Liste des ausgegebenen Materials angefordert

Transplantations-Drama: Blick der Staatsanwaltschaft Neapel richtet sich auf Bozen

Samstag, 07. März 2026 | 09:57 Uhr

Von: luk

Bozen/Neapel – Die Staatsanwaltschaft in Neapel richtet ihren Blick zunehmend auf das Krankenhaus Krankenhaus Bozen. Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht der Transport eines Spenderherzens aus Südtirol nach Kampanien. Laut bisherigen Erkenntnissen kam es zu zahlreichen Abweichungen des Protokolls, Spannungen innerhalb der Ärzteteams und womöglich auch verhängnisvollen Nachlässigkeiten.

Am 21. Februar ist der kleine Domenico aus Kampanien – für den das Spenderherz aus Südtirol bestimmt war – im Krankenhaus Monaldi verstorben. Derzeit wird davon ausgegangen, dass das Herz während des Transports durch falsche Kühlung beschädigt wurde.

Das Kind starb, nachdem sein Herz – nach Angaben der Ermittler möglicherweise durch Trockeneis – gefroren und damit unbrauchbar geworden war. Dennoch wurde das Organ am Krankenhaus Neapel transplantiert, weil dem Kind zuvor bereits das eigene Herz entfernt worden war.

Ermittlungen gegen sieben Personen

Die Ermittlungen laufen wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung. Bekanntermaßen stehen sieben Personen unter Verdacht, alle aus dem Umfeld der neapolitanischen Transplantationsmedizin. Die Staatsanwaltschaft in Neapel prüft nun detailliert die Abläufe beim Organtransport.

Der leitende Staatsanwalt in Bozen, Axel Bisignano, bestätigte unterdessen, dass neben einer bereits bekannten Anzeige von Federconsumatori Campania eine weitere nationale Vereinigung eine Beschwerde bei der Staatsanwaltschaft in Bozen eingereicht hat. „Derzeit liegt die Zuständigkeit weiterhin bei der Staatsanwaltschaft in Neapel“, erklärte Bisignano.

Liste des Materials angefordert

Die Ermittler in Neapel haben inzwischen die NAS-Einheit der Carabinieri in Trient beauftragt, eine vollständige Liste der Materialien anzufordern, die das Personal des Krankenhauses Bozen dem neapolitanischen Team zur Verfügung gestellt hatte. Dieses hatte am 23. Dezember in Bozen das Spenderherz entnommen.

Besonders interessiert die Staatsanwaltschaft, ob dem Team geeignete sterile Beutel für den Transport des Herzens übergeben wurden und ob stattdessen ein sogenanntes Histologiegefäß verwendet wurde – ein nicht steriler Kunststoffbehälter, der normalerweise für anatomische Proben bestimmt ist, berichtet die Zeitung Alto Adige.

Verwirrung um das Eis

Zentraler Punkt der Ermittlungen ist die Frage, welches Kühlmittel verwendet wurde. Nach Aussagen zweier Mitarbeiter soll die neapolitanische Chirurgin Gabriella Farina zusätzliches Eis für den Rücktransport angefordert haben.

Ein Mitarbeiter des Krankenhauses Bozen erklärte, er habe daraufhin einen Polystyrolbehälter mit zerkleinertem Eis gezeigt. Dieses sei äußerlich kaum von gewöhnlichem Wassereis zu unterscheiden gewesen. Unklar ist bislang, ob es sich tatsächlich um Trockeneis mit einer Temperatur von etwa minus 78 Grad handelte. Geklärt werden muss auch, ob es den typischen weißen Rauch abgesondert hat. Die Ärztin aus Neapel hatte jedenfalls laut Aussagen des Mitarbeiters ihr OK für das gezeigte Kühlmittel gegeben.

Der Mitarbeiter bestätigte, schließlich Trockeneis in den Transportbehälter gegeben zu haben: “Ich habe getan, was von mir verlangt wurde”, sagte er.

Improvisierte Lösung beim Transport

Zunächst habe die Chirurgin einen Plastikbehälter für das Herz verlangt. Da ein solcher nicht verfügbar gewesen sei, habe das Personal Histologiegefäße gezeigt, die normalerweise für Gewebeproben verwendet werden. Eines davon sei schließlich genutzt worden.

Anschließend sei der Behälter in eine Kühlbox aus Hartplastik gelegt worden, die an Campingkühlboxen erinnere und keinen Thermostat besitzt. Um das Gefäß herum sei Eis platziert worden. In der Box habe sich bereits teilweise geschmolzenes Eis befunden.

Da die Kühlbox keine Temperaturkontrolle ermöglicht, konnte das Team die Temperatur während des Transports nicht überwachen. Das Herz kam schließlich mit Kälteverbrennungen in Neapel an und galt medizinisch als unbrauchbar.

Zugang zu Trockeneis eingeschränkt

Im Krankenhaus Bozen wurden inzwischen Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Der Raum, in dem sich der Behälter mit dem Trockeneis befindet, wurde verschlossen. Zusätzlich wurden ein Vorhängeschloss am Trockeneisbehälter angebracht.

Bezirk: Bozen

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