Vor dem Gewaltverbrechen war Familie noch essen

Mann gab vor Linzer Lokal mindestens fünf Schüsse ab

Freitag, 08. Mai 2026 | 16:15 Uhr

Von: apa

Die Staatsanwaltschaft Linz hat die Ermittlungen nach dem Femizid von Ehefrau und Tochter sowie dem Suizid des Mannes am Donnerstag vor einem Gasthaus in Linz-Urfahr übernommen. Die von ihr in Auftrag gegebene Obduktion hat gezeigt, dass auf die 61-Jährige aus unmittelbarer Nähe zwei Schüsse und auf die 89-Jährige mindestens zwei abgegeben wurden. Dann setzte der 88-Jährige mit einem Schuss seinem Leben ein Ende, so die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Freitagnachmittag.

Der bei den Toten gefundene Abschiedsbrief wurde inzwischen zum Teil ausgewertet. Daraus geht hervor, dass dem mutmaßlichen Täter wohl die neue Lebenssituation der 61-jährigen Tochter, die in Deutschland wohnte, nicht recht war, führte die Sprecherin aus. Der Vater habe anscheinend befürchtet, dass nach seinem und dem Ableben der Ehefrau die bereits auf die Tochter überschriebene Eigentumswohnung in Linz verkauft würde, gab die Sprecherin die Gedankengänge des Mannes aus dem Abschiedsbrief wieder. Aus seiner Sicht dürfte diese Annahme mit ein Grund für die Tötung von Tochter und Frau gewesen sein, so die Rückschlüsse der Ermittler.

Täter und Opfer waren noch gemeinsam essen

Bevor der mutmaßliche Täter am Donnerstag gegen 13.30 Uhr vor dem Wirtshaus seine 89-jährige Frau und die Tochter erschoss und sich das Leben nahm, waren die drei in dem Lokal essen gewesen, so die Ermittlungen. Im Wirtshaus sei es laut Zeugenaussagen zu keinem hörbaren Streit gekommen. Nach dem Verlassen des Lokals wurde das Gewaltverbrechen verübt. Der Mann hatte die Waffe, die er laut Angaben der Polizei illegal besaß, demnach dabeigehabt. Er soll mindestens fünfmal geschossen haben.

Grüne: “Schusswaffengewalt endlich im Gewaltschutz ernst nehmen”

“In weniger als zwei Wochen wurden in Österreich drei Frauen erschossen. Das zeigt einmal mehr, wie tödlich Schusswaffen im privaten Umfeld sind”, sagte Meri Disoski, Frauensprecherin der Grünen. Laut der “Frauenmordstudie” von Birgitt Haller aus 2023 wird jeder vierte Femizid in Österreich mit einer Schusswaffe verübt. “Umso unverständlicher ist es, dass Schusswaffengewalt im Nationalen Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen der Bundesregierung bisher keinerlei Rolle spielt”, kritisierte Disoski. “Wer Frauen wirksam vor Gewalt schützen will, darf die gefährliche Rolle von Schusswaffen nicht ausblenden. Schusswaffen haben in privaten Händen nichts zu suchen.”

(S E R V I C E – Sie sind in einer verzweifelten Lebenssituation und brauchen Hilfe? Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber. Hilfsangebote für Personen mit Suizidgedanken und deren Angehörige bietet das Suizidpräventionsportal des Gesundheitsministeriums. Unter www.suizid-praevention.gv.at finden sich Kontaktdaten von Hilfseinrichtungen in Österreich.

In Österreich finden Frauen, die Gewalt erleben, u. a. Hilfe und Informationen bei der Frauen-Helpline unter: 0800-222-555, www.frauenhelpline.at; beim Verein Autonome Österreichische Frauenhäuser (AÖF) unter www.aoef.at sowie beim Frauenhaus-Notruf unter 057722 und den Österreichischen Gewaltschutzzentren: 0800/700-217; Polizei-Notruf: 133 sowie in Oberösterreich beim Autonomen Frauenzentrum – Frauennotruf OÖ unter 0732/602200)

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