Forschende analysierten Bildaufnahmen aus 25 Jahren

Körperideal der Modewelt hat sich kaum verändert

Donnerstag, 11. Juni 2026 | 05:05 Uhr

Von: apa

Auch wenn man heute unter den die Magazin-Cover zierenden oder die Catwalks der großen Labels beschreitenden weiblichen Models mehr unterschiedliche Typen oder Herkünfte findet, sind das nur “Ausreißer”. Im Kern hat sich das Körperideal in den vergangenen 25 Jahren nicht sehr geändert. Zu diesem Schluss kommen Forschende unter österreichischer Beteiligung im Rahmen einer umfassenden, im Journal “PNAS” jüngst präsentierten Bild- und Datenanalyse.

Die “kulturelle Evolution der Schönheitsstandards”, so der Titel der Studie (“Cultural evolution of beauty standards”), scheint wenig dynamisch zu sein – oder, im Umkehrschluss, resistent gegenüber kultureller Durchmischung. Der dänische Forscher Louis Boucherie und sein Team, dem auch Katharina Ledebur vom Complexity Science Hub (CSH) Wien und Doktoratsstudentin Karolina Sliwa von der WU Wien angehörten, werteten 793.199 Aufnahmen aus den Jahren 2000 bis 2024 aus. Es handelt sich um Bilder von Modeschauen, aus der Werbung, von Titelseiten verschiedener Magazine sowie redaktionellen Beiträgen aus allen Teilen der Welt.

“Keine strukturelle Veränderung”

Die Untersuchung, die auch durch Künstliche Intelligenz (KI) unterstützte Bildanalyse sowie Gesundheitsdaten aus Umfragen umfasste, zeigte: Die Vielfalt von Typen, also vor allem auch Körpermaße und -formen, habe sich bei weiblichen Models tatsächlich seit 2000 vergrößert, aber das Ideal, nämlich “weiß” und im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung eher dünn, hält sich konstant. Dabei liegen auch Ansprüche an Größe, Hüft- und Taillenumfang etc. quer über die verschiedenen Repräsentationsbereiche der Modewelt – vom Laufsteg bis hin zu den Medien – auf einer Linie.

“Natürlich gibt es seit geraumer Zeit eine starke Bewegung, die eine größere Vielfalt an Körpergrößen fordert”, sagte Ledebur zur APA. Viele Marken hätten daraufhin auch vielfältigere Models engagiert. Doch die Daten zeichnen ein anderes Bild: Die Vielfalt der Körpertypen habe zugenommen, aber das durchschnittliche Ideal habe sich nicht geändert. Bei der Zunahme vielfältigerer Körpertypen handle es sich um “Ausreißer”: “Es ist also eine symbolische Veränderung, aber keine strukturelle.”

Klafft Lücke zwischen Modewelt und Alltag

Das, was von der Modewelt als schön suggeriert wird, und das, was es potenziell mit der individuellen Selbstwahrnehmung tut – bis hin zu gesundheitlichen Folgen, hat in der Vergangenheit immer wieder für Debatten gesorgt. Initiativen zu “Body Positivity” setzen hier Kontrapunkte. Aber es tut sich nach wie vor eine große Lücke auf zwischen jenen Idealen, die von der Modewelt transportiert werden, und der Realität. Vor allem auch in den USA, wie eine weitere Analyse im Rahmen der Studie zeigte und wo stärkere bis übergewichtige Körpermaße bekanntermaßen eine zentrale gesundheitspolitische Herausforderung sind. Die Forschenden setzten die Ergebnisse zu US-Models in Bezug zu Gesundheitsdaten der US-Bevölkerung: Selbst Plus-Size-Models liegen dabei im Schnitt “noch knapp unter den Körpermaßen der durchschnittlichen US-Amerikanerin”, so die CSH-Forscherin.

Auch in puncto Ethnizität sind die Ergebnisse für die Forschenden eher ernüchternd: Der Anteil nicht-weißer Models sei zwar von rund 13 Prozent im Jahr 2011 auf über 40 Prozent in den letzten Jahren gestiegen. Doch so sind es häufig vor allem Plus-Size-Models, die wiederum “nicht-weiß” sind. Nicht-weiße Models haben eine 4,5-mal höhere Wahrscheinlichkeit, auch die Plus-Size-Kategorie zu repräsentieren, heißt es in der Studie. Abweichende Körperformen wie auch Ethnizität prägen also oft gleichzeitig einzelne Personen – und sind damit nicht unabhängig voneinander weit verbreitet.

Bei Männern Datenlage eher dünn

Bei der Regulierung beobachteten die Forscher, dass die etwa bei der Fashion Week in Mailand im Jahr 2006 eingeführte Mindestgrenze beim Body-Mass-Index, also beim Gewicht im Verhältnis zur Größe (ein BMI von 18,5) mit einem messbaren Rückgang extrem dünner Models einherging, während ein weniger strenges, “nur” auf einem ärztlichen Attest basierendes System in Frankreich seit dem Jahr 2017 nicht mit einem Rückgang assoziiert war. Allerdings, so schränken die Autoren ein, sei hier nicht automatisch ein kausaler Zusammenhang gegeben.

Die Datenlage zu männlichen Models wurde ebenfalls gesichtet, doch diese fiel vergleichbar dünn aus. Und sie zeigte einen (noch) geringer ausgeprägten Trend zur Vielfalt: “Männliche Models sind im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung nach wie vor deutlich schlanker und muskulöser, und es ist keine nennenswerte Erweiterung der dargestellten Körpertypen zu erkennen”, heißt es in der Studie.

Über die Gründe, die zu dem doch eher konstanten Körperideal in der Modebranche führen, könne die Studie keine Auskunft geben, so Ledebur. Aber hier spielten sicherlich auch verschiedenste Faktoren eine Rolle.

(S E R V I C E – https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2602380123 )

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