelehrter
8 Tage 12 h

@Tabernakel Sie haben wohl noch kein Leid gesehn.Ihre Fragen übertreffen Sich in nichtwissen und D…….Bitte.Wenn Sieweiter “leben” in jeden Fall wollen.Nur zu.

Sag mal
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Universalgelehrter
8 Tage 12 h

@bilbo manche müssen im Angesichts des Todes Schmerzen erleiden die nicht mal mehr mit den stärksten Schmerzm.zu lindern Sind.Den Menschen dann “betäuben”..was soll das bringen?Wieder nur verdient der Apotheker.Traurig dass Einem nicht mal der Tod vergönnt Wird.

Missx
Missx
Universalgelehrter
8 Tage 12 h

@Tabernakel
Wenn nur du nie in eine Situation wie die hier besprochene kommst…

rosenstock2017
rosenstock2017
Grünschnabel
9 Tage 49 Min

Die SEELE muss auf dieser Welt noch gereinigt werden,damit man viel weniger Fegfeuer bekommt.

natan
natan
Tratscher
8 Tage 13 h

was für ein fegefeuer? wo brennt das und wer hat das jehmals gesehen? Gäbe es das fegefeuer wirklich wäre es praktisch für ein fernheizwerk…..

rosenstock2017
rosenstock2017
Grünschnabel
8 Tage 12 h

@natan
Du bist aber schon um 2000 Jahre hinten

Sag mal
Sag mal
Universalgelehrter
8 Tage 12 h

na in Gotts namen.Es ist also eine Glaubensfrage.

rosenstock2017
rosenstock2017
Grünschnabel
8 Tage 12 h

@natan
Schlage mal nach.Lexikon oder Bibel.Dann wirst du es so langsam hoffentlich begreifen.

Oltvatrische
Oltvatrische
Tratscher
8 Tage 22 h

ba do nohrungsaufnohm soll af künstlicha ernährung vozichtit werdn. wenn a mensch kuana lust mehr hot dorf net mit a maschine nohrung zuigführt werdn. schmerzmittl wie morphium solln is leidn in grenzn holtn.

thomas
thomas
Universalgelehrter
8 Tage 12 h

inakzeptabel diese Form der sogenannten Sedierung. Das ist aktive Sterbehilfe tout court! Viel schlimmer als die Schweiz, wo der Patient sich die Medikamente selbst verabreichen muss, imstande sein muss, sich die Medikamente eigenständig zuzuführen.

So ist das
So ist das
Superredner
8 Tage 11 h

Wenn man ein Recht auf Leben hat, sollte man auch das Recht auf Sterben erhalten.

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