Leere blaue Fläche statt Diamantencollier

Nach Millionencoup nun Metalldetektoren im MAK im Einsatz

Samstag, 29. August 2026 | 15:17 Uhr

Von: importer

Nach dem millionenschweren bewaffneten Juwelenraub im Wiener Museum für angewandte Kunst (MAK) sind die Sicherheitsvorkehrungen verschärft worden. Generaldirektorin Lilli Hollein bestätigte gegenüber der APA, dass seit Freitag für den Besuch der “Glanzstücke”-Schau Metalldetektoren im Einsatz seien. Die Tat war am Donnerstagnachmittag blitzartig über die Bühne gegangen. Laut dem “Kurier” müssen nun auch Taschen und Rucksäcke an der Garderobe abgegeben werden.

Die Zeitung berichtete zudem von zehn Sicherheitsmitarbeitern sowie erweiterter Videoüberwachung. Diese Maßnahmen wurden allerdings laut Hollein schon vor Beginn der Ausstellung getroffen. Das MAK hatte am Freitag offen gelassen, welche Sicherheitsvorkehrungen seither gelten. “Die Bedingungen für die Wiedereröffnung wurden in enger Abstimmung mit der Polizei geprüft. Der sichere Ausstellungsbetrieb ist gewährleistet”, hatte es lediglich geheißen.

Debatte um Sicherheitsvorkehrungen

In der kommenden Bundesmuseenkonferenz am 16. September soll nach dem Wunsch von Kunstsektionschefin Theresia Niedermüller das Thema Sicherheit ganz oben auf die Tagesordnung gesetzt werden. Hollein versicherte im Gespräch mit der APA, es seien höchste Sicherheitsstandards eingehalten und besonders geschultes externes Sicherheitspersonal eingesetzt worden. Metalldetektoren seien in Europa nur etwa bei besonders gefährdeten Museumseinrichtungen wie Jüdischen Museen im Einsatz. Museen müssten zwischen der Sicherheit der gezeigten Objekte und der Offenheit gegenüber Besucherinnen und Besuchern abwägen.

Rückendeckung erhielt MAK-Chefin Hollein am Samstag auch vom Museumsverband ICOM Österreich. Dessen Geschäftsführerin Elke Kellner betonte im “Ö1”-Mittagsjournal: “Aus Sicht vom Museum hat man alles getan, was möglich war.” “Das MAK hat sich gut vorbereitet.” Museen seien bei derartigen Vorkehrungen immer im “Zwiespalt zwischen Sicherheit der Sammlungen und Offenheit gegenüber Besuchern”, sagte sie weiter. “Da müssen wir abwägen und uns auf diese Bedrohungen einstellen.”

Coup dauerte nur Minuten

Die beiden – mit einer mutmaßlich echten Faustfeuerwaffe sowie einem Hammer ausgestatteten – Männer waren am Donnerstag gegen 14.00 Uhr als Besucher in das Museum gekommen. Der mit der Pistole bewaffnete Verdächtige trug laut Polizei seine Waffe offen, um sich den Weg frei zu machen. Sein Komplize schlug mit einem Hammer die Scheiben der laut Hollein aus Panzerglas bestehenden Vitrine mit dem Diamantencollier ein.

Ein Augenzeuge schilderte gegenüber “Wien heute” seine Begegnung mit einem der beiden Juwelenräuber. “Er kam mit einer Waffe die Stiege heruntergestürmt, lief hinaus und rannte mit dem anderen Mann aus der Tür. Aber sobald sie draußen waren, hörten sie plötzlich auf zu rennen und gingen ganz ruhig weiter.” Die Spur der Männer verliert sich laut Polizei beim Stadtpark. Die weitere Flucht sei noch Gegenstand der Ermittlungen, hieß es seitens der Polizei. Bei der Tat dürfte es sich jedenfalls um einen echten Blitzcoup handeln. “Vom Betreten des Museums bis zur Flucht vergingen nur wenige Minuten”, betonte Haßlinger.

Die internationale Lichtbildfahndung nach den Männern läuft. “Ihre Fotos werden selbstverständlich an andere Polizeibehörden verschickt und mit Datenbanken abgeglichen”, erklärte der Sprecher. Zu weiteren Details des Ermittlungsstandes wollte sich Haßlinger nicht äußern. “Alles ist im Laufen”, betonte er lediglich. Die Sicherung der Spuren und Bilder aus den Überwachungskameras war am Freitag noch in Gang gewesen. Auch Aufnahmen von Kameras in der Umgebung – an Straßenzügen oder U-Bahn-Stationen – stehen im Fokus der Ermittler des Landeskriminalamts. Zeugen werden ebenfalls befragt.

Männer raubten weltberühmtes Collier

Bei der Beute handelt es sich um das weltberühmte Diamantencollier der Königin Nazli von Ägypten, das 1939 vom Pariser Luxusjuwelier Van Cleef & Arpels im Art-déco-Stil gefertigt wurde. Die Polizei äußert sich nicht zum Wert des Schmuckstücks. Laut Datenbank des Auktionshauses Sotheby’s erzielte das Collier vor zehn Jahren bei einer Versteigerung in New York einen Wert von 4,3 Millionen Dollar (rund 3,7 Millionen Euro). Das Collier ist mit mehr als 600 runden Diamanten sowie Diamanten im Baguetteschliff besetzt, die in einem strahlenförmigen Motiv angeordnet sind. Die Königin gab dieses Collier sowie eine dazu passende Tiara für die Hochzeit ihrer Tochter Fawzia mit dem iranischen Kronprinz und späteren Schah Mohammad Reza Pahlavi in Auftrag.

Das Collier war im Rahmen der Ausstellung “Glanzstücke” gezeigt worden. Gezeigt werden dort seit Juni rund 500 Exponate, mehr als 300 von Van Cleef & Arpels und über 200 aus der Sammlung des MAK.

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