Caritas-Direktor: „Bin keine Marionette“

Kritik an autoritärem Führungsstil – anonymer Brief

Freitag, 16. Oktober 2020 | 11:54 Uhr

Bozen – Innerhalb der Caritas scheint es zu brodeln: In einem anonymen Brief an verschiedene Medien wird Caritas-Direktor Paolo Valente ein autoritärer Führungsstil vorgeworfen. Dieser ist hingegen überzeugt, man will an seinem Stuhl sägen – und er hat Anzeige erstattet. Außerdem betont Valente, er genieße nach wie vor das Vertrauen von Bischof Ivo Muser. Doch der Bischof erklärt, dass er die Kritik ernst nehme, wie die Tageszeitung Alto Adige berichtet.

Dem Zeitungsbericht zufolge scheint die Stimmung innerhalb der Caritas bereits seit eineinhalb Jahren angespannt zu sein. Bislang war dies allerdings nur intern, in der Diözese und innerhalb der Gewerkschaften bekannt.

Laut Anschuldigungen hätten mehrere Mitarbeiter gekündigt. Wer mit Valentes Entscheidungen nicht einverstanden sei, werde benachteiligt, so der Tenor im Schreiben. Bei einer Gewerkschaftsversammlung mit rund 90 Teilnehmern bei insgesamt 320 Caritas-Mitarbeitern sei das Unbehagen deutlich geworden. Dass Unmut von mehreren geäußert wurde, wird von Gewerkschaftsvertretern bestätigt.

In der E-Mail wird auch die Kurie kritisiert. Diese sei passiv geblieben, obwohl sich mehrere Mitarbeiter an sie gewandt hätten. Ein weiterer Vorwurf betrifft die Anstellung eines Sohnes von Valente. Der Sohn ist derzeit für die Corona-Hotline zuständig.

Valente ist allerdings überzeugt, dass sich das Unbehagen in Grenzen hält. „Wenn die Situation wirklich ernst wäre, wären die Gewerkschaften wegen Rechtstreitigkeiten und Klagen ständig im Haus“, erklärt Valente laut Alto Adige. Die Situation habe vor ein paar Monaten ihren Anfang genommen. Ein Beweis dafür, dass er nach wie vor Zuspruch genießt, sieht Valente unter anderem darin, dass ihn Bischof Muser als Präsident der Caritas-Stiftung im vergangenen Monat bestätigt hat. Das ist sein zweiter Posten.

„Wir erhalten bereits seit Monaten solche anonyme E-Mails, die auch an Redaktionen verschickt werden“, erklärt Valente. Anzeige habe er deshalb bereits im Mai erstattet. Es sei ihm auch bekannt, dass sich mehrere Personen an die Diözese gewandt haben. Für Valente steht fest: „Diesen Personen bin ich ein Dorn im Auge, weil ich keine Marionette bin, die man kontrollieren kann.“ Bereits von Anfang an habe es Versuche gegeben, seine Nominierung zu verhindern.

Valente ist im Jahr 2014 zum Direktor der italienischen Caritas in Südtirol ernannt worden. Im Zuge der Fusion mit der deutschen Caritas im Jahr 2017 wurde er zum alleinigen Direktor. „Die Caritas erlebt seit zehn Jahren eine tiefe Phase der Neuorganisation. Durch die Fusion werden verschiedene Sektoren neu zusammengesetzt“, erklärt der Direktor. Natürlich komme es auch da und dort zu Unbehagen.

Die Caritas gebe über 300 Menschen Arbeit, die Bilanz mache 22 Millionen Euro aus. „Ich bestehe auf einer strengen Führung des Fonds. Was in die Bilanz der Caritas fällt, dient nur Aktivitäten der Caritas“, erklärt Valente. Er sei zwar entschlossen, Dinge voranzutreiben, doch er sei durchaus teamfähig. Die Anstellung seines Sohnes streitet Valente nicht ab, allerdings sei der Vertrag zeitlich befristet.

Von: mk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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18 Kommentare auf "Kritik an autoritärem Führungsstil – anonymer Brief"


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Neumi
Neumi
Kinig
11 Tage 2 Min

Meine bessere Hälfte hat eine Weile für die Caritas in der Gegend von Düsseldorf gearbeitet und die soll ein ziemlicher Sauhaufen sein, Mitarbiter würden dort schickaniert.

Hierzulande dürfte das Problem anders liegen und auf die Tiroler Art zurückzuführen sein. Jeder meint, alles besser zu wissen und ganz genau zu wissen, welcher Weg der richtige ist, denn alle anderen – vor allem die Zuständigen – sind ja bekanntlich Vollidioten.

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Superredner
10 Tage 23 h
jochgeier
jochgeier
Tratscher
10 Tage 23 h

ja klar in deutschland ists ein sauhaufen und bei uns haben die mitarbeiter schuld.
wenn sich gar einige über das gleiche beschweren kann doch sein dass etwas dran ist oder?
deine vorurteile gegenüber dem tiroler beschreiben die meinung vieler vom bundesdeutschen.
tief durchatmen dann denken dann schreiben.

Spiegel
Spiegel
Superredner
10 Tage 19 h

Das besserwissen ist Deutsche Art.

Neumi
Neumi
Kinig
10 Tage 19 h

@ Jochgeier Versuch das mit dem Atmen mal lieber selbst.
Ich kenn meine lieben Mitbürger halt. Vor allem in Vereinen war man hier jahrzehntelang laxe Handhabung gewohnt. Das geht nicht ewig und bei jeder Änderung in der Organisation wird gewettert, was das Zeug hält. Anonyme Droh-Mails und ähnliches? Das passt eigentlich ganz gut und ist auch noch harmlos. Ich weiß noch, wie einige was dagegen hatte, dasss der lokale Dekan sich Kaninchen (oder Hasen?) im Garten hielt. Eines Nachts wurden sie alle getötet. Meine “Vor”-Urteile sind Erfahrungswerte.

Neumi
Neumi
Kinig
10 Tage 19 h

… und zu den schikanierten Angestellten kamen noch nicht bezahlte Gehälter dazu. Von dem hat man in diesem Fall nichts gehört.

jochgeier
jochgeier
Tratscher
10 Tage 17 h

@Neumi der lokale dekan? wo lebst du denn?
atmen klappt vielleicht, mit dem denken scheints noch übung zu brauchen.
bin seit einem halben jahrhundert in verschiedenen vereinen aktiv, jung und alt harmonieren meist gut, unterstellungen um halt was zu kontern, weiter nichts sind deine beaubtungen.
wirst halt zu laut in fremde gärten schreien wenn das echo dementsprechend ist.

Neumi
Neumi
Kinig
10 Tage 3 h

@ Jochgeier nicht mehr dort.

jochgeier
jochgeier
Tratscher
9 Tage 51 Min

@Neumi wenn du also hier lebst, hast du dich super angepasst und dein Urteil vom tiroler spiegelt sich in deinem schreiben, urteilst also genau über dich.

Neumi
Neumi
Kinig
7 Tage 21 h

@ Jochgeier Du scheinst einer Fehlannahme zu unterliegen, wo ich herkomme. Zwischen meinem damaligen Wohnort und jetzt liegen nicht mal 20km. Sobald ich “den Tiroler” benenne und ein Urteil über ihn fälle, nehme ich mich natürlich nicht davon aus.

marher
marher
Universalgelehrter
10 Tage 23 h

Es wird wohl mehrere Gründe geben um den amtierenden Präsident abzuwählen. Dies wird sicherlich keine Schickane sein da liegt mehr in der Luft, oder täusche ich mich?

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Superredner
10 Tage 21 h

Tippe auch auf größere Konflikte im Hintergrund. Zwei Organisationen mit unterschiedlicher Arbeits-/Kultur zu verschmelzen erzeugt Kämpfe. Dann noch das Entlassungszauberwort “Synergien”.
Das gibt Feuer unterm Kessel.

tobias.peter
tobias.peter
Grünschnabel
10 Tage 23 h

“Caritas” bedeutet Nächstenliebe.
Wer bei der Caritas arbeitet, sollte diese Nächstenliebe auch leben.
Wer bei der Caritas der Chef ist, sollte das am besten können.

Sag mal
Sag mal
Kinig
10 Tage 15 h

tobias Peter guoter Witz😂😅

Storch24
Storch24
Universalgelehrter
10 Tage 23 h

Ich denke er macht es sehr gut, auf jedenfalls viel besser als …….
er soll sich nicht hänseln lassen, natürlich ging es einigen vorher, vor seiner Zeit besser. Warum wohl.

Wohlzeit
Wohlzeit
Tratscher
10 Tage 19 h

Anonyme Anschuldigungen, die über Medien kommuniziert werden sind schlichtweg feige, selbst wenn sie berechtigt wären und tragen nicht zu einer Lösung bei.

astrapik
astrapik
Neuling
10 Tage 16 h

Gleich mit vollem Namen, bei Mißständen gegen einen Vorgesetzten vorzugehen ist sehr gut zu überlegen. Der sogenannte Abdrünige wird sofort eliminiert (Enthebung der Zuständigkeiten, absichtliche Verschlächterung der Arbeitsbedingungen, notwendige Arbeitsutensilien werden nicht zur Verfügung gestellt, Urlaubsanfragen werden unbegründet abgelehnt usw.) Die anderen Mitarbeiter werden ganz still und im Betrieb läuft alles wieder bestens😕

giftzwerg
giftzwerg
Universalgelehrter
10 Tage 22 h

do konns dor passieren ,dass an unfroge übers  betriebsklima onsteaht und du  lei mit an smile obhockn vor den restlichen personal mochn konnsch ,also net anonym.

s klima bessert sich net a wenn die bewertung guat isch.
 net jeder getraut sich vor ondra leit  eine ehrlich meinung  zi bringen

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