Was der Klimawandel damit zu tun hat

Norditalien versinkt unter plötzlicher Winterrückkehr

Montag, 16. Februar 2026 | 16:53 Uhr

Von: idr

Prato Nevoso – Innerhalb weniger Stunden fielen im piemontesischen Wintersportort Prato Nevoso mehr als 30 Zentimeter Neuschnee. Im Hochtal von Balme bei Lanzo tanzten riesige Schneeflocken vom Himmel und verwandelten die Landschaft in eine bezaubernde Winterkulisse. Wer darin jedoch einen Gegenbeweis zum Klimawandel sehen möchte, greift zu kurz.

Auch im Susatal und in den Ossola-Tälern wurden örtlich 30 bis 40 Zentimeter Neuschnee gemessen. Gleichzeitig registrierte die Wetterstation Gran Vaudala in Ceresole Reale auf 3.272 Metern Höhe Orkanböen von bis zu 189 Stundenkilometern, wie die regionale Umweltbehörde ARPA Piemont mitteilte.

Nicht Temperatur, sondern Umschwung entscheidend

Doch das eigentliche Signal liegt im raschen Umschwung: Kaum ließ die Niederschlagsintensität nach, stieg die Schneefallgrenze deutlich an. Auf rund 1.200 Metern ging der Schnee bereits in Regen über, und das mitten im Februar. In La Thuile auf 1.450 Metern ein ähnliches Bild. In Courmayeur lagen am Morgen noch frische Schneemassen, am Nachmittag wurden plus sechs Grad gemessen. Im Aostatal folgte auf nächtlichen Schneefall ein Tagesmaximum von 13 Grad.

Für den Schnee- und Straßenexperten „SchneeToni“, der die Region rund um den Montblanc bereiste, ist das kein Widerspruch zur Klimaerwärmung, sondern Ausdruck davon. Während früher solche Schneelagen oft über mehrere Tage oder sogar Wochen von stabiler Kaltluft begleitet wurden, entladen sich heute große Niederschlagsmengen in kürzerer Zeit, gefolgt von rasch nachströmender milder Luft.

Die Physik dahinter ist eindeutig: Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen. Mehr Feuchtigkeit bedeutet mehr Energie im System und damit intensivere Niederschläge. Extreme Schneefälle bleiben also möglich, vielleicht sogar häufiger. Zwei Meter Neuschnee in 72 Stunden sind keineswegs ausgeschlossen. Doch zwischen diesen Ereignissen nehmen milde Phasen zu, die Schneefallgrenze schwankt stärker, stabile Hochwinterlagen mit dauerhaftem Frost werden seltener.

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