Herkunft von Trockeneis im Fokus

Misslungene Herz-Transplantation: Wird gegen weitere Personen ermittelt?

Donnerstag, 19. Februar 2026 | 14:54 Uhr

Von: mk

Neapel/Bozen – Nach der völlig misslungenen Herz-Transplantation bei einem Kind in Neapel besteht nun doch die Möglichkeit, dass sich die Untersuchung weiter auf Südtirol ausdehnt. Wie die Nachrichtenagentur Ansa schreibt, könnte sich der Kreis jener Personen erweitern, die ins Ermittlungsregister eingetragen werden.

Wie berichtet, ermittelt die Staatsanwaltschaft von Neapel derzeit gegen sechs Personen – gegen drei Ärzte und drei Pflegekräfte. Bei den Betroffenen handelt es sich um Mitglieder jener Teams, die für die Organentnahme in Bozen sowie für die anschließende Transplantation in Neapel verantwortlich waren.

Der zweieinhalb Jahre alte Bub, dessen Schicksal ganz Italien bewegt, wird seit dem 23. Dezember im Krankenhaus Monaldi in Neapel behandelt. Das Kind, das seit seiner Geburt an einem schweren Herzfehler leidet, wird nur noch von einer ECMO-Maschine (Extrakorporale Membranoxygenierung) am Leben gehalten, eine Art künstliche Lunge und Herz.

Am 22. Dezember – nach monatelangem Warten – hatten die Ärzte ein Spenderherz aus Südtirol gefunden. Ein Ärzteteam machte sich daraufhin auf den Weg ins rund 800 Kilometer entfernte Bozen, um das Organ zu übernehmen.

Beim Rücktransport kam es nach bisherigen Erkenntnissen zu einem folgenschweren Fehler. Das Herz wurde offenbar nicht – wie üblich – in normalem Eis bei etwa plus vier Grad gelagert, sondern geriet in Kontakt mit deutlich kälterem Trockeneis von rund minus 80 Grad. Dadurch sei das Organ “buchstäblich erfroren”, heißt es aus Ermittlerkreisen.

Trotz der massiven Schäden wurde das Herz transplantiert. Die Ärzte in Neapel hatten dem Kind sein eigenes Herz bereits entnommen. Da er ohne funktionierendes Organ nicht lebensfähig war, wurde er an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen. Den Eltern teilte man lediglich mit, die Transplantation sei fehlgeschlagen – weitere Details erhielten sie zunächst nicht.

Kind “nicht mehr transplantierbar”

Nachdem in ganz Europa nach einem zweiten Spenderherz Ausschau gehalten worden war, sprach sich zuletzt ein Expertengremium des Krankenhauses Monaldi gegen eine erneute Herztransplantation aus. Bereits das renommierte Vatikan-Kinderkrankenhaus Bambino Gesù in Rom hatte zuvor diagnostiziert, dass das Kind wegen des sehr hohen Risikos eines Multiorganversagens “nicht mehr transplantierbar” sei.

Wie die Staatsanwaltschaft in Bozen mitgeteilt hat, wurde unterdessen auch in Südtirol ein Verfahren gegen Unbekannt wegen fahrlässiger Körperverletzung in die Wege geleitet, nachdem ein privater Verein Anzeige erstattet hatte. Die beiden Staatsanwaltschaften stehen miteinander in Kontakt, um die territoriale Zuständigkeit sowie die weiteren Schritte zu prüfen. Bislang leitet die Staatsanwaltschaft von Neapel die Untersuchung.

Die Kühlbox, in die das Spenderherz gelagert worden war, wurde unterdessen beschlagnahmt. Im Mittelpunkt der Ermittlungen in Südtirol steht laut Ansa die Frage, woher das Eis stammt, mit dem das erste Spenderherz nach Neapel gebracht wurde. Staatsanwalt Axel Bisignano hat unterdessen klargestellt, dass es bislang keine Neuigkeiten in Zusammenhang mit Bozen gebe.

Bezirk: Bozen

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