Ein Social-Media-Verbot für Jugendliche endlich einführen – ein Kommentar

„Längst überfällig“

Donnerstag, 02. April 2026 | 01:56 Uhr

Von: ka

Bozen – Nicht nur in Italien, sondern in ganz Europa warnen Experten schon lange vor den Gefahren, die von den sozialen Netzwerken für Kinder und Jugendliche ausgehen.

Kinder, die nicht selten bereits im Alter von elf oder zwölf Jahren ein Smartphone geschenkt bekommen, sind nicht nur perfiden Werbebotschaften ausgesetzt, mit denen die sozialen Netzwerke einen großen Teil ihrer Einnahmen erwirtschaften. Durch „suchtmachende“ Algorithmen werden sie zudem ständig mit ihren Vorlieben und den Neuigkeiten ihrer liebsten Freunde „versorgt“ und dazu verleitet, täglich stundenlang auf den kleinen Bildschirm zu starren.

APA/APA/dpa/Annette Riedl

Noch gefährlicher ist es, dass politische und religiöse Extremisten die sozialen Netzwerke als Tummelplatz nutzen, um ihre widerlichen Ansichten zu verbreiten und neue „Jünger“ anzuwerben. Dabei können die Kinder und Jugendlichen in Gruppen geraten, aus denen sie nicht mehr leicht herauskommen und in denen sie Gefahr laufen, zu extremistischen und gewalttätigen Handlungen angestiftet zu werden.

ANSA/MICHELE MARAVIGLIA

Trotz vieler bedenklicher Vorfälle dümpelte die Debatte jahrelang vor sich hin. Gegner jeglicher Einschränkungen hatten ein Leichtes, an die „Freiheit, das Verantwortungsbewusstsein und die Eigenständigkeit der Jugendlichen” zu appellieren. Dabei wurde jedoch verkannt, dass Suchtverhalten – sich stundenlang in der virtuellen Welt zu bewegen, ist ein klares Zeichen dafür – blind für jegliche Gefahren macht.

Polizia di Stato

Erst nach dem schrecklichen Messerangriff eines 13-jährigen Mittelschülers auf seine Lehrerin, den diese nur knapp überlebte, und der Festnahme eines 17-Jährigen, der einen Amoklauf an seiner Schule plante, kam es in Italien zu einem Umdenken.

Der Stiefelstaat will sich nun ein Beispiel an Österreich nehmen und ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 14 Jahren einführen.

ANSA/US CARABINIERI

Zudem ist ein Verbot der Smartphone-Nutzung während des gesamten Schultags – einschließlich der Pausen – geplant. Analog dazu sollen Programme zur digitalen Bildung an allen Schulen den Schülerinnen und Schülern ein besseres Verständnis für die Funktionsweise von Algorithmen vermitteln und ihnen einen bewussten Umgang mit ihrer Online-Zeit ermöglichen.

archiv/APA/APA (dpa)/Peter Steffen

Angesichts der Tatsache, dass Kinder und Jugendliche immer häufiger mit extremistischem und rassistischem Gedankengut sowie perfidesten und gefährlichsten Challenges konfrontiert werden, sind diese Schritte längst überfällig.

Es ist an der Zeit, Kindern und Jugendlichen zu zeigen, dass die reale Welt weitaus mehr zu bieten hat als Social Media mit seinen Abzockereien und gefährlichen Abgründen.

Bezirk: Bozen

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