Die Leiter der Bergrettung im Pongau vor dem Lawinenwarnbericht

Nach Lawine in Großarl ermittelt die Staatsanwaltschaft

Montag, 19. Januar 2026 | 15:34 Uhr

Von: apa

Nach dem Lawinenunfall einer Alpenvereinsgruppe im Großarltal (Pongau) mit vier Toten am Samstag hat die Staatsanwaltschaft Salzburg gegen die Bergführerin, die die Gruppe geführt hatte, ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung eingeleitet, sagte die stellvertretende Mediensprecherin Elena Haslinger am Montag zur APA. Die Bergrettung warnte am Montag, dass sich an der teils kritischen Schneelage nicht so schnell etwas ändern werde.

Laut Haslinger wurde noch am Wochenende ein Sachverständiger bestellt, der die Unfallursache ermitteln und ein Gutachten erstellen soll. Mehr könne sie derzeit aber noch nicht sagen, weil die Ermittlungen noch am Anfang stehen, betonte die Staatsanwältin.

Gruppe bestand aus erfahrenen Tourengehern

Die Lawine war Samstagnachmittag unterhalb des Thronecks auf einer Seehöhe von etwa 2.000 Metern abgegangen. Die Schneemassen erfassten die Richtung Finsterkopf aufsteigende siebenköpfige Skitourengruppe, rissen sie mit und verschütteten alle völlig. Für zwei Männer aus Tirol im Alter von 65 und 63 Jahren, eine 60-Jährige aus der Steiermark sowie einen 53-Jährigen aus Oberösterreich kam jede Hilfe zu spät. Sie konnten nur mehr tot ausgegraben werden. Ein 58-jähriger Salzburger konnte sich selbst aus den Schneemassen befreien. Er blieb unverletzt, setzte die Rettungskette in Gang und begann sofort, seine Kameraden zu suchen und auszugraben. Alle Kursteilnehmer hatten Lawinenverschütteten-Suchgeräte (LVS) bei sich. Ein Mann und eine Frau konnten noch lebend aus der Lawine befreit werden.

Bei der Gruppe handelte es sich um einen Kurs im Rahmen des regulären Winterausbildungsprogramms des Alpenvereins. Laut Gerald Zagler, Sprecher des Alpenvereins, war der Kurs für erfahrene Tourengeher von einer Bergführerin geleitet worden. Die Ermittler der Alpinpolizei und Sachverständige müssen nun klären, ob die Frau Mitschuld am Unglück trägt. Bei einer weiteren Lawine in Bad Hofgastein kam ebenfalls am Samstag noch eine Skitourengeherin vor den Augen ihres Mannes ums Leben.

Sieben Totbergungen in sieben Tagen für Bergrettung

Laut Josef Hettegger, stellvertretender Bezirksleiter der Bergrettung Pongau, wird sich an der teils kritischen Schneelage in absehbarer Zeit wenig ändern. “Wir haben viele labile Auflagen, wo die Verbindung zum Untergrund ganz schlecht ist, die schon bei geringer Belastung abgehen können. Das ist ganz schwer einzuschätzen”, sagte er bei einem Mediengespräch am Montag. Er appellierte auch, sich auf das Bauchgefühl zu verlassen. “Das Ziel ist nicht der Gipfel, sondern wieder gesund nach Hause zu kommen.”

Bezirksleiter Gerhard Kremser sprach von einer schwierigen Zeit für seine Organisation. “Wir hatten im Pongau auf sehr kleinem Raum in sieben Tagen sieben Totbergungen, sechs Lawinentote und einen erfrorenen Urlauber. Einige Retter waren bei der Bergung von sechs Toten dabei, darunter ein 13-jähriges Kind. Das ist sehr belastend.” Die Bergrettung habe zum Glück schon vor 20 Jahren begonnen, Peers auszubilden, die nach solchen Einsätzen die Kameraden betreuen können, ergänzte Hettegger.

“Wir machen unseren Job und geben kein Urteil ab”

Bergrettungs-Landesleiter Richard Freicham betonte, dass seine Organisation nicht die Frage stelle, ob jemand fahrlässig oder grob fahrlässig gehandelt habe.”Wir machen unseren Job und helfen und geben kein Urteil ab.” Salzburgs Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP), die am Montag eine Abordnung der Bergrettung zum Antrittsbesuch empfangen hatte, sprach von einem “schwarzen Samstag”.

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