"Spekulationen belasten Familien und Fachkräfte"

Nach Transplantations-Tragödie: “Keine voreiligen Schlüsse”

Dienstag, 24. Februar 2026 | 14:19 Uhr

Von: luk

Bozen/Neapel – Nach der missglückten Herztransplantation an dem zweijährigen Domenico in Neapel ruft Gesundheitslandesrat Hubert Messner dazu auf, die Ermittlungsergebnisse abzuwarten und keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Messner verweist auf die schwierige Situation der Familien.

Der Verlust eines Kindes ist das Schmerzlichste, was Eltern und Familien widerfahren könne. “Aus meiner jahrzehntelangen Tätigkeit als Neonatologe weiß ich um die Tragweite solcher Ereignisse. Mein tiefes Mitgefühl gilt in erster Linie den Familien und Angehörigen der beiden verstorbenen Buben. Was uns alle besonders betroffen und fassungslos macht, ist, dass sich diese Tragödie im Zusammenhang mit einer Organspende ereignet hat – jenem Akt der Solidarität, der wohl wie kein zweiter Sinnbild für Hoffnung und Leben ist”, sagt Messner.

Strenge Protokolle – Gesamtverantwortung bei Empfängereinrichtung 

Allerdings seien neben den Trauerfamilien auch jene schwer getroffen, die im Organspendeprozess mit höchster Professionalität gehandelt haben: das Gesundheitspersonal am Landeskrankenhaus Bozen, die behandelnden Ärztinnen und Ärzte, die Krankenhausleitung sowie die Verantwortlichen im Südtiroler Sanitätsbetrieb, so der Landesrat.

“Zwei weitere lebenswichtige Organe wurden erfolgreich transplantiert. Das unterstreicht die Einhaltung der national und international vorgeschriebenen strengen Protokolle und Abläufe”, hebt Messner hervor. Der Landesrat verweist auch darauf, dass die Gesamtverantwortung für den Transplantationsprozess – von der Entnahme über den Transport bis zur Implantation – beim Transplantationsteam der jeweiligen Empfängereinrichtung liegt.

Aufklärung obliegt Ermittlungsbehörden – Sachlichkeit, Verantwortung und Respekt sind gefragt

“Nun gilt es, die genauen Abläufe und Ursachen dieses folgenschweren Ereignisses umfassend aufzuklären. Diese Aufgabe obliegt den zuständigen Ermittlungsbehörden, mit denen wir vollumfänglich kooperieren”, stellt Messner klar.  Der Landesrat plädiert dafür, bis zum Vorliegen der Ermittlungsergebnisse voreilige Schlüsse und Spekulationen zu unterlassen, denn diese würden den betroffenen Familien und den involvierten Fachkräften nur noch weiteres Leid zuzufügen. “Ich ersuche daher, vor allem in der medialen Berichterstattung, um Sachlichkeit, Verantwortung und Respekt im Umgang mit dieser Tragödie zum Schutz der Familien und Angehörigen, im Interesse aller Beteiligten und aus Achtung vor den verstorbenen Jungen”, betont Messner.

Organspende gilt als eine der größten Errungenschaften moderner Medizin

Gerade wegen der Tragik des Vorfalls erinnert Messner an die immense Bedeutung der Organspende: “Die Möglichkeit, Organe zu spenden und zu transplantieren, ist eine der größten Errungenschaften der modernen Medizin.” Ein generelles Infragestellen dieses Systems hätte gravierende Folgen für Menschen, die dringend auf ein lebensrettendes Organ warten, erklärt der Landesrat.  “Teil dieser Errungenschaft wäre auch der Grundsatz, dass Informationen, die Spender oder Empfänger identifizierbar machen, etwa Alter, Herkunft oder nähere Umstände, zum Schutz der Betroffenen und ihrer Familien nicht öffentlich gemacht werden dürften”, unterstreicht Messner.

Bezirk: Bozen

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