Preise dennoch weiter im Sinkflug

Leere Gasspeicher: Italien über EU-Schnitt – Deutschland unter Druck

Dienstag, 17. Februar 2026 | 18:00 Uhr

Von: luk

Rom/Brüssel – Mit dem Fortschreiten der kalten Jahreszeit schrumpfen die Gasreserven in Europa weiter. Die Speicherstände sind inzwischen unter die Marke von 35 Prozent gefallen. Nach jüngsten Daten von “Gas Infrastructure Europe” liegt der durchschnittliche Füllstand bei 34,82 Prozent der Gesamtkapazität: Das entspricht rund 387,8 Terawattstunden (TWh).

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zeigt sich ein deutlicher Rückgang: Damals waren noch 526,7 TWh eingelagert, bei einer Quote von knapp 39 Prozent. Sollte sich der aktuelle Trend fortsetzen, könnten die Speicher laut einer Analyse historischer Daten der Nachrichtenagentur Reuters bis Ende März auf rund 30 Prozent oder sogar darunter sinken.

Italien über europäischen Schnitt – Deutschland unter Druck

Innerhalb Europas zeigen sich aber deutliche Unterschiede zwischen den großen Volkswirtschaften. Italien steht vergleichsweise solide da: Die Speicher sind zu 51,44 Prozent gefüllt, was etwa 104,6 TWh entspricht. Allerdings lag der Wert vor einem Jahr noch bei rund 60 Prozent.

Deutlich angespannter ist die Lage in Deutschland, traditionell das Land mit den größten Gasspeichern Europas. Dort beträgt der Füllstand lediglich 24,4 Prozent (61,2 TWh). Die Differenz spiegelt unterschiedliche Beschaffungsstrategien wider – ebenso wie den höheren Verbrauch in Mittel- und Nordeuropa, wo mehrere Kältewellen den Gasbedarf zusätzlich erhöht haben.

Insgesamt haben die kumulierten Verbräuche während der Heizsaison nahezu jenes Gas aufgezehrt, das im vergangenen Sommer eingespeichert worden war.

Anspruchsvolle Wiederbefüllung im Frühjahr

Für die Europäische Union zeichnet sich damit eine anspruchsvolle Phase der Wiederbefüllung ab. In den vergangenen Jahren wurden die Vorgaben zur vorsorglichen Speicherbefüllung deutlich verschärft. Mit niedrigen Ausgangswerten wird die Einspeicherung im Frühjahr und Sommer nun entsprechend größere Importmengen erfordern.

Sollten die Speicherstände zum Winterende nur bei rund 30 Prozent liegen, müssten laut Reuters-Analyse etwa 60 Milliarden Kubikmeter Gas eingespeist werden, um wieder das Niveau von 83 Prozent zu erreichen, mit dem Europa in die vergangene Heizperiode gestartet war.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass nicht sämtliche Importe in die Speicher fließen können: Ein erheblicher Teil dient unmittelbar der Deckung des laufenden Verbrauchs. Der tatsächliche Beschaffungsbedarf dürfte daher deutlich höher liegen.

Wachsende Bedeutung von LNG

Europa erhält weiterhin Pipeline-Gas aus Norwegen und Aserbaidschan, ergänzt durch eine eigene – wenn auch begrenzte – Produktion. Dennoch bleibt die Wiederbefüllung der unterirdischen Speicher eine enorme Herausforderung.

Vor diesem Hintergrund gewinnt verflüssigtes Erdgas (LNG) weiter an Bedeutung. Nach dem Beschluss der Europäischen Union, Energieimporte aus Russland bis 2027 schrittweise zu beenden, soll LNG einen wachsenden Anteil der Nachfrage decken.

Nach Einschätzung der “International Energy Agency” wird der Rückgang russischer Lieferungen vor allem durch zusätzliche LNG-Importe kompensiert. Eine deutliche Ausweitung der globalen Exportkapazitäten in den kommenden Jahren soll das Angebot auf dem Weltmarkt erhöhen.

Preise fallen trotz knapper Reserven

Bemerkenswert ist, dass die sinkenden Speicherstände bislang kaum Preisdruck erzeugen. Am Handelsplatz TTF in Amsterdam schloss der Gaspreis zuletzt unter 31 Euro pro Megawattstunde. DAs ist ein Niveau, das zuletzt am 14. Jänner erreicht worden war.

Die Futures für den Monat März gaben um 4,91 Prozent auf 30,9 Euro je MWh nach. Händler verweisen auf eine derzeit verhaltene Nachfrage sowie den steigenden Anteil erneuerbarer Energien an der Stromproduktion, die den Gasbedarf im Energiesektor dämpfen.

Analysten warnen jedoch: Sollte die Wiederbefüllung der Speicher langsamer vorankommen als geplant, könnte sich die derzeitige Preisruhe rasch als trügerisch erweisen.

Kommentare

Aktuell sind 4 Kommentare vorhanden

Kommentare anzeigen