Von: luk
Bozen – In Südtirol ist eine politische Debatte um Banner und Schilder mit der Aufschrift „Tirol“ entbrannt. Vertreter rechter italienischer Regierungsparteien auf Landesebene üben scharfe Kritik an Aktionen des Südtiroler Schützenbunds und der Süd-Tiroler Freiheit.
Der stellvertretende Landeshauptmann Marco Galateo, zugleich Landesvorsitzender der Fratelli d’Italia, bezeichnete die Initiativen als „unverantwortliche Provokationen“. Gemeint sind unter anderem Kampagnen mit der Aufschrift „Grüß Gott in Tirol“ an Busstationen sowie das Auftauchen von „Tirol“-Schildern in Gebieten, in denen derzeit größere olympische Veranstaltungen stattfinden.
In einer Stellungnahme warnte Galateo vor einer „Eskalation politischer und symbolischer Botschaften“, die nichts zur Aufwertung des Landes beitrügen und stattdessen das friedliche Zusammenleben der Sprachgruppen gefährden könnten. Solche Aktionen schadeten seiner Ansicht nach auch dem Image Südtirols, das sich international als offenes und dialogorientiertes Gebiet präsentiere. Zudem bestehe die Gefahr, Vorbehalte gegenüber Südtirol in anderen Teilen Italiens zu verstärken und diplomatische Irritationen gegenüber österreichischen Institutionen zu verursachen.
Kritik kam auch von Landesrat Christian Bianchi, dem Landeskoordinator der Forza Italia. Er stellte insbesondere die Finanzierung der Kampagnen infrage. Die Informations- und Medienaktionen seien seiner Ansicht nach nicht nur gegenüber Italien und den in Südtirol lebenden Menschen beleidigend, sondern mutmaßlich auch mit erheblichen Kosten verbunden gewesen. Es müsse geklärt werden, wer dafür aufkomme und welche Ziele verfolgt würden.
Südtiroler Schützenbund weist Aussagen von Marco Galateo zurück
Der Südtiroler Schützenbund zeigt sich über die Aussagen von Landeshauptmann-Stellvertreter Marco Galateo zum Schriftzug „TIROL“ sehr verwundert. In einer Aussendung heißt es: “Wir sprechen von einem Land, das seit nahezu einem Jahrtausend Tirol heißt”, betont Landeskommandant Christoph Schmid. “Wenn wir Schützen diesen historischen Namen sichtbar machen, ist das weder eine schwere Provokation noch unverantwortlich, sondern Ausdruck geschichtlicher Realität und kultureller Identität. Wer darin bereits einen Affront erkennt, sollte sich fragen, wie belastbar das eigene Geschichtsverständnis ist.”
Besonders bemerkenswert sei die Behauptung, dies sei gegenüber Österreich peinlich. “Das ist ungefähr so, als würde man meinen, Frankreich könnte sich daran stören, wenn in Nizza Französisch gesprochen wird. Historische Identität ist kein diplomatischer Zwischenfall”, so die Schützen.
Ebenso befremdlich sei der Vorwurf, der Südtiroler Schützenbund agiere “wie eine politische Partei”. “Wir sind eine Traditions- und Wertegemeinschaft mit klarer historischer und volkstumspolitischer Verwurzelung. Dass wir unsere kulturelle Identität sichtbar vertreten, macht uns noch lange nicht zu einer Partei. Politische Symbolik in Südtirol hat eine lange Geschichte – nicht jede davon war ein Beitrag zum friedlichen Zusammenleben.”
Und weiter: Am erstaunlichsten bleibe jedoch die These, das Anschreiben des historischen Namens unseres Landes könne “das in Jahrzehnten des Dialogs aufgebaute Zusammenleben untergraben”. “Wenn ein Zusammenleben so fragil ist, dass es durch einen Tirol-Schriftzug ins Wanken gerät, dann liegt das Problem wohl kaum am Schriftzug.”
“Wir stehen zu unserer Geschichte, zu unserer Kultur und zum Namen unseres Landes. In Tirol sagt man: Wer im Glashaus sitzt, soll nicht mit Steinen werfen. Und manchmal genügt schon ein einziges Wort, um eine Debatte auszulösen: Tirol”, so Landeskommandant Schmid abschließend.
Auch STF reagiert
Die Bewegung Süd-Tiroler Freiheit spricht von “nationalistischen Entgleisungen” des Landesrates Marco Galateo gegen Tirol-Schilder und identitätsbezogene Slogans. Sie seien kein harmloser Appell an „Sachlichkeit“, sondern ein gefährliches Spiel mit der Geschichte Südtirols. Wenn Galateo von „schweren und verantwortungslosen Provokationen“ spricht, verkennt oder verdränge er bewusst, dass genau diese Rhetorik schon einmal benutzt wurde: “Auch die Faschisten wollten den Namen Tirol auslöschen, Symbole verbieten und den Südtirolern ihre kulturelle Identität absprechen. Alles, was nicht ins nationale Einheitsbild passte, wurde als Störung, Provokation oder Gefahr gebrandmarkt. Heute klingt es zwar ‘höflicher’, der Kern ist derselbe.”




Aktuell sind 18 Kommentare vorhanden
Kommentare anzeigen